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Das  Verhältnis  ist  seltsam.  Ein  König  in  Deutschland  schreibt
über  die  deutsche  Literatur.  Er  schreibt  in  französischer  Sprache,
weil  er  nicht  deutsch  schreiben  kann.  Ob  er  auch  damals  das
kannte,  worüber  er  schreibt,  ist  eine  Frage,  die  sich  nur  aus  seiner
eigenen  Schrift  beantworten  läßt.  #

Der  König  rühmt  die  Griechen,  deren  Theologen  und  Geschichtschreiber
  in  harmonievoller  Rede  als  Dichter  die  Menge
lehrten.  Er  ergießt  ein  ähnliches  Lob  über  die  Römer,  die  schönen
Geister,  welche  das  Zeitalter  des  August  verherrlichten.  Er  geht
zu  Deutschland  über.  Ich  weise  alle  Vorurtheile  ab,  sagt  er,  nür
die  Wahrheit  soll  meinen  Geist  erleuchten.  Was  also  findet  er?
Eine  halbbarbarische  Sprache,  in  eben  so  viele  verschiedene  Dialekte
getheilt,  als  Deutschland  Provinzen,  zählt.  Jeder  Kreis  des  deutschen
  Reiches  lebt  in  der  festen  Ueberzeugung,  daß  sein  Kauderwelsch
  das  beste  sei.  Nirgends  sieht  man  eine  Sammlung,  welche
etwa  die  nationale  Sanction  empfangen,  eine  Auswahl  von  Worten
und  Phrasen,  welche  die  Reinheit  der  Sprache  constituirte.  Was
man  in  Schwaben  schreibt,  ist  in  Hamburg  nicht  verständlich,  und
der  Stil  der  Oestreicher  erscheint  dunkel  in  Sachsen.  Es  ist  also
physisch  unmöglich,  daß  ein  Schriftsteller,  und  wäre  er  mit
dem  reichsten  Geiste  begabt,  diese  rohe  Sprache  in  überlegener
Weise  handhaben  könnte.  Wenn  man  fordert,  daß  Phidias  eine
Venus  von  Gnidus  bilde:  so  gebe  man  ihm  makellosen  Marmor
und  scharfen  Meißel.  Nur  dann  kann  es  gelingen.  Was  ist  ein
Künstler  ohne  Werkzeug?  —

Also  der  König.  Und  eine  solche  Schrift  voll  solcher  Unkenntnis,
  als  wenn  in  Wahrheit  ein  Franzose  sie  gemacht,  ließ  der
König,  um  den  Nutzen  derselben  zu  verbreiten,  zugleich  französisch
und  deutsch  erscheinen!  Dohm  übersetzte  sie.  )

Damals  hatte  Lessing  längst  dargethan,  daß  nicht  bloß  an
Reichthum,  sondern  auch  an  Reinheit  und  Klarheit  keine  lebende

1)  Oeuv.  VII.  91.  —  2)  Dohm  I.  257.
Klopp,  der  König  Friedrich  II.  29