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Sprache  der  deutschen  sich  vergleichen  dürfe.  Längst  hatte  Lessing
bewiesen,  wie  selbst  die  Erörterung  abstruser  theologischer  Fragen
in  der  Hand  des  Meisters  also  sich  ordnet  und  glättet,  daß  der
Inhalt  unsterblich  wird  durch  die  kunstgerechte  Form.  Aber  frei—
lich,  das  wußte  König  Friedrich  nicht.

Man  sagt  mir,  fährt  der  König  fort,  daß  auch  Griechenland
und  Italien  eine  Vielheit  von  Dialekten  besaßen  und  besitzen.  Das
ist  wahr.  Aber  die  Dichter,  die  Redner,  die  Geschichtschreiber  stellten
  die  Sprache  fest  durch  ihre  Werke.  Die  Menge  ahmte  das
schweigend  nach  und  erkannte  sie  an.

Und  nun  in  Deutschland?  Ich  höre  ein  Kauderwelsch  ohne
Zier  und  Schmuck,  welches  ein  Jeder  handhabt  nach  seiner  Laune.
Die  Ausdrücke  werden  angewandt  ohne  Wahl.  Die  eigentlichen,
die  treffenden  Ausdrücke  werden  vernachlässigt.  Der  Sinn  der  Dinge
geht  unter  in  einem  Meere  von  Beiworten.  Ich  suche  unseren
Homer,  Virgil,  Anakreon,  Horaz,  Demosthenes,  Cicero,  Thucydides
und  Livius.  Ich  finde  von  dem  Allen  nichts.  Sein  wir  also  aufrichtig
  und  geben  wir  zu,  daß  bislang  die  schönen  Wissenschaften
auf  unserem  Boden  nicht  gedeihen.  Deutschland  hat  Philosophen,
welche  den  Vergleich  mit  den  Alten  wagen  dürfen,  welche  die
letzteren  in  mancher  Hinsicht  übertreffen:  in  den  schönen  Wissenschaften
  sind  wir  arm.  Alles  was  ich  zugestehen  kann,  ohne  mich
zu  einem  niedrigen  Schmeichler  meiner  Landsleute  zu  machen,  ist,
daß  wir  in  dem  kleinen  Genre  der  Fabel  einen  Gellert  haben,  der
sich  neben  Phädrus  und  Aesop  stellen  kann.  Die  Poesie  des  Canitz
  ist  erträglich,  weil  er  in  schwacher  Weise  den  Horaz  nachzuahmen
  sucht,  jedoch  nicht  wegen  seiner  Diction.  Auch  Gesners
Idyllen  will  ich  nicht  vergessen.  Unter  den  Historikern  finde  ich
nur  Mascov,  den  ich  als  den  wenigst  mangelhaften  nennen  könnte.
Haben  wir  Redner?  Ich  kenne  nur  einen,  Quandt  in  Königsberg;
allein  ich  muß  zu  unserer  Schande  hinzufügen,  daß  sein  Verdienst
weder  anerkannt,  noch  gefeiert  worden  ist.  Ich  könnte  diesem