488

„Aber  wenn,“  also  fährt  Dohm  fort,  „gerade  dieses  Geschäft
des  edeln  Möllendorfs  Gefühle  kund  gab:  wer  kann  zweifeln,  daß
eine  Menge  Krieger  von  eben  demselben  durchdrungen  gewesen  find?“

Wir  möchten  eine  Gegenfrage  stellen.  Welches  Recht  hat
Dohm,  der  nicht  anwesend  war,  einem  Manne  gegenüber,  welcher
anwesend  war,  welcher  urtheilte  nach  dem  Zeugnisse  seiner  Angen
und  Ohren,  welcher  nach  Dohms  eigener  Ansicht  von  ihm  Glaubwürdigkeit
  verdient,  welches  Recht  hat  ihm  gegenüber  Dohm  seinen
Bericht  anzuzweifeln?  Es  ist  lediglich  die  Subjektivität  Dohms,
welche  es  anders  wünscht,  und  daher  diese  Frage:  wer  zweifeln
könne.  Wir  wiederholen,  daß  Mirabeau  eine  Anklage  gegen  die
Berliner  zu  Gunsten  des  Königs  ausspricht,  und  zwar  augenscheinlich
  mit  Unwillen  und  Entrüstung,  eine  Anklage,  die  er
nach  seiner  Begeisterung  für  den  König  lieber  nicht  ausgesprochen
hätte.  Wo  Jemand  eine  Anklage,  die  aufzustellen  er  competent
ist,  ausspricht  wider  Wunsch  und  Willen,  da  bedarf  es  zur
Entkräftung  derselben  eines  gleich  gewichtigen  Zeugnisses,  und
nicht  eines  subjektiven  Wunsches.  Wir  wiederholen  Mirabeaus
Worte:  „Möllendorf  war  der  Einzige,  dem  man  Schmerz  ansah,
und  das  sage  ich  zu  seinem  Ruhme.“

Aber  Dohm  fährt  fort:  „Ich  habe  nur  zwei  Monate  vor
Friedrichs  Tode  Berlin  verlassen,  wie  schon  alles  voll  Erwartung
der  neuen  Dinge  war,  die  nach  dem  nahe  erwarteten  Schlage  eintreten
  würden.  Ich  habe  wahrscheinlich  mehr  Menschen  aller
Classen  zu  sehen  und  ihre  vertrauten  Aeußerungen  zu  hören  Gelegenheit
  gehabt,  als  Mirabeau.  Biele  sahen  zwar  schon  damals
der  neuen  Regierung  mit  Verlangen  entgegen,  von  der  sie  ein
goldenes  Zeitalter  und  große  Vortheile  für  sich  erwarteten;  aber
es  gab  auch  deren  nicht  wenige,  die  mit  Furcht  an  die  große  Veränderung
  dachten,  und  die  Friedrichs  Leben  noch  gerne  verlängert
gesehen  hätten.“

Sehen  wir  auf  den  Grund  der  Sache:  was  denn  behauptet