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katholischen  Kirchenthume  gebrochen  hatte,  wie  der  Calvinismus,
hatte  manche  Gebräuche  und  Ceremonien  mit  herüber  genommen
und  bewahrt.  Friedrich  Wilhelm  erstrebte  die  völlige  Verschmelzung,
  und  gebot  zunächst  den  Lutheranern  solche  Gebräuche  zu
unterlassen.  Es  blieb  keine  Wahl  als  Gehorsam  oder  Entlassung.
Friedrich  Wilhelm  selbst  hielt  sich  für  durchaus  orthodox.  Er  forderte
  dasselbe  von  Anderen.

Friedrich  Wilhelm  handelte  so  in  gutem  Glauben.  Der  Protestantismus
  war  ihm  nicht  ein  vager,  unfaßbarer  Begriff,  den  der
Eine  so  auslegt,  und  ein  Anderer  wiederum  anders:  er  war  ihm
die  fest  bestimmte  Lehre,  die  in  den  symbolischen  Büchern  Gestalt
gewonnen  hatte.  Die  Geistlichen,  häufig  auch  die  Lehrer,  namentlich
  diejenigen  der  Universitäten  beschworen  diese  symbolischen  Bücher.
Einem  streng  gewissenhaften  Manne  von  der  Art  Friedrich  Wilhelms
  konnte  es  nicht  in  den  Sinn  kommen,  daß  Jemand  nur  der
Form  wegen  einen  solchen  Eid  leiste.  Er  nahm  es  für  Wahrheit.

Wie  sollte  sich  nun  Friedrich  II.  dazu  verhalten?  Wenn  Jemand
  unter  ihm  die  Facon  des  Königs  in  Glaubenssachen  annahm,
  wie  es  leicht  möglich,  wie  es  sogar  nach  der  Weise  der
Menschen  in  vielen  Fällen  wahrscheinlich  war:  sollte  da  der  König
solche  Männer,  die  er  vermöge  seiner  Anschauung  als  die  eigentlichen
  Philosophen  für  die  rechten  Lehrer  des  Volkes  halten  mußte,
sollte  er  als  Oberbischof  solche  Männer  ausschließen  von  der  Lehrthätigkeit
  auf  Kanzeln  und  Kathedern?  Der  König  half  sich  auf
andere  Weise.  Er  statuirte  stillschweigend  eine  doppelte  Lehre:  die
eine  für  die  Philosophen,  die  andere  für  das  Volk.  Für  das  letztere
sollte  das  Hergebrachte  bestehen  bleiben.  Es  scheint,  daß  das  Wort
von  der  Facon  mindestens  die  Bildung  von  Sekten  ermöglicht
haben  müsse.  Dem  war  nicht  also.  Als  sich  zu  Aufang  seiner
Regierung  zu  Treptow  eine  nene  Sekte  bilden  wollte,  und  der
Geistliche  des  Ortes  selbst  an  der  Spitze  eine  auffallende  Predigt
hielt,  gab  der  König  Befehl  den  Urhebern  nachzuforschen  und  die-