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Lebensunterhalt.  Krüppel,  Lahme,  kleine  oder  kranke  Kinder  2c.
werden  von  gesunden  und  starken  Menschen,  die  mit  ihnen  verwandt
  sind,  oder  sich  zu  ihnen  gesellt  haben,  geführt,  getragen,
geschleppt,  oder  auf  Schubkarren  umher  gefahren.  Ein  sehr  großer
Theil  dieser  Menschen  besteht  aus  abgedankten  Soldaten,  die  mitunter
  auf  ihren  König  und  das  Vaterland  schimpfen,  daß  sie,
nachdem  wie  sie  sagen,  ihre  Haut  und  ihre  Knochen  zu  Markte
getragen  haben,  nunmehr  darben  und  betteln  müssen,  ferner  aus
Soldatenweibern  und  Soldatenkindern.  Die  Menge  dieser  umher
  streifenden  Menschen  und  ihr  Ueberlauf  ist  so  groß,  daß  durch
ein  Dorf,  zumal  wenn  es  an  der  Landstraße  liegt,  zuweilen  dreißig
bis  vierzig  und  noch  mehr  tagtäglich  durchpassiren,  und  von  Haus
zu  Haus,  oder  dahin  gehen  wo  sie  etwas  zu  erhalten  hoffen  oder
wissen,  und  dort  um  ein  Almosen  ansuchen.  Man  muß  bedenken,
daß  die  nämlichen  Leute  nicht  zu  oft  in  einem  und  demselben  Orte
wieder  erscheinen,  und  dann  kann  man  sich  einigen  Begriff  von
ihrer  Anzahl  machen.  Manche  kommen  alle  Jahre  nur  einmal  in
eine  Gegend,  andere  noch  seltener,  nachdem  der  Kreis  ihrer  Wanderschaft
  größer  oder  kleiner  ist.“

Der  Verfasser  desselben  Aufsatzes  behauptet:  er  wisse  nach
einer  zuverlässigen  Erfahrung,  daß  ein  gewisser  Bauer  in  einem
Dorfe  an  der  Landstraße  fast  eben  so  viel  Brotkorn  auf  die  Bettler,
wie  auf  seine  Familie  und  seinen  großen  Hausstand  rechnen  müsse.
Der  wackere  Herr  von  Rochow  auf  Rekahn,  der  sich  durch  seine
Fürsorge  um  die  Bildung  des  Volkes  wahren  und  unsterblichen
Ruhm  erworben,  berechnete  die  jährliche  Abgabe  des  Landes  an
die  Bettler  auf  zwei  Millionen  Thaler.  Wir  wissen  nicht  zu  sagen,
ob  die  Summe  zu  hoch  oder  zu  niedrig  gegriffen  sei.  Es  war
Thatsache,  daß  außer  den  Spitälern  in  Berlin  der  dreizehnte  Mensch
von  Almosen  lebte  oder  genöthigt  war  beim  geringsten  Zufalle  seine
Zuflucht  zu  denselben  zu  nehmen.  )

1)  Mirabeau  u.  Mauvillon  I.  414.