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chem  er  als  Kirchenform  mit  bestimmten  Bekenntnissen  zu  Recht
besteht.  Dennoch  hatte  der  Protestantismus  in  seinen  Augen
große  Vorzüge.

Diese  beruhten  allerdings  einerseits  auf  einem  Irrthume,  der
eben  so  wie  jene  Auslegung  des  Protestantismus  als  die  Religion
der  reinen  Subjektivität  sich  auch  sonst  häufig  findet.  Friedrich  II.
maß  dem  Reformator  Luther  bei,  daß  er  die  katholische  Kirche  angegriffen
  habe  aus  Gründen  der  Vernunft.  Es  genügt  einen  Blick
in  die  öffentlichen  Schriften  Luthers,  wie  in  seine  Briefe  zu  werfen,
um  darzuthun,  daß  Luther  sich  für  seine  Lehre  einzig  und  allein
auf  das  Wort  der  Bibel,  und  niemals  auf  die  Vernunft  berufen
hat.  Friedrich  II.  konnte  diese  Behauptung,  daß  die  Gründe  der
Vernunft  Luther  zum  Auftreten  gegen  die  bisherige  Kirchenform
bewogen  haben,  nur  deshalb  aufwerfen,  weil  in  den  Schriften  des
Königs  sich  auch  nicht  eine  Spur  findet,  welche  für  eine  eigene
Bekanntschaft  des  Königs  mit  Luthers  Gedanken  und  Worten
Zeugnis  ablegt.  Luther  war  dem  Könige  fast  wie  ein  mythischer
Name,  dem  er  einen  Körper  gab,  indem  er  ihm  die  eigenen  Gedanken
  unterlegte.  Ist  doch  dies  eine  so  häufige  Erscheinung,
namentlich  in  unseren  Tagen,  wo  mit  der  raschen  Verbreitung  des
Wissens  zugleich  auch  eine  noch  raschere  Verbreitung  des  Halbwissens
  ermöglicht  ist.  Es  ist  in  unseren  Tagen  nicht  selten,  daß
Luther,  dessen  ganzes  Sein  und  Denken  sich  concentrirte  in  seiner
Lehre  von  der  Rechtfertigung  allein  durch  den  Glauben  an  den
stellvertretenden  Versöhnungstod,  gelten  muß  als  der  Urheber  und
Anfänger  des  Wortes  von  der  Facon.  In  gewissem  Sinne  war
er  es;  aber  seine  Meinung  und  diejenige  des  Königs  Friedrich
sind  wie  Wasser  und  Feuer.

Wir  würden  dem  Könige  Unrecht  thun,  wenn  wir  ihm  persönlich
  vor  Anderen  seiner  Zeit  diesen  Vorwurf  machen  wollten.
Wie  überhaupt  der  Mangel  an  eingehender  geschichtlicher  Wissenschaft
  der  hauptsächliche  Fehler  des  seichten  Rationalismus  ist,  der