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sich  zur  Zeit  Friedrichs  II.  und  zum  bedeutenden  Theile  durch  sein
Zuthun  ausbildete:  so  tritt  dieser  Irrthum  namentlich  bei  der
Person  Luthers  hervor.  Die  Lehre,  welche  dieser  Mann  so  oft
und  so  nachdrücklich  als  den  alleinigen  Kern  des  Christenthums
hervorgehoben,  welche  die  Fahne  der  Orthodoxie  des  sechszehnten
und  siebzehnten  Jahrhunderts  gewesen  war,  gerieth  bei  dem  Geschlechte
  des  achtzehnten  in  völlige  Vergessenheit.  Die  symbolischen
Bücher  und  Bekenntnisschriften,  welche  diese  Lehre  predigen,  wie
Luther  es  gethan,  bestanden  fort.  Man  unterschrieb  sie.  Man
erkannte  die  Gültigkeit  an.  Allein  den  Inhalt  kannte  man  nicht
mehr.  Und  doch  pries  man  Luther.  Freilich  man  pries  ihn,  nachdem
  man  ihm  zuvor  das  Gewand  des  achtzehnten  Jahrhunderts
angelegt.

Ein  anderer  Grund,  weshalb  Friedrich  II.  auf  seinem  Standpunkte
  die  protestantische  Kirchenform  der  katholischen  vorzog,  ist
für  Friedrichs  Stellung  gewichtiger  und  wahrer.  Er  spricht  denselben
  am  kürzesten  aus  in  seiner  Instruction  für  die  Erziehung
des  Thronerben  Friedrich  Wilhelm.  1)  „Wenn  der  Knabe,“  sagt
der  König,  „ein  fanatischer  Calvinist  würde:  so  wäre  alles  verloren.
  Es  ist  sehr  nothwendig  auch  den  Geistlichen  zu  hindern,
daß  er  nicht  frommer  Weise  Injurien  gegen  die  Papisten  vorbringe.
Aber  der  Gouverneur  muß  seinen  Zögling  geschickt  zu  der  Erkenntnis
  führen,  daß  nichts  gefährlicher  ist,  als  wenn  die  Katholiken
die  Oberhand  im  Staate  haben,  wegen  der  Verfolgung  und  des
Ehrgeizes  des  Papstes,  und  daß  ein  protestantischer  Fürst  weit  eher
Herr  ist  in  seinem  Hause,  als  ein  katholischer.“

Die  letzten  Worte  vor  allen  Dingen  sind  bezeichnend.  Nach
der  Anschauung  Friedrichs  konnte  die  absolute  Allgewalt  des  Königs
nicht  mit  dem  Katholizismus,  sondern  nur  mit  dem  Protestantismus
  bestehen.

1)  Oenv.  IX.  37.