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Zu  solchen  Mitteln  zu  greifen,  hatten  Wöllner  und  Bischofswerder
  weder  den  Willen,  noch  den  Muth.  Deshalb  wandte  sich  der
Sieg  gegen  sie.  Längst  bevor  der  Nachfolger  Friedrich  Wilhelm  III.
das  Edikt  ausdrücklich  zurückzog,  war  es  gescheitert  an  dem  passiven
  Widerstande,  der  sich  berief  auf  den  Spruch  von  der  Facon.
Der  Sieg  gab  der  Strömung  in  dieser  Richtung  neue  Kraft.
Der  Begriff  des  Protestantismus  wandelte  sich  nun  erst  recht  in
denjenigen  der  reinen  Subjektivität,  daß  in  Religionssachen  Jeder
denken  könne,  wie  er  es  seiner  Facon  für  angemessen  finde,  und
das  Verdienst  schrieb  man  dem  Könige  zu,  den  man  den  Großen
nannte.  Vielen  auch  schien  der  Name  des  Großen  zu  gering:  sie
nannten  ihn  den  Einzigen.

Der  klaffende  Zwiespalt,  daß  nach  wie  vor  die  Geistlichen
und  Lehrer  an  Eides  statt  die  Bekenntnisse  unterzeichneten,  die
Niemand  mehr  kannte,  ward  verdeckt  durch  die  mächtige  Strömung
der  Zeit.  Daß  diejenigen,  welche  als  Katholiken  oder  Juden  geboren
  waren,  wenn  sie  auch  noch  so  sehr  die  neue  Art  des  Protestantismus
  sich  aneigneten,  dennoch  nicht  zum  Vollgenusse  der
bürgerlichen  Rechte  gelangten,  daß  diese  Lehre  von  der  Façon  nur
für  geborene  Protestanten  paßte,  daß  es  demnach  mit  dem  eigentlichen
  Protestantismus  noch  etwas  Anderes  auf  sich  haben  mußte,
als  die  Freiheit  der  Negation  und  der  Subjektivität,  leuchtete  nicht
ein.  Wer  im  preußischen  Staate  das  Glück  hatte  als  Protestant
geboren  zu  sein,  war  fähig  zu  Aemtern,  mochte  er  von  der  Religion
  und  Kirche  denken,  was  er  wollte.  Wer  nicht  dieses  Glückes
sich  erfreute  als  Protestant  geboren  zu  sein,  war  und  blieb  dadurch
unfähig  zu  den  höheren  Staatsämtern,  mochte  er  über  Religion
denken,  was  er  wollte.  Er  ward  nicht  bloß  geduldet,  sondern  auch
beschützt,  sagte  man.  Diesen  Zustand  der  Dinge  nannte  man
Toleranz,  und  der  Ruhm,  daß  Friedrich  II.  der  erste  gewesen  sei
diese  Toleranz  zu  verstatten,  erscholl  in  alle  Länder.

Es  kamen  andere  Zeiten,  andere  Stürme.  Seit  1795  trat
Klopp,  der  König  Friedrich  II.  32