Vierundzwanzigster  Abschnitt.

Wir  haben  uns  bemüht  Friedrich  darzustellen  im  Lichte  seiner
Zeit  und  in  seinem  Verhältnisse  zu  der  deutschen  Nation,  welcher
er  durch  Abstammung  und  Geburt  angehörte.  Wir  haben  uns
völlig  losgesagt  von  der  Idealisirung,  welche  die  spätere  Zeit  über
diesen  König  ausgegossen,  und  lediglich  nach  unmittelbaren  Zeugnissen
  seines  Thuns  und  Waltens  gefragt.  Auch  fernerhin  haben
wir  nur  solche  zu  befragen.  Um  zu  erfahren,  welchen  Eindruck
der  Tod  des  Königs  auf  die  Menschen  machte,  haben  wir  uns
nur  zu  halten  an  unmittelbare  Augen=  und  Ohrenzeugen,  welche
durch  eigenen  Willen  und  Befähigung  im  Stande  waren  die  erforderliche
  Beobachtung  zu  machen  und  dieselbe  glaubwürdig  zu
überliefern.  Einer  der  wichtigsten  Zeugen  für  uns  ist  der  französische
  Graf  Mirabeau.  Wir  haben  mithin  seine  Befähigung  und
seine  Glaubwürdigkeit  zu  erörtern.

Mirabeau  hatte  seine  feindselige  Gesinnung  gegen  den  deutschen
  Kaiser  und  gegen  Oestreich  insbesondere  bereits  dargethan
durch  seine  Schrift  über  den  Scheldestreit.  Der  spätere  Apostel
der  Freiheit  und  Gleichheit  hatte  damals  erörtert,  daß  die  Bestrebungen
  des  Kaisers  die  Schelde  frei  zu  machen  von  dem  Drucke
des  holländischen  Zwanges,  für  Europa  nicht  zu  dulden  seien.
Diese  Bemühungen  hatten  ihm  im  Voraus  die  Gunst  des  Königs
Friedrich  von  Preußen  erworben.  Es  war  Mirabeaus  Wunsch