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es  den  großen  Mann  zu  preisen  aus  der  Ferne,  als  ihm  nahe  zu
sein.  Eine  weite  Kluft  trennt  von  dem  Oheime  den  Neffen,  von
dem  Könige  den  Thronerben.  Eine  Zeitlang  hat  Friedrich  II.
sich  gefreut,  als  sein  Neffe  dem  Unterrichte  des  Finanzmannes
de  la  Haye  de  Launay  Aufmerksamkeit  zu  schenken  schien.  )  Dies
war  1767,  der  Prinz  damals  23  Jahre  alt.  Friedrich  betheuerte,
daß  dies  geschehe  zum  Wohle  der  Nachwelt.  Zugleich  wollte  er,
daß  Friedrich  Wilhelm  Theil  nehmen  solle  an  den  Versammlungen
der  höchsten  Departements.  2)  Als  der  Prinz  einmal  darüber
nicht  befriedigend  antwortete,  sagt  Dohm,  wurde  er  von  da  an
von  der  Kenntnis  aller  Geschäfte  ausgeschlossen,  und  blieb  es  bis
zum  Tode  des  Königs  Friedrich  II.  Man  weiß,  auf  welche  Weise
der  Prinz  sich  Ersatz  gesucht  hat,  wie  sein  weiches  Gemüth  misbraucht
  wurde  von  Unwürdigen.  Es  ist  nicht  unsere  Sache  das
zu  erörtern.

Die  Seele  des  Königs  ward  durchdrungen  von  dem  erblichen
Mistrauen  seines  Hauses  gegen  den  Nachfolger.  „Vielleicht  gibt
es  Leute  in  der  Welt,“  schreibt  er  im  September  1776  an  Voltaire,
„denen  ich  zu  lange  lebe,  und  die  meine  Gesundheit  deshalb  verläumden,
  weil  sie  glauben,  daß  ihr  Reden  darüber  den  gefährlichen
  Sprung  nach  ihrem  Wunsche  beschleunigen  könne.  Ich  stehe
nun  36  Jahre  am  Ruder.  Vielleicht  misbrauche  ich  das  Privilegium
  zu  leben,  und  bin  nicht  gefällig  genug  dann  aufzubrechen,
wenn  man  meiner  überdrüssig  ist.“

Er  hatte  Liebe  nie  gesäet:  wie  sollte  er  ernten?  Er  war
allein  und  verlassen.  Er  selbst  wußte  es.  Längst  schon  nannte
er  sich  nicht  bloß  mehr  den  Philosophen,  sondern  auch  den  Einsiedler
  von  Sanssouci.  Er  konnte  Generale  und  Offiziere  um
sich  haben.  Warum  nicht?  Sie  erschienen  aus  Befehl  und  brachten
  Rapport.  Von  denen,  welche  die  Bande  des  Blutes  an  den

1)  Preuß.  IV.  187.  —  2)  Dehm  IV.  566.  Preuß:  Urkundenbuch  III.  21.