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alten  Mann  hätten  binden  sollen,  betrat  längst  Niemand  mehr
das  einsame  Haus.

Die  Weltanschauung  des  Einsiedlers  ward  trüber.  In  früheren
Jahren  hatte  er  statt  der  Religion  die  Eigenliebe  zur  Grundlage
der  Moral  zu  machen  versucht.  Er  hatte  sein  System  aufgestellt
und  öffentlich  verkündet.  Anhänger  mochte  er  wenige  gefunden
haben.  Damals  hatte  er  noch  einigen  Glauben  an  eine  sittliche
Kraft  des  Menschen  sich  bewahrt:  in  seinen  letzten  Jahren  schwand
dieses  Ueberbleibsel  dahin,  und  der  nackte  baare  Materialismus
gewann  völlig  die  Oberhand.  „Ich  betrachte,“  sagt  er,1)  „den
Menschen  wie  ein  Maschinenwerk,  welches  den  Gewichten  und
Rädern,  durch  die  es  geleitet  wird,  nothwendig  folgen  muß.  Was
man  Weisheit  und  Vernunft  nennt,  ist  bloß  die  Frucht  der  Erfahrung,
  welche  auf  die  Furcht  oder  die  Hoffnung  wirkt,  auf  diese
beiden  großen  Triebfedern  unserer  Handlungen.  Für  unsere  Eigenliebe
  ist  dies  freilich  ein  wenig  demüthigend;  aber  unglücklicher
Weise  ist  es  nur  zu  wahr.“  Er  philosophirt  über  die  Nichtigkeit  des
Endlichen,  über  die  Gebrechlichkeit  des  Menschen.  „Alles  gibt  uns
zu  erkennen,  wie  wenig  wir  sind,  und  in  welche  Unendlichkeit  wir
uns  versenken  werden.  Und  in  einer  solchen  Lage  haben  wir  noch
die  Frechheit  uns  aufzublähen,  uns  fast  der  Gottheit  beizugesellen,
von  Würden,  Hoheit,  Majestät  und  hundert  anderen  solchen  Thorheiten
  zu  reden,  die  jeden  anekeln  müssen,  welcher  die  Natur  des
Menschen,  seine  Eitelkeit,  sein  Nichts  erkennt!“)

Es  ist  vielleicht  nicht  schwer  im  Besitze  der  Allgewalt  in  solchen
  Worten  der  Philosophie  sich  zu  ergehen;  aber  nach  der  Analogie

  aller  menschlichen  Verhältnisse  ist  es  sehr  schwer  denselben
gemäß  zu  handeln.

Aus  einer  solchen  Meinung  des  Königs  mag  das  bekannte
Wort  geflossen  sein,  welches  man  ihm  beilegt:  „Ich  bin  es  müde

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1)  18.  Mai  1782  an  d'Alembert.  —  2)  30.  Octbr.  1782.