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Seine  Erziehung  brachte  es  mit  sich,  daß  sein  Nachdenken  früh
auf  religiöse  Fragen  gerichtet  war.  Namentlich  fesselte  ihn  das
alte  Räthsel  der  Philosophen,  welches  nicht  durch  grübelnde  Speculation
  sich  lösen  läßt,  nicht  durch  den  Klingklang  der  Worte,
welche  nur  die  Unwissenheit  zu  verhehlen  dienen,  sondern  lediglich
durch  das  Schaffen  und  Wirken  des  Lebens:  das  Räthsel  von  der
Freiheit  oder  Nothwendigkeit  in  den  Handlungen  der  Menschen.
Friedrich  huldigte  in  seinen  Jünglingsjahren  zum  großen  Kummer
des  Vaters  der  Lehre  der  unbedingten  Prädestination.  Er  ließ  sie
später  fahren;  doch  kam  er  in  seinen  Briefen  häufig  auf  derartige
Erörterungen  zurück.  Namentlich  ist  der  Briefwechsel  mit  Voltaire
und  d'Alembert  reich  an  solchen  Fragen.  Unter  denselben  mußte
der  Natur  der  Sache  nach  sich  die  eine  und  wichtige  vordrängen,
welche  Stellung  die  Philosophie  dem  Volke  gegenüber  einzunehmen
  habe.

Wir  sehen  in  dieser  Beziehung  ein  beständiges  Schwanken.
Denn  obwohl  Friedrich  II.  oft  und  oft  betont,  )  daß  das  Volk
eines  Aberglaubens  bedürfe:  so  lebt  doch  auf  der  anderen  Seite
in  ihm  der  natürliche  Drang  des  Menschen  die  eigenen  Ansichten
und  Meinungen  auch  Anderen  mitzutheilen  und  sie  zum  Gemeingute
  zu  machen.  Es  ist  bekannt,  daß  er  auf  die  Veranlassung
d'Alemberts  seiner  französischen  Akademie  die  Frage  zuschob,  ob  es
nützlich  sei  das  Volk  zu  täuschen,  oder  nicht.  Er  selbst  erörtert  die
Frage  vor  dem  Philosophen  d'Alembert.  Er  unterscheidet  zweierlei
Zeiträume.  Der  erste  ist  der  ursprüngliche,  wo  Irrthum  und  Aberglauben
  noch  unbekannt  waren.  In  der  folgenden  Entwickelung
findet  er  eine  doppelte  Art  des  Betruges.  Der  ersten  Art  desselben
  diente  der  Aberglaube  zum  Fußschemel:  die  andere  Art  dagegen
  konnte  durch  das  Mittel  einiger  Vorurtheile  dienen  den  Geist
des  Volkes  zum  eigenen  Besten  desselben  zu  lenken.  Zur  ersten

1)  Brief  an  d  Alembert  vom.  3.  April  1770.