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nach  eigener  Phantasie  und  ohne  historischen  Boden,  zum  Lobe
dieses  Mannes  sagen  können  oder  mögen?  Vielleicht  das  Wort
von  Göthe,  daß  erst  mit  Friedrichs  II.  Thaten  im  siebenjährigen
Kriege  ein  wahrer  Inhalt  in  die  deutsche  Poesie  gekommen  sei?
In  Wahrheit  scheint  uns  dies  Wort  des  großen  Dichters  über  den
König  nicht  Stoff  zu  bieten  für  den  vielen  Verbrauch,  den  man
davon  gemacht.  Denn  Friedrichs  Absicht  und  Wunsch  war  das
nicht.  Er  kümmerte  sich  nicht  darum.

Friedrich  II.  selbst  hat,  wenn  auch  nicht  von  unserem  deutschnationalen
  Gesichtspunkte  aus,  doch  in  ähnlichem  Sinne  sich  ausgesprochen.
  Der  Franzose  Mirabeau  41)  wagte  dem  Könige  gegenüber
sein  Bedauern  auszusprechen,  daß  Friedrich  der  deutschen  Literatur
eine  solche  Gleichgültigkeit  bewiesen.  „Warum  ist  der  Cäsar  der
Deutschen,“  fragte  ihn  Mirabeau,  „nicht  auch  ihr  August  geworden?
  Warum  hat  Friedrich  der  Große  sich  nicht  die  Mühe
nehmen  wollen  sich  an  dem  Ruhme  der  zu  seiner  Zeit  bewirkten
Revolution  in  der  Literatur  zu  betheiligen,  sie  durch  sein  Genie,
seine  Macht  zu  beschleunigen  und  furchtbar  zu  machen?“  —  „Was
hätte  ich  aber,“  erwiederte  Friedrich,  „zum  Besten  der  deutschen
Gelehrten  wohl  thun  können,  das  so  vortheilhaft  für  sie  gewesen
wäre,  als  der  Umst  and,  daß  ich  gar  nicht  an  sie  dachte  und  ihre
Bücher  nicht  las?"  —

Also  verhält  sich  in  Wahrheit  die  Sache,  und  zwar  in  höherem
  Maße,  als  der  König  es  selber  sagt  und  meint.  Seine  Gunst
für  das  Franzosenthum  war  negativ  ein  Glück  für  die  Deutschen.
Sie  reizte  zu  Widerspruch  und  Widerstreben.  Klopstocks  Ruf  zur
Einkehr  in  das  deutsche  Vaterland  fand  Widerhall  an  allen  Orten.
„Man  that  alles,  um  sich  vor  dem  Könige  bemerkbar  zu  machen,
nicht  etwa,  um  von  ihm  geachtet,  sondern  nur  um  beaachtet  zu
werden;  aber  man  that  es  auf  deutsche  Weise  nach  innerer  Ueber-—.



1)  Mir.  u.  Mauv.  I.  166.