437

übrig  zu  bleiben  schien,  als  nöthig  war,  um  die  Schulen  gründlich
zu  verbessern.“

Man  sieht,  Dohm  hat  in  diesem  seinem  Versuche  der  Erklärung
  des  Widerspruches  den  Gesichtspunkt  etwas  verschoben.  Der
König  hat  nicht  bloß  gesagt,  daß  er  die  Bildung  der  Jugend  für
zweckmäßig  halte,  daß  er  sie  fördern  wolle,  daß  er  die  Absicht  habe
dies  zu  thun.  Er  sagt  vielmehr  ganz  bestimmt  und  ausdrücklich,
daß  er  dies  thue  und  gethan  habe.  Er  fordert  ganz  bestimmt
und  ausdrücklich  den  Dank  des  Vaterlandes,  weil  es  die  Früchte
seines  Thuns  ernte,  die  Früchte,  die  er  selbst  nicht  mehr  erblicken
könne.  In  solcher  Weise  spricht  sich  der  König  zu  dem  Philosophen
  d'Alembert  aus.  Es  bleibt  mithin  auch  nach  Dohms  Ver-ü
sicherung,  daß  so  viel  wie  nichts  geschehen  sei,  die  Frage  übrig,
ob  denn  nicht  der  König  etwas  gethan  habe.  Betrachten  wir  das
Schulwesen  seiner  Zeit.

Die  Mutter  des  eigentlichen  Volksschulwesens  ist  die  Kirche.
Die  lehrende  Thätigkeit  schloß  sich  eng  und  untrennbar  an  die
gottesdienstliche  an.  Auf  kirchlichem  Boden  wuchsen  wie  die  Universitäten,
  so  auch  die  niederen  Schulen  empor.  Selbst  auch  diejenigen
  deutschen  Universitäten,  welche  nach  der  Reformation  gestiftet
  wurden,  verdankten  ihre  Ausstattung  dem  alten  Kirchengute,
  und  verbanden  sich  innig  mit  dem  neuen  Kirchenthume.  Ja
es  kommt  sogar  der  merkwürdige  Beweis  des  zähen  Festhaltens.
der  alten  Tradition  vor,  daß  der  Herzog  Albrecht,  der  Preußen  säcularisirt
  hatte,  für  seine  neue  Universität  in  Königsberg  die  Bestätigung
  des  Papstes  sich  erbat  und  erhielt.  In  gleicher  Weise
war  es  mit  den  Schulen  für  das  Volk.  Diese  waren  bei  jeder
größeren  Kirche  vorhanden  vor  der  Reformation.  Luther  hob  mit
gewichtigem  Nachdrucke  die  Nothwendigkeit  der  Erhaltung  und
Beförderung  derselben  hervor.  Seine  Wirksamkeit  trug  mächtig
bei,  daß  die  Reformation  in  Deutschland  in  dieser  Beziehung  einen
so  sehr  verschiedenen  Charakter  von  derjenigen  in  England  an  sich