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religiösen  Meinungen,  wie  diejenigen  der  Philosophie  immer  schwach
sein,  wenn  sie  nicht  gestützt  sind  durch  die  Furcht  vor  dem  Galgen
und  der  öffentlichen  Verachtung.  Die  Religion  kann  dem  Ehrgeize
  nur  dienen  in  der  Zeit  der  Schwärmerei,  wie  es  zur  Zeit
Constantins,  der  Kreuzzüge,  der  Reformation  Luthers  und  Calvins
gewesen  ist.  Wenn  diese  Gährung  vorüber  geht,  so  ist  es  mit  dem
Eifer  aus,  und  dem  Fanatismus  folgt  die  Lauheit.  Uebrigens
möge  man  erfinden,  was  man  wolle,  möge  man  die  Grundsätze
des  Stoizismus  erneuern,  die  Entsagung  und  die  Demuth  der
ersten  Christen:  das  Volk  wird  die  schönen  Reden  hören,  ohne  sie
zu  begreifen.  Es  wird  sich  rächen,  wenn  es  beleidigt  ist.  Es
wird  zornig  werden,  wenn  sich  zu  viel  Galle  in  den  Magen  ergießt:
  kurz,  es  wird  sich  den  Lastern  ergeben  nach  Umständen  und
Gelegenheit.  Das  ist,  mein  lieber  Bruder,  die  Schilderung  unserer
Gattung.  Ich  würde  sie  edler  halten,  wenn  ich  könnte.  Meine
Eigenliebe  hat  ja  auch  ihren  Theil  daran.  Allein  wenn  man  die
Dinge  mit  Nachdenken  und  Consequenz  prüft,  und  besonders,  wenn
Einem  so  viele  Ungerechtigkeiten  vorkommen,  und  manchmal  so
abscheuliche  Dinge,  welche  jenes  Urtheil  bestätigen:  so  ist  man  genöthigt
  einzuräumen,  daß,  so  lange  die  Welt  nur  von  Menschen
bewohnt  wird,  man  sie  moralisch  nicht  auf  eine  höhere  Stufe
heben  kann,  als  die  sie  gegenwärtig  einnimmt.  Vielleicht  gibt  es
eine  andere  Welt,  nur  von  Engeln  oder  stoischen  Idealen  bewohnt,
bei  denen  Religion  und  Moral  etwas  mehr  vermögen.  Das  vernünftigste
  Verfahren  ist  uns  zu  nehmen  wie  wir  sind,  und  mit
Ituriel  zu  sagen:  wenn  nicht  alles  gut  ist,  so  ist  doch  alles  vergänglich.“


Der  Prinz  Heinrich  bekämpft  diese  trostlosen  Ansichten.  Friedrich
  geht  zur  Erwiederung  darin  nur  weiter.  „Alexander,“  sagt
er,  „ferner  Timur,  Dschingiskhan,  Julius  Cäsar,  Karl  XII.  haben
sich  alle  dem  Teufel  übergeben,  um  von  sich  reden  zu  machen.

Dennoch  hat  sich  ein  Jude  gefunden,  der  sich  auf  dem  Calvarien=Klopp,
  der  König  Friedrich  II.  28