Dreiundzwanzigster  Abschnitt.

Wir  haben  das  Leben  des  merkwürdigen  Mannes  betrachtet
nach  verschiedenen  Seiten.  Wir  haben  gesehen,  wie  in  dem  jungen
Manne,  der  früh  sich  gelöst  von  allen  Banden  menschlicher  Pietät,
die  Gier  des  Ruhmes  emporstieg,  wie  er  diesem  Götzen  zu  Liebe
gegen  Wunsch  und  Willen  aller  und  eines  jeden  einzelnen  seiner
Unterthanen  sich  auf  das  deutsche  Nachbarland  stürzte,  um  im
Vertrauen  auf  die  Hülfe  der  Franzosen  die  unvorbereitete  Tochter
seines  Wohlthäters  zu  berauben.  Wir  haben  gesehen,  wie  der  Erfolg
  mit  ihm  war,  wie  dieser  eine  erste  Schritt  entschied  über  seine
Lebensrichtung,  über  das  Glück  seiner  Unterthanen,  über  die  Schicksale
  der  deutschen  Nation.  Seine  Seele  war  fortan  erfühlt  von
Haß  und  Erbitterung  gegen  die,  welche  er  beleidigt  hatte,  und
dürstete  nach  neuem  Kriege  gegen  sie.  Nur  so  lange  vergönnte  er
Ruhe,  bis  sein  Kriegsschatz  wieder  den  nöthigen  Vorrath  an  Gelde
zu  enthalten  schien.  Dann  brach  er  los.  Wie  es  im  Jahre  1740
geschehen,  so  geschah  es  abermals  1744,  1756,  1778.  Friedrich
hat  keinen  Krieg  geführt,  als  den  er  selber  wollte,  und  nur  auf
Kosten  der  deutschen  Nation  und  des  deutschen  Vaterlandes.  Bis
auf  ihn  konnte  noch  das  Oberhaupt  des  Reiches  die  deutschen
Völker  von  den  Alpen  bis  zur  Nord=  und  Ostsee  in  die  Waffen
rufen  gegen  den  gemeinsamen  Feind  in  Ost  und  West.  Erst  durch
Friedrich  trat  die  bedeutungsvolle  Wendung  ein,  daß  er  und  die-