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Wissenschaft,  wenn  sie  diejenigen  ermuthigen,  die  ihnen  sich  widmen,
  diejenigen  loben  und  belohnen,  welche  Erfolg  darin  haben.
Wenn  wir  unsere  Medicis  haben:  so  werden  wir  Talente  aufsprossen
  sehen.  Auguste  machen  Virgile.  Wir  werden  unsere  Classiker
  haben.  Ein  Jeder  wird  sie  lesen  wollen.  Unsere  Nachbaren
werden  deutsch  lernen.  Die  Höfe  werden  es  mit  Vergnügen
sprechen,  und  es  kann  geschehen,  daß  sich  unsere  gebildete  und  vervollkommnete
  Sprache  vermöge  unserer  guten  Schriftsteller  von
einem  Ende  Europas  bis  zum  anderen  ausbreitet.  Diese  schönen
Tage  unserer  Literatur  sind  noch  nicht  gekommen:  aber  sie  nahen
heran.  Ich  kündige  sie  an.  Sie  werden  erscheinen.  Ich  werde
sie  nicht  mehr  sehen.  Mein  Alter  untersagt  mir  diese  Hoffnung.
Ich  bin  wie  Moses.  Ich  sehe  das  gelobte  Land;  aber  ich  werde
nicht  hineinkommen.“

Der  prophezeiende  Schluß  steht  in  seltsamem  Widerspruche
mit  dem  Tadel  des  Aufsatzes  selbst.  War  es  neben  der  unvermeidlichen
  Anerkennung  das  Gefühl  des  eigenen  Unrechtes,  welches
den  König  nach  seiner  Selbstvertheidigung  überkommt?  Denn  in
Wahrheit  ist  sein  Aufsatz  eine  Art  von  Selbstvertheidigung,  daß
er  nichts  für  deutsche  Wissenschaft  und  Kunst  gethan.

Wir  unsererseits  verargen  es  ihm  nicht.  Wenn  der  preußische
König  Friedrich  sich  um  deutsche  Wissenschaft,  um  deutsche  Kunst
bemüht  hätte:  so  möchte  in  irgend  einer  Weise  diese  Gunst  nachtheilige
  Einwirkungen  hinterlassen  haben.  Nicht  umsonst  war
Mäcenas  der  Gönner  und  Freund  des  Horaz.  Dem  ist  nicht  so.
Keinem  der  großen  Dichter  jener  Zeit  lag  es  nahe  ein  Wort  zum
Lobe  des  Mannes  zu  singen,  der  auf  die  Existenz  der  deutschen
Nation  den  schwersten  aller  Streiche  geführt,  der  politisch  sie  zerspalten
  und  in  diesen  Spalt  immer  wieder  aufs  neue  die  Keile
von  Blut  getrieben  hatte.  Was  hätte  auch  ein  deutscher  Dichter
aus  jener  Zeit,  die  noch  das  furchtbare  Walten  seiner  Regierung
vor  Augen  hatte,  und  noch  nicht  sich  ein  Bild  von  ihm  ausmalte