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man  Kaulen  nennt,  oder  wie  sie  sonst  heißen.  Die  hat  man  weiter
nicht.  Sonsten  aber  sind  hier  durchgehends  einerlei  Fische,  die
man  alle  weiß  und  kennt.  Davon  ein  Buch  zu  machen,  würde
unnöthig  sein;  denn  kein  Mensch  würde  ein  solches  kaufen.“

Schärfer  und  schneidiger  noch  urtheilt  der  König  als  Selbstherrscher
  auf  allen  Gebieten  über  die  Bestrebungen  des  Professors
Müller  für  die  Kenntnis  der  mittelalterlichen  Poesie.  Er  antwortet
  demselben  1784  auf  die  Einsendung  eines  Exemplars  des
Nibelungenliedes:  „Ihr  urtheilet  viel  zu  vortheilhaft  von  den
Gedichten  aus  dem  12.,  13.,  14.  Säculo,  deren  Druck  ihr  befördert
habt  und  zur  Bereicherung  der  deutschen  Sprache  für  so  brauchbar
haltet.  Meiner  Einsicht  nach  sind  solche  nicht  einen  Schuß  Pulver
werth  und  verdienen  nicht  aus  dem  Staube  der  Vergessenheit  gezogen
  zu  werden.  In  meiner  Büchersammlung  wenigstens  würde
ich  dergleichen  elendes  Zeug  nicht  dulden,  sondern  herausschmeißen.
Das  mir  davon  eingesandte  Exemplar  mag  daher  sein  Schicksal
in  der  dortigen  großen  Bibliothek  abwarten.  Viele  Nachfrage
aber  verspricht  demselben  nicht  euer  sonst  gnädiger  König.“

Friedrich  hat  sein  Lebelang  die  Kenntnisnahme  der  deutschen
Poesie  und  Literatur  von  sich  abgewehrt.  Er  wies  sie  zurück,  auch
da  wo  sie  ihm  dargeboten,  ihm  empfohlen  wurden.  Aber  diese
Literatur  wuchs  empor  auch  ohne  ihn,  mächtig  und  gewaltig.  Es
regte  sich  in  ihr  der  entschiedene  Gegensatz  gegen  den  gallischen
Geschmack  des  Königs.  Er  konnte  nicht  umhin:  er  mußte  Kenntnis
  davon  nehmen,  daß  sie  empor  wuchs,  auch  wider  seinen
Willen.  Er,  der  diese  deutsche  Literatur  nicht  hatte  kennen  lernen
wollen,  ergriff  die  Feder,  um  seinen  Unmuth  über  sie  auszulassen,
indem  er  die  Schilderung  aus  den  Erinnerungen  seiner  Jugend
nimmt  und  diese  karrikirt.  Und  dennoch  ist  es  merkwürdig,  wie
auch  er  sich  dem  Wesen  des  neuen  Geistes  nicht  verschließen
konnte,  wie  auch  er  bei  aller  seiner  Abneigung  das  Nahen  besserer
Zeiten  ahnt.