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        <title>Deutsche Schulfibel. Zweiter Teil.</title>
        <author>
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            <forname>Karl</forname>
            <surname>Koch</surname>
          </persName>
        </author>
      </titleStmt>
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        <bibl>
          <msIdentifier>
            <idno>koch_schulfibel_zweiter_teil_1883</idno>
          </msIdentifier>
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        Deutsche  Schulfibel.

Zweiter  Teil.

Anterlagen

für  den  elementaren

Anschauungs-,  bole-,  Schreib-  nud  önruchunterricht.

 

Von

Karl  Koch.

 

Erste  Fibel,  in  welcher  die  in  Henzes  Schreibheften  befindliche  deutsche
Preis-National-Handschrift  Anwendung  gefunden.

Mit  Bildern  von  berühmten  Künstlern.

0
9

Neustadt-Leipzig,
Verlag  von  Adolf  Henze.
1883.
        <pb n="2" />
        Die  Muttersprache  muß  nicht  für  das  bloße  Wissen,  sondern  für  die  Anwendung
im  TLeben  auf  fünffache  Weise  gelehrt  werden:  als  Rechtsprechen,  Rechtlesen,  Rechtreden,
Rechtschreiben  und  Gesang.

Friedrich  Tndwig  Jahn.
(Dentsches  Volkstum  1808.)
        <pb n="3" />
        I.  In  der  Schule.

„  x*———

1.  Denkspruch.

Jung  gewohnt,  alt  gethan.

Fang'  das  Gute  wacker  an.
Volksmund.

2.  Rätsel.

In  ein  Haus  gar  groß  und  schön,  seh  ich  oft  viele  Kinder
gehn.  Darinnen  werden  sie  belehrt,  wie  man  Gott  und  die
Eltern  ehrt;  es  wird  gelesen  und  geschrieben,  und  manches
and're  noch  getrieben.  —  Gehst  du  selbst  in  dies  Haus  hinein,

so  muß  es  dir  bekannt  wohl  sein.
Ernst  Lausch.

3.  Das  Büblein  auf  dem  Schulweg.
Das  Hündchen  bellt:  hau,  hau!  Das  Kätzlein  schreit:

mian!  Das  Kälbchen  brummt:  mu,  mu!  Das  Täublein  schreit:

ru!  ru!  Wie  schreit  das  Büblein  denn,  wenn's  soll  zur  Schule

gehn?  —
Das  Büblein  soll  nicht  schrei'n;  es  geht  ja  gern  hinein.

Volksreim.

4.  Schulreim.

In  die  Schule  gehn  die  Buben,
die  Soldaten  ziehn  ins  Feld;
sorg’  ein  jeder,  daß  er  werde

seiner  Zeit  ein  wackrer  Held.
Friedrich  Güll.

 

 

1
        <pb n="4" />
        —  4  —

 

 

5.  Zwei  Sprüche.
1.  Was  du  lernst,  das  lerne  recht!
Was  du  machst,  das  mach'  nicht  schlecht!

2.  Hans  Gutgenug,  der  faule  Knecht,
macht  seine  Sach'  nur  halb  und  schlecht.

Volksmund.

6.  Zehn  Fragen.
Mein  Kind,  hier  sind  zehn  Fragen,
sollst  mir  nun  Antwort  sagen:
Was  für  ein  Ding  ist  spitz?
Und  wo  erscheint  der  Blitz?
Wer  hascht  die  graue  Maus?
Wer  hat  das  kleinste  Haus?
Wer  ackert  auf  den  Feldern?
Wer  jaget  in  den  Wäldern?
Wo  kaufen  wir  Rosinen?
Was  geben  uns  die  Bienen?
Was  fließt  in  Fluß  und  Bach?
Womit  deckt  man  das  Dach?  Friedrich  Güll.

[

—

7.  Woraus  die  Dinge  gemacht  sind.

Der  Schuh  ist  von  Leder,  die  Leinwand  von  Flachs,
die  Mark  ist  von  Silber,  die  Kerze  von  Wachs,
der  Mörser  von  Messing,  der  Kamm  ist  von  Horn,
der  Kessel  von  Kupfer,  von  Stahl  ist  der  Sporn,
aus  Holz  ist  der  Kasten,  von  Kork  ist  der  Pfropf,
aus  Glas  ist  die  Flasche,  von  Thon  ist  der  Topf.
Aus  Zucker  und  Mehl  ist  das  Zuckerbrot,
wer  viel  davon  ißt,  bekommt  bittere  Not.  Knauß.

8.  Zwei  Sprüche.

Zwei  Sprüche,  nur  für  solche  Kindt,
die  grob  und  gar  nicht  höflich  sind:
        <pb n="5" />
        —  5  —

 

 

1.  Wer  auf  dem  Kopf  hat  einen  Hut,
dem  steht  er  noch  einmal  so  gut,
wenn  er  ihn  oft  herunter  thut.

2.  Wer  seine  Mütz'  trägt  auf  dem  Kopf
wie  angewachsen  an  dem  Schopf,
der  heißt  mit  Recht
ein  grober  Knecht.
Friedrich  Güll.

9.  Der  Schwätzer.

Ein  unbescheidener  junger  Mann  schwatzte  viel  und  wollte
alles  besser  wissen  als  andere  Leute.  Da  sprach  ein  weiser
Mann  zu  ihm:  „Weil  du  doch  alles  zu  wissen  scheinst,  so  sage
mir  doch,  warum  die  Menschen  zwei  Ohren  und  nur  einen
Mund  haben?“  Der  Schwätzer  schwieg  und  besann  sich  lange.
Endlich  sagte  der  Weise:  „Nun,  ich  will  es  dir  sagen:  damit
sie  mehr  hören  und  weniger  reden  sollen.“

10.  Wie  das  Kind  sein  soll.

Ein  gutes  und  ein  braves  Kind  ist  höflich  und  gehorcht
geschwind.  Es  muß  auch  gern  zur  Schule  gehn,  nicht  lange
auf  der  Straße  stehn.  Soll  fleißig  lesen,  fleißig  schreiben  und
keine  schlimmen  Sachen  treiben.  Es  darf  nicht  lügen,  darf
nicht  naschen,  muß  gern  Gesicht  und  Hände  waschen.  Es  soll
nicht  lärmen,  soll  nicht  schrein,  soll  liebreich  und  verträglich  sein.

11.  Hans.

Hans  wollte  nichts  lernen?
„Ich  bin  ja  noch  klein;
wenn  ich  größer  bin,
will  ich  schon  fleißiger  sein.“
        <pb n="6" />
        —  6  —

 

 

Das  bleibt  ein  Dummkopf,
der  jung  so  spricht;
Hans  wurde  wohl  größer,
doch  fleißiger  nicht.
Gustav  Friedrich  Dinter.

12.  Was  das  Kind  wissen  kann.

Wieviel  Monat  hat  ein  Jahr?  —  Wieviel  Stück  sind  ein  Paar?
Wieviel  Flügel  hat  die  Gans?  —  Wieviel  Ohren  hat  der  Hans?
Wieviel  Viertel  hat  ein  Pffund?  —  Wieviel  Beine  hat  der  Hund?

Wieviel  Armel  hat  ein  Rock?  —  Wieviel  Hörner  hat  ein  Bock“

Wieviel  Finger  hat  ein  Kind?  —  Alles  dies  weiß  ich  geschwind.

13.  Was  das  Kind  nicht  wissen  kann.

Wieviel  Sterne  sind  am  Himmel?  —  Wieviel  Haare  hat
ein  Schimmel?
Wieviel  Tropfen  hält  ein  Eimer?  —  Wieviel  Träume  hat

ein  Träumer?!
Wieviel  Gräslein  hat  die  Wiese?  —  Wieviel  Zolle  mißt  ein  Rieses
Wieviel  hat  das  Pflaster  Steine?  —  Wieviel  Bäume  stehn  im  Haine?
Wieviel  Federn  hat  ein  Kissen?  —  Alles  dies  kann  ich  nicht  wissen.

14.  Das  Buch.

Das  Buch  ist  von  Papier.  Es  enthält  viele  Blätter.
Jedes  Blatt  hat  zwei  Seiten,  auf  denen  Buchstaben,  Wörter
und  Sätze  stehen.  Der  Buchdrucker  druckt  das  Buch  und  der
Buchbinder  bindet  es.  Der  Einband  des  Buches  besteht  aus
zwei  Deckeln  oder  Schalen  und  dem  Rücken.  Die  Schalen  sind
gewöhnlich  aus  Pappe  und  der  Rücken  aus  Leder  oder  Leinwand.

15.  Ermunterung.
Da  stehen  nun  im  ganzen  Buch
der  Sprüch'  und  Lieder  wohl  genug;
jetzt  lernet  brav,  ihr  Kinder!

–  ——  ————.  Ve—eeutmBuae-mmm-  =  JJJJJJHJ
        <pb n="7" />
        —  7  —

 

 

 

Lernt  ihr  aus  diesem  Büchlein
alltäglich  nur  ein  Sprüchlein,
wißt  ihr  im  Monat  dreißig.

Nun,  Kinderlein,  seid  fleißig!

Franz  Graf  von  Pocci.

16.  Sprüche.

1.  Deinen  Lehrer  sollst  du  ehren,
ihm  gehorchen,  auf  ihn  hören.

2.  Dem  Lehrer  mache  nie  Verdruß,
damit  er  dich  nicht  strafen  muß.

17.  Die  Schiefertafel.

Die  Schiefertafel  ist  ein  Schulgerät.  Sie  besteht  aus  der
Schieferplatte  und  dem  Rahmen.  Die  Schieferplatte  steckt  in
dem  Rahmen.  Der  Rahmen  ist  von  Holz.  Die  Schieferplatte
ist  von  Schieferstein.  Die  Schiefertafel  ist  viereckig,  eben  und
glatt.  Sie  kann  leicht  zerbrechen.  Man  darf  sie  nicht  fallen
lassen.  Auf  der  Tafel  schreiben,  rechnen  und  zeichnen  wir.

 

II.  Das  Elternhaus.

°

18.  Das  Haus.

Das  Haus  ist  ein  Gebäude.  Darin  findet  man  Schutz
gegen  Wind  und  Regen,  gegen  Hitze  und  Kälte.  Es  hat  vier
dußere  Wände.  Auf  denselben  befindet  sich  das  Dach.  In  den
Wänden  sind  Thüren  und  Fenster  angebracht.  Durch  die  Hausthür
  kommt  man  zunächst  in  den  Hausflur.  Von  da  führen
Thüren  rechts  und  links  in  die  Stuben,  Kammern  und  in  die
Küche.  Eine  Treppe  führt  von  dem  Flur  oder  der  Küche  abwärts
  in  den  Keller.  Eine  andere  Treppe  führt  nach  oben  auf
        <pb n="8" />
        den  Boden  oder  in  das  obere  Stockwerk.  In  den  Dörfern
findet  man  gewöhnlich  nur  einstöckige,  in  den  Städten  aber
auch  zwei-,  drei-  und  vierstöckige  Häuser.

Sehr  große  Wohnhäuser  heißen  Paläste  und  Schlösser;
kleine,  schlechte  Häuser  nennt  man  Hütten.

19.  Es  kommt  ein  schwarzer  Mann.

 

 

 

 

 

 

Es  kommt  ein  schwarzer  Mann  ins  Haus  mit  Besen  und
mit  Leiter,  er  fegt  den  Ruß  im  Schornstein  aus  und  geht  zum
Nachbar  weiter.  Wie  nennt  ihr  diesen  schwarzen  Mann,  weil
er  den  Schornstein  fegen  kann?

20.  Gebt  acht!

Gebt  acht  aufs  Feuer,  gebt  acht  aufs  Licht!  Denkt  nicht:
ein  Funke  schadet  nicht.  Ein  Funke  Feuers,  noch  so  klein,  er
äschert  Städt  und  Dörfer  ein.
        <pb n="9" />
        21.  Kind  und  Licht.

Kind.  Du  siehst  mich  hell  und  freundlich  an,  ob  ich  wohl
mit  dir  spielen  kann?

Licht.  Zum  Spielen,  Kindchen,  bin  ich  nicht;  zu  leuchten,
das  ist  meine  Pflicht.

Kind.  Nun  ja,  das  sollst  du  mir  auch  thun.

Licht.  Recht  gern,  doch  laß  mich  stehn  und  ruhn.

Es  setzte  das  Kind  sich  an  den  Tisch,  besah  die  Bilder
und  lernte  frisch;  es  brannte  das  Licht  recht  klar  und  hell,  und
beiden  verging  die  Zeit  gar  schnell;  doch  als  das  Kind  das  Licht

wollt  nehmen,  versengt  es  die  Haare  und  mußte  sich  schämen.
Karl  Harnisch.

22.  Bruder  und  Schwester.

Bruder.  Sieh,  Schwesterchen,  den  schönen  Apfel  hier!
O  komm,  und  iß  ihn  doch  mit  mir!

Schwester.  Das  will  ich,  Brüderchen;  allein  was  geb'
ich  dir  dafür?

Bruder.  Nichts!  Nichts!'  —  Denn  äß  ich  ihn  allein,
so  würde  er  mich  nicht  erfreu#n,  und  möcht  er  zehnmal  größer
sein.  Teil  ich  ihn  aber  hübsch  mit  dir,  so  schmeckt  die  Hälfte
besser  mir.

23.  Hund  und  Katze.

Zum  Herrn  kam  Hund  und  Katze  herein,  verklagten  einander
  mit  Heulen  und  Schrein.  „Hund  hat  mich  so  sehr  ins
Bein  gebissen!“  „Und  mir  hat  Kätzchen  die  Nase  zerrissen!“
„Hund  hat  in  der  Küche  genascht  den  Braten!“  „Das  Kätzchen
ist  über  die  Milch  geraten!““  Was  sagte  der  Herr  zu  ihrem
Streit?  Er  suchte  den  Stock,  der  war  nicht  weit.  Ihr  habt
euch  beide  einander  lieb  und  eins  wie  das  andrre  ist  ein  Dieb!
Drum  mögt  ihr  beide  euch  nun  bekehren,  sonst  soll  der  Stock
euch  bess'res  lehren!
        <pb n="10" />
        Wenn  sich  nun  zwei  nicht  können  vertragen,  so  heißt  es
von  ihnen  bis  zur  jetzigen  Stund':  „Sie  leben  zusammen

wie  Katze  und  Hund.“
Friedrich  Güll.

24.  Kind  und  Täubchen.

Täubchen  fliegt  aufs  Scheunendach;  Täub'rich  flattert  ihm
gleich  nach.  Spielen  fröhlich  im  Sonnenschein;  küssen  sich  mit
den  Schnäbelein.  Kind  verwundert  sich  drüber  und  fragt:  „Wie
kommt's,  daß  ihr  euch  so  schön  vertragt?“

„Weißt  wohl  nicht,“  sagt  Täubchen,  „Kind,  daß  wir  beide
Geschwister  sind?  Die  sollen  einander  ja  immer  erfreu'n,  sich
gut  vertragen  und  zärtlich  sein;  sonst  muß  sich  Gott  über  sie
betrüben  und  niemand  kann  sie  herzlich  lieben."

Emilie  Feige.

25.  Artige  Kinder.

Du  liebes  Schwesterlein,  wir  wollen  immer  recht  artig
sein!  Haben  dann  Vater  und  Mutter  beide  an  uns  Kindern
große  Freude.  Siehts  auch  droben  im  Himmel  fern  Gott,
der  Vater,  und  hat  es  gern;  spricht:  So  mag  ich  die  Kinder
sehen,  denen  soll  nie  ein  Leid  geschehen.  Und  alle  die  Engllein

um  ihn  her,  die  hören  es  auch  und  freuen  sich  sehr.
Wilhelm  Hey.

26.  Der  Lügner.

Komm  ’  mit,  sprach  neulich  Klaus  zu  mir,
da  draußen  giebt's  ein  seltsam  Tier.
Ich  ging.  Es  war  nichts.  Und  Nachbars  Klaus,
der  lachte  noch  dazu  mich  aus.
Verdrießlich  ging  ich  wieder  herein,
und  dachte:  Es  ist  doch  nichts  Hübsches,  ein  Lügner  zu  sein.
Gustav  Dinter.
        <pb n="11" />
        —  11  —

 

 

 

27.  So  geht's,  wenn  man  lügt.

1.  Ein  Kind  schrie  oft:  „Ein  Wolf!  O  weh!
Ein  Wolf,  ein  Wolf!  O  weh,  o  wehl“
Lief  man  nun  hin,  so  war  nichts  da:
man  hört'  und  sah'  nichts  fern  und  nah.

2.  Einst  packt'  ein  Wolf  das  arme  Kind  —
ein  Glück,  daß  Wölf'  bei  uns  nicht  sind.  —
Da  schrie  es  auf;  kaum  weiß  ich's  noch.
Ja,  laut  schrie  es:  „O  helft  mir  doch!“

3.  Man  eilt'  nicht  hin,  weil  es  oft  log,
„ein  Wolf!“  rief,  bis  man  zu  ihm  flog,
und  dann  doch  nie  ein  Wolf  da  war;
drum  hieß  es  jetzt:  „Es  ist  nicht  wahr!“

4.  Nun  würgt's  der  Wolf;  das  Schrein  half  nicht.
Das  merk'  dir,  Kind!  und  lüge  nicht;
denn  wer  oft  lügt,  dem  glaubt  man  nicht,
und  wenn  er  auch  die  Wahrheit  spricht.

28.  Was  hast  denn  du?

Die  Schnecke  hat  ihr  Haus,  ihr  Fellchen  hat  die  Maus;
der  Sperling  hat  die  Federn  sein,  der  Schmetterling  schön'
Flügelein.  Nun  sage  mir:  „Was  hast  denn  du?“  —  Ich  habe
Kleider  und  auch  Schuh',  und  Vater  und  Mutter,  und  Lust  und

Leben;  das  hat  mir  der  liebe  Gott  gegeben.
Wilhelm  Hey.

29.  Wen  ich  liebe.

1.  Wen  ich  liebe?  fragst  du  mich.  —  Vater  und  Mutter,
Schwester  und  Bruder,  alle  Menschen  liebe  ich.  Sie  lieben  mich
ja  auch  so  sehr,  d’rum  lieb  ich  sie  immer  mehr  und  mehr.
        <pb n="12" />
        —  12  —

 

 

2.  Wen  ich  liebe?  fragst  du  mich.  —  Kann  ihn  nicht
sehen,  doch  ihn  verstehen:  Gott  im  Himmel  liebe  ich.  Er
liebet  mich  ja  auch  so  sehr,  d'rum  lieb'  ich  ihn  immer  mehr

und  mehr.
Karl  Enslin.

30.  Warum  liebst  du  deine  Mutter  so  sehr?

„Kindlein,  o  sprich!  Warum  liebst  du  dein  Mütterlein
doch  so  inniglich?“  Und  das  Kindlein  spricht:  „„Das  weißt  du
nicht?  —  Weil's  mich  hegt  und  pflegt,  auf  den  Armen  mich
trägt,  wacht,  wenn  ich  bin  krank,  giebt  mir  Speis'  und  Trank,
giebt  mir  Kleider  und  Schuh'  und  viel  Küsse  dazu,  und  ist
mir  so  gut,  wie's  kein  andrer  thut;  drum  lieb'  ich's  so  sehr,

kann  gar  nicht  sagen,  wie  sehr,  wie  sehr!“
Robert  Reinick.
(Gekürzt.)

31.  Wenn  das  Kind  aufwacht.

Guten  Morgen,  lieber  Sonnenschein!
Guckst  in  mein  Fenster  schon  herein?
Was  machen  denn  die  Vögelein?

Die  Vöglein  sind  schon  aufgewacht
und  haben  für  die  stille  Nacht
dem  Schöpfer  ihren  Dank  gebracht.

Und  willst  du  fröhlich  sein,  mein  Kind,
so  fröhlich,  wie  die  Vögel  sind,
mußt  du  ihm  danken  auch  geschwind.

Eckelmann.

32.  Der  kleine  Schüler.

Sonst  war  ich  klein,  jetzt  bin  ich  groß,  lern  lesen,  rechnen,
schreiben,  sitz  nicht  mehr  auf  der  Mutter  Schoß,  ich  mag  zu
Haus  nicht  bleiben.  —  Sobald  zur  Schul  das  Glöcklein  schlägt,
so  greif  ich  nach  dem  Buche.  Der  Griffel  ist  zurecht  gelegt,

1
        <pb n="13" />
        —  13  —

 

 

 

daß  ich  nicht  lange  suche.  —  Und  in  der  Schule  merk  ich  auf,
damit  ich  etwas  lerne.  Drum  hat  mich  auch,  ich  wette  drauf,
mein  Lehrer  schon  recht  gerne.

33.  Die  Mägde  und  der  Haushahn.

Eine  fleißige  Hausmutter  weckte  ihre  zwei  Mägde  alle
Morgen  zur  Arbeit,  sobald  der  Haushahn  krähte.  Die  Mägde
wurden  über  den  Hahn  sehr  zornig,  und  brachten  ihn  um,
damit  sie  länger  schlafen  dürften.  Allein  die  alte  Hausmutter,
die  jetzt  gar  nicht  mehr  wußte,  wie  sie  in  der  Zeit  war,  weckte
die  Mägde  von  nun  an  immer  noch  früher,  ja  oft  schon  um
Mitternacht.

Durch  Unrecht  macht  man  Ubel  nur  ärger.
Christoph  von  Schmid.

34.  Die  Fliege  und  ihre  Jungen.

„Kinder,“  sagte  eine  alte  Fliege  zu  ihren  Jungen,  „vor
dem  Honig,  vor  dem  Wein  und  vor  einem  brennenden  Lichte
nehmt  euch  in  acht!“

„Ei,  sagte  eine  junge  Fliege,  „der  Honig  ist  ja  so  füß.“
Sie  aß  und  blieb  mit  den  Füßchen  daran  hangen.

„O“  sagte  die  andere,  „der  Wein  ist  ja  so  gut.“  Sie
nippte,  ward  berauscht  und  ertrank  im  Glase.

„Aber  das  Licht,“  sagte  die  dritte,  „ist  doch  recht  schön.“

Sie  flog  gegen  die  Flamme  und  verbrannte.
Christoph  von  Schmid.

35.  Die  Falle  und  die  Maus.

1.  Ein  kleines  Mäuschen  roch  den  Speck
und  schlich  zur  Mausefalle  keck:
Ich  will  nur  daran  riechen.

2.  Es  schlich  sich  nah'  und  näher  hin
und  dachte  da  in  seinem  Sinn:
Der  Speck,  der  riecht  doch  köstlich!
        <pb n="14" />
        —  14  —

 

 

3.  Die  Falle  ist  gefährlich  sehr,
ach  wenn  der  Speck  doch  draußen  wär',
ich  möcht'  ihn  gerne  kosten!

4.  Doch  halt!  Ich  hol'  ihn  schnell  heraus
und  lache  dann  die  Falle  aus.

Speck  eß  ich  gar  zu  gerne.

5.  Gesagt,  gethan!  Naschkätzchen  keck,
kaum  hat's  berührt  den  schönen  Speck,
da  war  es  auch  gefangen.

6.  Naschkätzchen,  dem  ist  recht  geschehn.
Man  muß  Begierden  widerstehn,
sonst  muß  man  Strafe  leiden!

36.  Die  Puppe.
Die  Puppe  ist  ein  allerliebstes  Spielzeug  für  kleine  Mädchen.
Wir  unterscheiden  an  der  Puppe  Kopf,  Rumpf  und  Glieder.  Zu
den  Gliedern  rechnet  man  Arme  und  Beine.  Haben  die  Glieder
  Gelenke,  so  heißt  die  Puppe  Gelenkpuppe.  Zur  Weihnachtszeit
giebt  es  auch  Puppen,  die  man  essen  kann.  Wer  macht  sie?

37.  Ein  Sprüchlein  für  die  Puppe.
1.  Ein  Sprüchlein  weiß  ich,  das  lernt  ich  fleißig,  nun  lerne
du's,  mein  Püppchen,  heut';  merk  auf  und  sei  mir  nicht  zerstreut:
2.  „Das  ist  der  Daumen,  der  schüttelt  die  Pflaumen,  der

liest  sie  auf,  der  trägt  sie  heim,  der  Kleine  ißt  sie  ganz  allein.“
Julius  Sturm.

38.  Was  ein  Reitersmann  haben  muß.

Ein  Reitersmann  muß  haben  ein  Pferdchen,  um  zu  traben,
den  Bügel,  aufzusteigen,  den  Zügel,  auszuweichen,  den  Sattel,
festzusitzen,  die  Sporen,  um  zu  ritzen,  die  Peitsche,  um  zu
wecken,  den  Helm,  das  Haupt  zu  decken,  die  Lanze,  um  zu
spießen,  Pistolen,  um  zu  schießen,  den  Säbel  an  der  Seiten,
—  dann  kann  er  lustig  reiten.  Friedrich  Güll.
        <pb n="15" />
        —  15  —

 

 

 

39.  Der  kleine  Gernegroß.

1.  War  einst  ein  kleiner  Gernegroß,  fünf  Jahr  alt  und
ein  halbes  bloß.  „Ei,“  spricht  er,  „ich  bin  nicht  mehr  klein;
ich  kann  gar  wohl  ein  Herr  schon  sein!“

2.  Er  nimmt  des  Vaters  Stock  und  Hut,  und  läuft  hinaus
mit  stolzem  Mut,  und  merkt  es  nicht,  der  kleine  Tropf,  daß
halb  im  Hute  steckt  der  Kopf.

3.  Und  alle  Leute  bleiben  stehn  und  lachend  auf  das
Herrchen  sehn:  „Ei,  Hut,  was  hast  du  denn  im  Sinn,  wo
willst  du  mit  dem  Jungen  hin?“  Friedtich  Güll.

40.  Blindekuh.

Blindekuh,  nun  suche  du
ohne  Rast  und  ohne  Ruh'!
Wie  ich  heiße,  sage  du;
bind'  mir  dann  die  Augen  zu!

Theodor  Fliedner.
(Gekürzt.)

41.  Kinderspiele.

 

Spielt  nur  immer  in  guter  Ruh',  spielt  nur  immer  in
Frieden!  Die  lieben  Eng'lein  seh'n  euch  zu  und  wollen  euch
        <pb n="16" />
        —  16  —

 

 

behüten.  Gar  treulich  warten  sie  eurer  Hut,  ihr  lieben  Kind—
lein,  seid  fromm  und  gut,  dann  seid  ihr  zu  Spielkameraden
ins  Himmelreich  eingeladen.

42.  Was  das  Mädchen  thun  kann.

Ich  bin  ein  fein  Mädchen,  kann  drehen  das  Rädchen,
kann  stricken  die  Maschen,  und  flicken  die  Taschen,
kann  nähen  und  putzen,  und  fädeln  und  stutzen,
kann  hüpfen  und  springen,  kann  tanzen  und  singen,

und  braten  und  kochen,  das  Fleisch  und  die  Knochen.
Friedrich  Güll.

43.  Knabe  und  Vater.

Knabe.  Ach,  das  Lernen  ist  so  schwer!  O,  wie  plag
ich  mich  so  sehr!  —

Vater.  Söhnchen,  wenn  du  fleißig  bist,  und  es  kommt
der  heil  ge  Christ,  da  bekommst  du  schöne  Sachen,  die  dir
werden  Freude  machen.  Bilderbücher,  bunt  und  fein,  sollen
dir  zum  Lohne  sein.  Bist  du  fleißig  nun  gewesen,  kannst  du
sie  dann  selber  lesen.

44.  Winterabend.

Der  Winterabend,  das  ist  die  Zeit
der  Arbeit  und  der  Fröhlichkeit.
Wenn  die  andern  nähen,  stricken  und  spinnen,
dann  müssen  wir  Kinder  auch  was  beginnen,
wir  dürfen  nicht  müßig  sitzen  und  ruh'n,
wir  haben  auch  unser  Teil  zu  thun;
wir  müssen  zu  morgen  uns  vorbereiten
und  vollenden  unsere  Schularbeiten,
und  sind  wir  fertig  mit  Lesen  und  Schreiben,
dann  können  wir  unsere  Kurzweil  treiben,
und  ist  der  Abend  auch  noch  so  lang,
wir  kürzen  ihn  mit  Spiel  und  Gesang,
        <pb n="17" />
        —  17  —

 

und  wer  dann  ein  hübsches  Rätsel  kann,
der  sagt's,  und  wir  fangen  zu  raten  an.
Heinrich  Hoffmann  von  Fallersleben.

 

45.  Rätsel.

Welcher  Hut  hat  keinen  Rand?
Welcher  König  hat  kein  Land?
Welche  Muschel  ist  am  Kopf?
Welches  Tier  wird  rot  im  Topf?
Welche  Augen  sehen  nicht?
Und  wo  scheint  das  größte  Licht?
Friedrich  Güll.

 

 

46.  Der  Tisch.

Der  Tisch  ist  ein  Hausgerät.  Er  wird  vom  Tischler  aus
Holz  gefertigt.  Die  einzelnen  Teile  des  Tisches  sind:  die  Platte,
die  Zarge  und  die  Füße.  Die  Füße  werden  durch  die  Zarge  zusammengehalten.
  Viele  Tische  haben  in  der  Zarge  einen  Schiebkasten.
  Die  Tischplatte  ist  entweder  viereckig,  kreisrund  oder
länglichrund.  Nach  dem  verschiedenen  Gebrauche  werden  die
Tische  auch  verschieden  benannt.  Was  ist  ein  Eßtisch,  Schreibtisch,
  Spieltisch,  Nähtisch,  Schultisch,  Küchentisch

 

 

47.  Haltet  Gottes  Gaben  in  Ehren.

Kinder,  höret,  was  eine  alte,  fromme  Sage  erzählt.  Es
ist  ein  besonderer  Engel  gesetzt,  der  acht  hat  auf  die,  welche
das  Brot  mutwillig  und  leichtsinnig  auf  die  Erde  fallen  lassen,

daß  es  mit  Füßen  getreten  wird;  wer  so  thut,  den  bringt  der
Engel  in  Armut.  —  Verstanden?

48.  Bei  Tische.

Wir  haben  Suppe,  wir  haben  Brot,
doch  viele  Arme  leiden  Not.

 

 

 

II.  2
        <pb n="18" />
        —  18  —

 

 

Wir  sind  vergnügt  und  sind  gesund,
doch  viele  sind  oft  krank  und  wund.
Du  lieber  Gott,  nimm  unsern  Dank,
daß  wir  gesund  sind  und  nicht  krank;
du  lieber  Gott,  laß  uns  dich  preisen,
für  Brot  und  Suppe,  die  wir  speisen.
Wir  können  dir  ja  sonst  nichts  geben,
als  nur  dich  loben  und  erheben;
wir  können  dir  ja  sonst  nichts  bringen,
als  unser  Herz;  dies  laß  gelingen!
Friedrich  Güll.

49.  Wie  bleibt  man  gesund?

Iß  und  trink  mit  Mäßitkeit!
Wach'  und  schlaf  zu  rechter  Zeit!
Reinlich  sei  in  allen  Sachen!

Das  wird  recht  gesund  dich  machen.

50.  Das  beste  Getränk.

Der  beste  Wein  für  Kinder,  der  weiße  ist's  fürwahr,  der
aus  der  Silberquelle  so  lustig  fließt  und  klar.
Er  fließt  durch  grüne  Auen,  ihn  trinken  Hirsch  und  Reh'
und  Lerch'  und  Nachtigallen;  er  macht  den  Kopf  nicht  weh.
Und  ist  er  gut  für  Kinder,  der  klare,  weiße  Wein  —  mich
dünkt,  er  muß  nicht  minder  auch  gut  für  Große  sein.
Franz  Graf  von  Pocei.

51.  Das  kranke  Kind.

Der  Kopf  thut  mir  weh;  ich  bin  so  krank,  muß  nehmen
den  braunen,  bittern  Trank.  Die  Mutter  sieht  so  betrübt  mich
an,  daß  ich  immer  noch  nicht  aus  dem  Bette  kann.  Herr  Gott
iim  Himmel,  ich  bin  ja  dein,  o  laß  mich  bald  wieder  besser  sein!

Wilhelm  Hey.
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        —  19  —

 

 

 

 

52.  Das  selige  Kind.

Kind.  Wo  mag  das  liebe  Schwesterlein  doch  nur  hin—
gekommen  sein?  Die  Augen  waren  ihr  zugedrückt,  mit  Blumen
und  Kränzen  war  sie  geschmückt,  da  kamen  die  schwarzen  Männer
und  haben  sie  fortgetragen  und  begraben.

Mutter.  Siehst  du  den  blauen  Himmel  droben?  Da
wird  sie  nun  leben,  lieben  und  loben.  Unser  Gott  nahm  sie
von  dieser  Welt  und  hat  sie  den  Engeln  zugesellt.  Bitte  du
Gott  um  reinen  Sinn,  so  kommst  du  zu  ihr  auch  einmal  hin.

53.  Blick  von  oben.

Kind.  Kann  wohl  vom  Himmel  mein  Schwesterlein  zu
uns  schau'n  in  die  Stube  herein?  Kann  sie  wohl  auch  mich
spielen  sehn?  Sieht  sie  mich  jetzt  auch  bei  dir  stehn?  Hört  sie  es
auch,  wenn  ich  nach  ihr  frage  und  dir  meine  Gedanken  sage?

Mutter.  Ob  sie  sieht  und  hört  so  weit?  Kind,  darauf
weiß  ich  keinen  Bescheid.  Sie  ist  ja  beim  Herrn!  den  kann
sie  fragen,  der  wird  ihr  auch  alles  von  dir  sagen,  und  wenn
sie  da  Gutes  von  dir  hört,  das  wird  ihr  wohl  sein  gar  lieb
und  wert.

 

III.  Der  Hof.

54.  Der  Hof.

Am  Hause  liegt  der  Hof.  Auf  dem  Bauernhofe  giebt  es
vielerlei  Dinge.  Die  eine  Seite  des  Hofes  begrenzt  der  Stall.
Hier  sieht  man  Pferde,  Kühe,  Schafe  und  Schweine.  Auch
Gänse,  Enten  und  Hühner  findet  man  im  Stalle.  Auf  der
andern  Seite  des  Hofes  steht  die  Scheune.  Darin  liegt  das
Getreide:  Weizen,  Roggen,  Gerste,  Hafer  und  Erbsen.  Auf
der  Tenne  hört  man  laute  Drescherschläge.  Vor  der  Scheunenthür
  sitzen  die  Sperlinge  und  Tauben,  und  suchen  Körnchen,

 

 

 

 

2*
        <pb n="20" />
        —  20  —

 

 

und  nicht  weit  davon,  am  Düngerhaufen,  scharrt  der  Hahn
mit  seinen  Hühnern.  In  einer  Hofecke  haben  die  Wagen,
Pflüge,  Eggen  und  Walzen  ihren  Platz.

55.  Der  Hahn  am  Morgen.

„Kikiriki,  ihr  Leut'  steht  auf;  seht,  es  kommt  die  Sonn'
herauf!  Springet  aus  der  dunklen  Kammer,  hebt  das  Beil  und
schwingt  den  Hammer;  führt  den  Pfriemen  und  die  Nadel,
und  macht  alles  ohne  Tadel!  Kikiriki,  es  ist  schon  hell;  macht
euch  an  die  Arbeit  schnell!“

Und  der  Hahn  ruft  immer  dreister,  bis  Geselle,  Jung'
und  Meister  lustig  in  die  Werkstatt  springen,  Beil  und  Hammer
munter  schwingen,  Riem  und  Pfriem  und  Nadel  führen  und
sich  tummeln  und  sich  rühren.  —  Kitkiriki,  jetzt  ist  es  still,
weil  kein  Mensch  mehr  schlafen  will.

56.  Der  Gockelhahn.

 

 

 

Der  Gockelhahn,  der  Gockelhahn,  der  hat  zwei  große
Sporen  an,  und  geht  so  stolz  und  keck  einher,  als  wenn  ein
großer  Herr  er  wär.
        <pb n="21" />
        —  21  —

 

 

 

—

Herr  Gockelhahn,  Herr  Gockelhahn,  hat  Sporen  und  keine
Stiefeln  an,  hat  Sporen  und  nicht  einmal  Lederschuh',  hat
Sporen  und  doch  kein  Pferd  dazu.

Herr  Gockelhahn,  Herr  Gockelhahn,  er  ist  ein  lustiger
Reitersmann,  Herr  Reiter  zu  Fuß,  wir  lachen  dich  aus,  reit'
hurtig  in  das  Hühnerhaus!

Georg  Christian  Dieffenbach.

57.  Die  gemästete  Henne.

Eine  Frau  hatte  eine  Henne,  welche  täglich  ein  Ei  legte.
Damit  hätte  sie  zufrieden  sein  können;  allein  da  sie  eine  habsüchtige
  Frau  war,  so  wollte  sie  es  dahin  bringen,  daß  ihre
Henne  vormittags  ein  Ei  legte  und  nachmittags  noch  eins.
Deshalb  fing  sie  an,  ihre  Henne  immer  reichlicher  zu  füttern.
Ihre  Habsucht  brachte  ihr  aber  einen  schlechten  Gewinn.  Denn
als  die  Henne  durch  das  übermäßige  Futter  fett  geworden  war,
legte  sie  gar  keine  Eier  mehr,  und  sie  mußte  sie  schlachten.

Wilhelm  Curtmann.

58.  Rätsel.

Es  ist  ein  Häuschen,  weiß  und  rund,  hat  weder  Dach
noch  Mauergrund,  und  weder  Fenster,  Thür  und  Thor;  doch
geht  ein  Gast  daraus  hervor,  kehrt  nimmermehr  zurücke,  zerbricht

  das  Haus  in  Stücke.
Ernst  Lausch.

59.  Henne  und  Küchlein.

Lauf  mir  ja  zu  weit  nicht  fort,  denn  es  fliegt  der  Geier
dort;  sieht  mit  scharfem  Aug  um  sich,  gehst  du  weg,  so  fängt
er  dich!  —  Geier  ist  noch  weit  von  hier,  fliegt  so  schnell  nicht
her  zu  mir.  Wenn  er  kommt,  so  schlüpf  ich  fein  unter  deine
Flügelein.  —  Küchlein  folgt  der  Mutter  nicht,  geht  hinab  zur
Hecke  dicht,  doch  wie's  wieder  will  herauf,  hat's  der  Geier
und  frißt  es  auf.
        <pb n="22" />
        *

J
—d
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–

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Sieh,  keinen  Tropfen  Wasser  schluckt  das  Huhn,
ohn  einen  Blick  zum  Himmel  auf  zu  thun;
und  ohn  vorher  anbetend  sich  zum  Staube
geneigt  zu  haben,  pickt  kein  Korn  die  Taube.
Was  sie  bewußtlos  thun,  thu  es  bewußt,

daß  du  vor  ihnen  dich  nicht  schämen  mußt.
Friedrich  von  Rückert.

61.  Die  Tauben.

Wenn  meine  liebe  Mutter
den  Tauben  streut  das  Futter,
dann  kommen  sie  im  Augenblick
herbei  und  picken,  pick,  pick,  pick,
und  nicken  mit  den  Köpschen,
bis  voll  sind  alle  Kröpfchen.  Friedrich  Frötel.

 

 

—
        <pb n="23" />
        62.  Wie  die  Tiere  sich  nähren.

Die  Tauben  fressen  Wicken,
die  Schwalben  fangen  Mücken,
die  Schafe  fressen  Gras,
die  Raben  speisen  Aas,
die  Störche  haschen  Schlangen,
die  Katz  muß  Mäuse  fangen,

 

die  Kuh  kaut  Heu  und  Stroh,

ein  Korn  macht's  Spätzlein  froh,

die  Stare  fressen  Spinnen,
die  Ente  schlürft  in  Rinnen,
das  Schwein  wühlt  im  Morast:
ich  möcht  nicht  sein  ihr  Gast.
Friedrich  Güll.

63.  Katze  und  Schwalbe.

1.  Kätzchen  schlich  auf  einem  Dach
einer  kleinen  Schwalbe  nach;
Vöglein  schmeckt  zum  Frühstücksschmaus
besser  als  die  graue  Maus.

2.  Doch,  als  Kätzchen  näher  kam,
schnell  die  Schwalbe  Abschied  nahm,
schwang  sich  in  der  Lüfte  Raum
hoch  hinauf,  man  sah  sie  kaum.

3.  Sie  rief  nun  zum  Dach  hernieder:
„Kätzchen,  morgen  komm  ich  wieder!
Schaff  bis  dahin  Flügel  dir,
daß  du  dann  kannst  folgen  mir!“

4.  Kätzchen  denkt:  „Könnt  ich  nur  fliegen

 

wollte,  Schwälbchen,  bald  dich  kriegen!"
Ist  dann  in  den  Hof  gegangen,
um  sich  eine  Maus  zu  fangen.

Robert  Reinick.

64.  Kind  und  Kätzchen.

Kind:  Miezchen,  warum  wäscht  du  dich  alle  halbe  Stunder?

Sprich!

Miezchen:  Weil  es  gar  zu  häßlich  steht,  wenn  man
nicht  recht  sauber  geht;  Köpfchen,  Pfötchen,  alles  rein,  anders

darf's  bei  mir  nicht  sein!

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        <pb n="24" />
        —  24  —

 

 

 

Unser  Miezchen,  hört'  ich  dann,  stand  in  Ehren  bei  jedermann.
  Sie  ließen  es  in  die  Stube  kommen  und  haben's  wohl
gar  auf  den  Schoß  genommen.  Ich  denke,  das  Waschen  und
das  Putzen  hat  ihm  gebracht  so  großen  Nutzen.

Wilhelm  Hey.

65.  Vom  brummenden  Kater.

Es  war  einmal  ein  Kater,
der  brummte  täglich  sehr.

Da  sprach  zu  ihm  sein  Vater:
„Komm,  Söähnchen,  einmal  her!“"
Und  als  das  Söhnchen  zu  ihm  kam,

der  Vater  einen  Maulkorb  nahm

und  steckt  ihm  Maul  und  Nas’  hinein,
damit  er  lerne  freundlich  sein

und  knurre  künftig  nicht  so  sehr.

Da  ging  er  sehr  betrübt  einher

und  knurrte  ferner  gar  nicht  mehr.  —
Ein  jeder  merke  sich  die  Lehr'!

Sonst  kommt  des  Katers  Vaterchen
und  thut  ihm  wie  dem  Käterchen.

 

 

66.  Der  kluge  Rat.  i
Die  Mäuse  dachten  einmal  darüber  nach,  wie  sie  sich  vor
der  bösen  Katze  schützen  könnten.  Da  sagte  eine  junge  Maus,
man  solle  der  Katze  eine  Schelle  anhängen,  dann  höre  man
sie  schon  von  weitem  kommen.  Als  aber  eine  alte  Maus
fragte,  wer  denn  der  Katze  die  Schelle  anhängen  solle,  da  war
alles  stumm.  Weder  die  alten,  noch  die  jungen  Mäuse  hatten
Lust,  den  Rat  auszuführen.  Darum  geht  die  Katze  noch  ohne
Schelle  herum  bis  auf  den  heutigen  Tag.

67.  Knabe  und  Esel.
Knabe:  Esel,  wie  häßlich  siehst  du  aus!  Ohren  so  hoch
fast  wie  ein  Haus!
        <pb n="25" />
        —  25  —

 

 

—

Esel:  Hab'  doch  mit  meinen  Ohren  Geduld!  Glaube
mir's,  ich  bin  nicht  daran  schuld.  Es  kommt  ja  von  Gott:

der  weiß  gar  eben,  warum  er  sie  mir  so  groß  gegeben.
Wilhelm  Hey.

68.  Das  Schlachtfest.
(Hans  und  Paul.)

H.  Paul,  morgen  mußt  du  bei  uns  sein;  ich  lade  dich
zum  Feste  ein.

P.  Ein  Fest  bei  euch?  Was  ist  denn  los?

H.  Wir  schlachten  ein  Schwein,  gar  fett  und  groß.

P.  Ei,  Hans,  da  komm  ich,  kannst  mir's  glauben,  wenn
meine  Eltern  es  erlauben.  —

Am  Morgen  ist  der  Fleischer  gekommen  und  hat  das
Schwein  bald  vorgenommen;  es  ward  gestochen,  da  quiekt  es
sehr  und  hatte  bald  kein  Leben  mehr.  Nun  ward  es  zerhauen
und  rein  gemacht,  das  Fleisch  in  Molden  und  Tonnen  gebracht.
  Viel  Schinken  gab  es,  viel  Speck  und  Würste  und  von
den  Borsten:  Besen  und  Bürste.  —  Die  Kinder  schmausten

aufs  allerbest  und  dachten  noch  lange  ans  Schlachtefest.
Ernst  Lausch.

69.  Vogelflug.

Warum  wohl  die  Vögel  fliegen  können?  Ei,  das  magst
du  ihnen  schon  gönnen.  Auf  der  Erde  sind  der  Tiere  viel  und
haben  hier  und  dort  ihr  Spiel,  da  war  kein  Platz  für  die
Vögel  mehr;  das  dauerte  den  lieben  Gott  so  sehr,  darum  hat
er  ihnen  Flügel  gegeben,  daß  sie  dort  oben  in  Lüften  schweben;
da  können  sie  spielen  den  ganzen  Tag  und  haben  Platz,  wie
viel  jedes  mag.  Wilhelm  Hev.

70.  Abschied  der  Schwalben.

Zum  Fenster  noch  einmal  blickt's  Schwälbchen  hinein:
„Ade,  liebe  Kinder,  geschieden  muß  sein!
        <pb n="26" />
        —  26  —

 

 

Ich  hatte  mein  Nest  an  dem  Fenster  gebaut,

ihr  habet  mit  Freuden  die  Kleinen  geschaut

und  gern  auf  mein  Zwitschern  des  Morgens  gehört,
ihr  habet  mir  nimmer  den  Frieden  gestört:

drum  möge  auch  euch  in  Freud'  und  Gefahren

der  Himmel  die  liebenden  Eltern  bewahren.
Rudolf  Löwenstein.

 

IV.  Im  Garten.

..

71.  Mein  Gärtchen.

 

1.  Dort  in  der  Ecke,  dicht  an  der  Hecke,
hab’  ich  ein  niedliches  Gärtchen  gemacht.
Das  müßt  ihr  sehen!  O  welche  Pracht!

2.  Quer  und  der  Länge  führen  zwei  Gänge,
hab  sie  mit  schimmerndem  Sande  bestreut.
Ei,  wie  das  putzet!  Wie  mich  das  freut!
        <pb n="27" />
        —  27  —

 

 

 

3.  Und  hier  die  Beete!  Eins  mit  Reseda,
dies  mit  Levkojen  und  dort  Akelei  —
jenes  hab'  ich  für  Astern  noch  frei.

4.  Wolke,  bring'  Regen!  Sonne,  gieb  Segen!
Gärtchen,  o  Gärtchen,  wie  gern  pfleg'  ich  dich,
wachse  und  blühe,  erfreue  mich!

72.  Der  Regen.

Jeder  Baum  und  Strauch  ist  ein  Gotteskind.
Sieht  der  Vater  nun,  daß  sie  durstig  sind,
da  schickt  er  den  labenden  Regen  nieder,
gleich  sind  sie  gar  frisch  und  fröhlich  wieder.

73.  Bienchen  und  Blume.

Kleine  Biene,  wer  sagt  es  dir,
daß  die  Blumen  blühen  hier?
Wer  hat  d'rin  dir  den  Tisch  gedeckt,
daß  es  dir  so  lieblich  schmeckt?
Weißt  du,  wer  so  an  dich  gedacht?

Gott  ist's,  der  alles  hat  gemacht.
Wilhelm  Hey.

74.  Eintracht  ernährt,  Unfriede  verzehrt.

Sieh'  dort  die  fleißigen,  kleinen  Knaben!
Stets  sieht  man  im  Garten  sie  pflanzen  und  graben.
Sie  zanken  sich  niemals,  sind  friedlich  und  froh,
und  Malchen,  das  Schwesterchen,  ebenso.

Schon  haben  sie  junge  Radieschen  im  Beet',
das  Schotenfeld  auch  schon  in  Blüte  steht.
Das  beste  aber,  das  sind  die  Beeren;

die  können  sie  gar  nicht  alle  verzehren.
Agnes  Franz.  (Gekürzt.)
        <pb n="28" />
        —  28  —

 

 

75.  Rätsel.

Eine  Pflanze  will  euch  fragen:
„Wer  kann  mir  meinen  Namen  sagen?
Ich  trage  Stacheln,  euch  zu  wehren;
ich  bringe  Beeren,  euch  zu  nähren,
und  ich  bin  ein  Strauch,  ihr  kennt  mich  auch.“

76.  Das  Kind  und  sein  Blümchen.

Ward  ein  Blümchen  mir  geschenket,
hab's  gepflanzt  und  hab's  getränket,
Vögel,  kommt  und  gebet  acht!

Gelt,  ich  hab'  es  recht  gemacht?

Sonne,  laß  mein  Blümchen  sprießen!
Wolke,  komm',  es  zu  begießen!
Richt  empor  dein  Angesicht,
liebes  Blümchen,  fürcht  dich  nicht!

Und  ich  kann  es  kaum  erwarten,
täglich  geh  ich  in  den  Garten,
täglich  frag'  ich:  Blümchen,  sprich!
Blümchen  bist  du  bös'  auf  mich?

Sonne  ließ  mein  Blümchen  sprießen;
Wolke  kam,  es  zu  begießen;
jedes  hat  sich  brav  gemüht,
und  mein  liebes  Blümchen  blüht.

Wie's  vor  lauter  Freuden  weinet!

freut  sich,  daß  die  Sonne  scheinet;

Schmetterlinge,  fliegt  herbei,

sagt  ihm  doch,  wie  schön  es  sei!
Heinrich  Hoffmann  v.  Fallersleben.
        <pb n="29" />
        —  29  —

 

 

 

 

 

77.  Das  Schneeglöckchen.

Du  kleines  Glöckchen,  weiß  wie  Schnee,
wie  freu'  ich  mich,  wenn  ich  dich  seh!
Du  wogst  im  milden  Sonnenschein

und  läutest  den  lieben  Frühling  ein.
Robert  Reinick.

78.  Das  Veilchen.

Das  Veilchen  ist  ein  kleines  Blümchen.  Es  ist  blau  und
hat  einen  angenehmen  Geruch.  Man  findet  es  in  Gärten  und
draußen  an  Hecken  unter  grünem  Grase.

Die  Blätter  des  Veilchens  sind  wie  ein  Herz  geformt.
Ihr  Rand  ist  fein  gezackt.  Auf  der  unteren  Seite  ist  das
Grün  heller,  als  auf  der  oberen.  Die  Blüten  stehen  auf  einem
dünnen  Stiele.

Wenn  die  Veilchen  blühen,  ist  der  Winter  vorbei  und
der  Frühling  mit  seinen  schönen  Tagen  beginnt.

Alle  Menschen  sind  dem  Veilchen  gut.  Sie  suchen  es  auf,
stellen  es  in  ein  Glas  mit  Wasser  und  mun  duftet  die  ganze
Stube  danach.

Wer  Veilchen  pPflücken  will,  muß  genau  zusehen,  um  sie
in  ihrem  Verstecke  zu  finden.  Man  nennt  das  Veilchen  deswegen
  auch  „das  Blümchen  der  Bescheidenheit“.

79.  Spruch.

Dem  kleinen  Veilchen  gleich,  das  im  Verborg'nen  blüht,
sei  immer  fromm  und  gut,  auch  wenn  dich  niemand  sieht.

80.  Das  frühe  Veilchen.

Ei,  liebes  Veilchen,  so  sag'  doch  einmal  an:  „Warum
gehst  du  ein  Weilchen  den  Blumen  all'  voran?
Weil  ich  bin  gar  klein,  drum  komm'’ich  vor  dem  Mai,

denn  käm  ich  nicht  allein,  gingt  ihr  an  mir  vorbei.
Adolf  Schults.
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        —  30  —

 

 

 

 

81.  Imker  und  Bienchen.

 

 

„Ihr  Immen,  nichts  für  ungut  genommen,  ich  muß  bei
euch  zu  Gaste  kommen;  hab'  keinen  Zucker  in  meinem  Haus,
drum  bitt'  ich  ein  wenig  Honig  mir  aus.“

Die  Bienen  sprachen  in  ihrem  Zelt:  „Der  Mensch  ist
einmal  Herr  der  Welt,  auch  hat  er  uns  manches  zu  gute  gehalten,
  ließ  frei  in  seinem  Feld  uns  schalten;  die  duftende
Linde  gab  er  uns  preis,  Raps,  Klee  und  Blumen  in  weitem
Kreis.  Auch  hat  er  uns  gezimmert  Haus  und  Herd  und  weder
Kaufgeld  noch  Miete  begehrt;  drum  nehme  er  heut',  was  ihm
gefällt,  unf're  Küche,  Gottlob!  ist  gut  bestellt.“  —

Da  schnitt  der  Imker  den  Honig  aus,  schon  harrten  die
lüsternen  Kinder  zu  Haus.  O,  wie  hat  das  Brötchen  so  herrlich
  geschmeckt,  mit  schönem,  goldenem  Honig  bedeckt.

Agnes  Franz.

82.  Petz  und  Bienchen.

Einmal  stach  Bienchen  einen  Bär;
dies  argerte  den  Petz  gar  sehr;
rasch  lief  er  an  das  Bienenhaus.
Da  kam  die  Bienenschar  heraus
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        —  31  —

 

 

 

 

und  auf  ihn  zu,  ihm  auf  die  Haut

und  stach,  das  Petzchen  schrie  gar  laut.
Weh  thut  sein  Aug',  es  kann  kaum  sehn;
dick  ist  sein  Fuß,  es  kann  kaum  gehn,
Bär  heult,  da  ließ  ihn  Bienchen  ruhn.
So  was  will  Petz  nie  wieder  thun.

83.  Bär  und  Bauer.

Owelcher  Graus!  Wie  sieht  er  denn  aus?  Wo  kommt
er  her,  Musjeh  Bär?  —  „Ach  ja,  ich  bin  zerstochen  sehr!
Ach,  wenn  ich  doch  lieber  gestorben  wär!  Das  haben  die
bösen  Bienen  gethan,  als  ich  ein  wenig  Honig  mir  nahm.“  —
Aha,  die  Bienen  kamen  ihm  übers  Fell!  Schäm’  er  sich,
schäm  er  sich,  alter  Gesell!  Honig  zu  naschen  ist  gar  nicht
schön!  Nasch'’  er  nicht  wieder,  ihm  ist  recht  gescheh'n!

84.  Der  Käfer.

Ein  kleiner  Käfer  schwirrte  vergnügt  ums  Bäumchen  her.

Allein  im  Garten  irrte  ein  wilder  Bub’  umher.
Er  fing  das  arme  Tierchen  und  packt's  an  seinem  Bein,

und  bindet's  an  ein  Schnürchen,  das  arme  Käferlein.
Er  spottet  seiner  Wunden,  er  freut  sich  seiner  Not.  Doch,
ach,  in  wenig  Stunden  war's  arme  Tierlein  tot.
Du  böser  Mensch,  was  haben  die  Käfer  dir  gethan?  Ach,
aus  dem  bösen  Knaben  ward  bald  ein  böser  Mann.
Gustav  Dinter.

85.  Quäle  nie  ein  Tier!

Keinem  Würmlein  thu  ein  Leid!
Sieh',  in  seinem  schlichten  Kleid
hat's  doch  Gott  im  Himmel  gern,
sieht  so  freundlich  drauf  von  fern,
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        —  32  —

 

 

 

führt  es  zu  dem  Grashalm  hin,
daß  es  ißt  nach  seinem  Sinn,
zeigt  den  Tropfen  Tau  ihm  an,
daß  es  satt  sich  trinken  kann,
giebt  ihm  Lust  und  Freudigkeit.

Liebes  Kind,  thu'  ihm  kein  Leid!
Wilhelm  Hey.

86.  Maikäfer.

Maikäfer  summ,  summ,  summ!
Du  fliegst  nur  des  Abends  rum,
schläfst  den  ganzen  lieben  Tag,
daß  dich  kein  Mensch  aufwecken  mag.
Wenn  and're  Leut  zu  Bette  geh'n,
dann  fängst  du  erst  an  aufzustehn“.
Du  singest,  betest,  lernest  nichts,
du  bist  ein  rechter  Taugenichts!

Was  du  nicht  für  ein  Faulpelz  bist,

der  gar  nichts  thut  als  brummt  und  frift.
Ahrfeld.

87.  Knabe  und  Schmetterling.

 

Knabe:  Schmetterling,  kleines  Ding,  sage,  wovon  du
lebst,  daß  du  nur  stets  in  Lüften  schwebst?

Schmetterling:  Blumenduft,  Sonnenschein,  das  ist  die
Nahrung  mein.
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        —  33  —

 

 

 

Der  Knabe,  der  wollt'  ihn  fangen,  da  bat  er  mit  Zittern
und  Bangen:  „Lieber  Knabe,  thu'  es  nicht,  laß  mich  spielen

im  Sonnenlicht!  Eh'  vergeht  das  Abendrot,  lieg  ich  doch  schon
kalt  und  tot.“  Wilh.  Hey.

88.  Die  Biene  und  die  Taube.

Ein  Bienchen  fiel  in  einen  Bach.  Das  sah  von  oben
eine  Taube;  sie  brach  ein  Blättchen  von  der  Laube  und  warf's
ihm  zu.  Das  Bienchen  schwamm  danach  und  half  sich  glücklich
  aus  dem  Bach.

Nach  kurzer  Zeit  saß  diese  Taube  in  Frieden  wieder  auf
der  Laube.  Ein  Jäger  hatte  schon  den  Hahn  auf  sie  gespannt.
Mein  Bienchen  kam.  Pik!  stach's  ihn  in  die  Hand.  Puff!
ging  der  ganze  Schuß  daneben.  Die  Taube  flog  davon.  —
Wem  dankte  sie  ihr  Leben?

Bin  ich  auch  noch  jung  und  klein,
dankbar  kann  ich  doch  schon  sein.

Johann  Benjamin  Michaelis.

89.  Rätsel.

Auf  dem  Baume  sah  ich's  blüh'n,
weiß  zuerst;  dann  wurd  es  grün;
endlich  wurd'  es  rot  wie  Blut,
schmeckt  nun  allen  Kindern  gut.  Volksmund.

90.  Die  Weintraube.

Die  Weintraube  ist  die  Frucht  des  Weinstockes.  Der  Weinstock
  gedeiht  in  den  wärmeren  Ländern,  in  Deutschland  besonders
  am  Rhein.  Die  Weintrauben  haben  einen  angenehmen
Geschmack.  Sie  sind  sehr  saftreich,  süß  und  gewürzig.  Die
Weintrauben  werden  im  Oktober  reif.  Sie  sehen  dann  gelblich
oder  bläulich  aus.  Aus  den  Weinbeeren  wird  durch  das  Auspressen
  des  Saftes  der  Wein  gewonnen.  Die  Rosinen  sind
getrocknete  Weinbeeren.  Noah  soll  den  Weinstock  zuerst  angepflanzt
  und  auch  zuerst  aus  den  Trauben  Wein  gepreßt  haben.

 

II.  3
        <pb n="34" />
        —  34  —

 

91.  Die  Nuß  in  grüner  Schale.

Das  kleine  Lieschen  fand  in  dem  Garten  eine  Walnuß,
die  noch  mit  der  grünen  Schale  überzogen  war.  Lieschen  sah
sie  für  einen  Apfel  an  und  wollte  sie  essen.  Kaum  aber  hatte
sie  hineingebissen,  so  rief  sie:  „Pfui,  wie  bitter!“  und  warf  die
Nuß  weg.

Konrad,  ihr  Bruder,  war  klüger.  Er  hob  die  Nuß  sogleich
auf,  löste  die  grüne  Schale  ab,  zerschlug  die  harte  mit  zwei
Steinen  und  aß  den  Kern.  Dann  wandte  er  sich  zu  seiner
Schwester  und  sagte:  „Wer  Nüsse  essen  will,  muß  erst  die  Schalen
  brechen.“

Acht  keiner  Mühe  Bitterkeit,

die  dich  mit  süßem  Lohn  erfreut.
Christoph  von  Schmid.

92.  Hans  im  Hag.

Dort  in  des  Müllers  Garten,  da  steht  ein  Apfelbaum,
ist  voll  von  großen  Apfeln;  man  sieht  die  Blätter  kaum.

Husch,  kriecht  des  Schneiders  Hansli  durch's  enge  Loch  im  Hag,
füllt  beide  Hosentaschen  und  ißt,  so  viel  er  mag.

Dapfeifts.—  dakommt  der  Müller:—,  Halt,  halt  du  Apfeldieb!“
Mein  Hansli  springt,  denn  Schläge,  die  wären  ihm  nicht  lieb.

Er  schlüpft  ins  Loch  im  Hage;  da  giebt's  ein  Mißgeschick:
die  vollen  Taschen  machen  den  Burschen  viel  zu  dick.

Er  zappelt  in  dem  Loche,  wie  die  gefangene  Maus,
der  Müller  mit  dem  Stecken  klopft  ihm  die  Hosen  aus.

93.  Der  Pflaumenregen.

Es  steht  ein  Baum  im  Garten,  von  Pflaumen  voll  und
schwer.  Die  Kinder  drunten  warten,  und  lauschen  rings  umher:
ob  nicht  der  Wind  ihn  rüttelt,  und  all  die  Pflaumen  schüttelt,
daß  alle  purzeln  kreuz  und  quer.

 

 

 

 

1——
        <pb n="35" />
        —  35  —

—

 

 

 

Da  horch,  wie's  rauscht  und  rappelt!  Im  Wald  wacht
auf  der  Wind.  Schon  zischelt  er  und  zappelt  und  trappelt  her
geschwind  und  wiegt  und  biegt  die  Äste,  daß  schier  in  ihrem
Neste  die  Finken  nimmer  sicher  sind.

Nun  fällt  ein  Pflaumenregen,  der  aber  macht  nicht  naß.
Im  Gras  herum  zu  fegen,  ist  da  der  größte  Spaß.  O  Wind,
#  Wind,  o  rüttle;  o  Wind,  o  Wind,  o  schüttle!  Wir  lesen
ohne  Unterlaß.  Friedrich  Güll.

94.  Das  dankbare  Bäumchen.

Das  liebe,  kleine  Bäumchen  hier  ist,  wie  man  sagt,  gleich
alt  mit  mir  und  trägt  schon  jetzt,  so  jung  und  zart,  viel  Früchte
von  der  besten  Art.

Es  lohnt  dem  Gärtner,  dessen  Hand  so  vielen  Fleiß  darauf
verwandt;  wie  wird  es  ihn  erst  recht  erfreu'n,  wird  es  zum
Baum  erwachsen  sein!

O,  bin  ich  nicht  dem  Bäumchen  gleich?  Zwar  jetzt  nur
noch  an  Blättern  reich;  doch,  giebt  der  liebe  Gott  Gedeih'n,
so  werd’  ich's  auch  an  Früchten  sein.  Christian  Felix  Weiße.

 

V.  Die  Stadt.

J

95.  Die  Stadt.

Der  Mensch  wohnt  nicht  gern  allein,  sondern  lieber  in  der
Nähe  von  anderen  Menschen.  Darum  hat  einer  neben  dem  andern
  sein  Haus  gebaut  und  daraus  sind  Dörfer  und  Städte
geworden.

In  der  Stadt  sind  die  Häuser  eng  beisammen.  Sie  stehen
in  Reihen  und  bilden  Straßen  und  Gassen;  die  Straßen  sind
lang  und  breit,  die  Gassen  kurz  und  schmal.  Die  Straßen  führen
  besondere  Namen.  Auch  Plätze  giebt  es  in  der  Stadt.
Der  Platz,  auf  welchem  der  Markt  abgehalten  wird,  heißt  Marktplatz.
  In  der  Stadt  findet  man  Wohnhäuser,  Schulhäuser,

 

3*
        <pb n="36" />
        —  36  —

 

 

Gasthäuser  und  auch  oft  Fabriken;  ferner  wenigstens  eine  Kirche

und  ein  Rathaus.

Die  Bewohner  der  Städte  heißen  Bürger.  In  der  Stadt
giebt  es  Beamte,  Kaufleute,  Ärzte,  Apotheker,  Künstler,  Wirte
und  viele  Handwerker.

 

 

 

Glockenton,  du  ernster  Klang,
schallst  die  ganze  Stadt  entlang,
rufest  allen  nah  und  fern:
Hört,  heut'  ist  der  Tag  des  Herrn,
ehrt  ihn,  kommt  zur  Kirche  gern!
Glockenton,  wie  lieb'  ich  dich,
freu'  auf  deine  Stimme  mich!  Wilhelm  Hey.

97.  Der  Kirchgang.

Zur  lieben  Kirche  geh'n  wir  heut,  haben  uns  lange  darauf
gefreut.  Vater  schüttelte  erst  das  Haupt,  endlich  hat  er  es  doch
erlaubt;  sprach:  „Ihr  Kinder,  ich  seh  es'wohl  gern,  doch  bedenkt,
  —  es  ist  das  Haus  des  Herrn!“
        <pb n="37" />
        —  37  —

 

 

 

98.  Die  Kirche.

Gestern  nahm  mich  mein  Vater  mit  in  die  Kirche.  Ach,
wie  ist  da  alles  so  prächtig!  Große  Bogenfenster  erleuchten  den
weiten  Raum.  Hohe  Säulen  stützen  die  gewölbte  Decke.  An
einer  der  Säulen  ist  die  Kanzel,  auf  welcher  der  Prediger  steht,
wenn  er  predigt.  Auf  dem  Altare,  zwischen  zwei  großen  Leuchtern,
  ist  ein  Kreuz,  an  welchem  der  Heiland  bildlich  hängt.
Davor  liegt  eine  große  Bibel.  Weiterhin  sah  ich  den  Taufstein,
an  welchem  die  kleinen  Kinder  getauft  werden.  Uberall  sind
Bänke  zum  Sitzen,  und  hoch  oben  auf  dem  Chor  sah  ich  die
große  Orgel,  die  zu  den  frommen  Liedern  gespielt  wird.

99.  Spruch  von  der  Kirche  und  dem  Turme.

Umsonst  hat  der  Maurer  die  Kirch'  nicht  gebaut,

die  mit  den  Türmen  zum  Himmel  aufschaut;

die  sollen  und  wollen  mit  Orgel  und  Glocken

zum  lieben  Herrgott  die  Kindlein  locken.

Drum  denkt,  wenn  von  ferne  die  Glocken  man  läuttt:

jetzt  ist  es  zum  Singen  und  Beten  wohl  Zeit.
Friedrich  Güll.

100.  Der  Dampfwagen.
———1-  —  E  ——

 

 

 

 

 

Hörst  du  die  Cokonotioe  nicht  schrei'n?
Das  dringt  ja  wirklich  durch  Mark  und  Bein;
        <pb n="38" />
        —  38  —

 

 

das  kann  ich  nicht  hören,  das  schadet  dem  Ohr,
drum  halt'  ich  mir  lieber  die  Hände  davor.

Hörst  du  den  Dampf,  wie  er  brauset  und  pufft?  puff,  puff!
Siehst  du  ihn  steigen  so  dick  in  die  Luft?  puff,  puff!
Die  Räder  schnarren  und  lärmen  gar  sehr,
viel'  Menschen,  die  laufen  und  rennen  umher,  rr,  rr!

Schneller  und  schneller  bewegt  sich  der  Zug,  rr,  rr!
bis  er  dahinzieht  in  sausendem  Flug,  ss,  ss!
Bald  ist  er  verschwunden,  bald  hört  man  nichts  mehr,
und  ruhig  und  still  ist's  wieder  umher,  bst,  bst!
Köhler.

101.  Böttcherlied.

Ich  bin  der  Böttcher;  ich  binde  das  Faß;
wohl  wird  mir  vom  Binden  die  Stirne  naß;
doch  hurtig  und  munter  die  Reifen  herum
und  dann  mit  dem  Hammer  gewandelt  rundum.

Rundum,  rundum!

Ich  bin  der  Böttcher;  ich  binde  das  Faß
so  fröhlich  und  flink,  als  wär  es  nur  Spaß,
und  mach  ich  dabei  den  Rücken  auch  krumm,
so  ist  es  doch  lustig  zu  wandeln  rundum.

Rundum,  rundum!

102.  Auf  dem  Jahrmarkte.

Liebes  Kindlein,  kauf  ein!  Hier  ist  ein  Hündlein,  hier
ein  Schwein!  Trommel  und  Schlägel,  ein  Reitpferd,  ein  Wägel,
Kugel  und  Kegel,  Kistchen  und  Pfeifen,  Puppen  und  Reifen,
Ringe  und  Broschen,  für  einige  Groschen  ist  alles  dein!  Kindlein,

  kauf  ein!
Johann  Wolfgang  von  Geoethe.
        <pb n="39" />
        —  39  —

 

 

103.  Knabe  und  Krüppel.

Armer  Mann  mit  einem  Bein,  kannst  wohl  nicht  recht  fröhlich
  sein?  Gehst  so  langsam  und  so  schwer  an  der  Krücke  da  einher.
Sage,  wie  erfreu'’  ich  dich?  Armer  Mann,  du  dauerst  mich.

„Knabe,  willst  du  mich  erfreu'n,  mußt  du  stets  recht  folgsam
  sein.  Vater  hatte  oft  gesagt:  Klettre  nicht,  nimm  dich  in
acht!  Söhnchen  wollte  klüger  sein.  Knacks!  da  brachen  Baum

«
und  Bein.  Emilie  Feige.

104.  Die  Puppe.

 

 

 

Rosettchen  will  zum  Krämer  laufen  und  für  die  Puppe
Kleider  kaufen.  Da  trifft  es  einen  blinden  Mann  mit  einem
kleinen  Mädchen  an.  Es  legt  das  Geld  ihm  in  den  Hut  und
geht  nach  Haus'  mit  frohem  Mut,  zieht  der  geliebten  Puppe
dann  das  alte  Röcklein  wieder  an.  Johann  Staub.

105.  Sperlinge  unter  dem  Hute.

Michel,  ein  großer  Bauernjunge,  hatte  Sperlinge  gefangen
und  sie  unter  den  Hut  gesteckt.  Da  kam  der  Herr  Bürgermeister.
  Alle  Leute  grüßten  ihn.  Michel  aber  grüßte  nicht.
        <pb n="40" />
        —  40  —

 

 

Da  sprach  zu  ihm  der  Bürgermeister:  „Mein  Junge,  ist  denn
dein  Hut  angeleimt,  daß  du  ihn  nicht  abziehst?“  Michel  aber
grüßte  immer  noch  nicht.  Da  nahm  ihm  der  Herr  Bürger—
meister  den  Hut  vom  Kopfe  ab.  Brrr!  flogen  alle  Spatzen  fort.
Der  Bürgermeister  lachte  und  alle  Leute  mit  ihm.  Michel  hieß
von  nun  an  der  Spatzenmichel,  und  noch  heute  sagt  man,  wenn
einer  seinen  Hut  zum  Grüßen  nicht  abnimmt:  „Der  hat  gewiß

Sperlinge  unter  dem  Hute!“
Wilhelm  Curtmann.

 

—

106.  Das  Dorf.

Das  Dorf  hat  gewöhnlich  nicht  so  viele  und  schöne  Häuser
wie  eine  Stadt.  Die  Häuser  sind  meist  niedrig  und  stehen  nicht
dicht  beisammen.  Auch  wohnen  im  Dorfe  weniger  Menschen
als  in  der  Stadt.  Ein  Dorf,  das  auch  eine  Kirche  hat,  heißt
Kirchdorf.  Die  meisten  Leute  im  Dorfe  treiben  Ackerbau  und
Viehzucht.  Sie  bebauen  das  Feld;  darum  heißt  man  sie  Bauern
oder  Ackersleute.  Doch  giebt  es  auch  in  jedem  Dorfe  einige
Handwerker.  Welche  Handwerker  kennst  dur

107.  Die  Glocke.

Glocke  auf  dem  Turme  da,
Leute  rufst  du  fern  und  nah,
daß  sie  morgens  früh  aufstehn,
beten  und  zur  Arbeit  gehn.

Wieder  hör  ich,  Glöcklein,  dich,
wenn  der  Mittag  zeiget  sich;
dann  rufst  du  mit  gutem  Klang:
kommt,  nehmt  Gottes  Speis  und  Trank!
        <pb n="41" />
        Hat  der  Abend  sich  genaht
ist's  zur  Arbeit  schon  zu  spat,
rufest,  liebes  Glöcklein,  du:
leget  betend  euch  zur  Ruh'.

108.  Der  Kirchhof.

1

")
E- 



Um  die  Kirche  herum  ist  der  Kirchhof.  Oft  liegt  er  auch
außerhalb  des  Ortes.  Da  ruhen  die  gestorbenen  Menschen
nebeneinander,  alte  und  junge,  reiche  und  arme.  Auf  dem
Kirchhofe  ist  es  still.  Still  und  ernst  wandeln  die  Leute  zwischen
den  Gräbern  umher,  und  manche  weinen.  Es  ist  auch  gar
traurig,  wenn  jemand  stirbt,  den  man  so  recht  lieb  hat.  Auf
einigen  Grabhügeln  stehen  Kreuze,  auf  anderen  Denkmäler  mit
Inschriften.  Auch  Blumen  wachsen  auf  den  Gräbern;  sie  nicken
im  Winde,  als  wollten  sie  sagen:  „Schlaft  nur,  ihr  lieben
Menschen;  es  wird  ein  Tag  kommen,  an  welchem  ihr  wieder
aufwacht.  Wir  Blumen  wissen  das.“

109.  Der  lustige  Musikant.

Was  ist  das  für  ein  Musikant?  Er  ist  in  jedem  Dorf  bekannt,
er  hat  ein  graues  Röcklein  an  und  musiziert  so  gut  er  kann.

 

—
        <pb n="42" />
        —  42  —

 

 

Sitzt  morgens  auf  dem  Scheuerdach  und  macht  die  Schläfer
alle  wach,  bläst  unverdrossen  ohne  Ruh'  sein  lustig  Stücklein
immer  zu.

Herr  Spatz,  Herr  Spatz  ist  er  benannt,  der  wohlbekannte
Musikant;  „Zwilch!  Zwilch!“  —  so  lautet  spät  und  früh  die
alte  Spatzenmelodie.  Georg  Christian  Dieffenbach.

110.  Das  Brot  im  Wege.

1.  Im  Weg  das  Krümchen  Brot
tritt  nicht  mit  deinem  Fuß,
weil's  in  des  Hungers  Not
ein  Tierlein  finden  muß.

2.  Leg's  auf  den  Stein  vors  Haus,
und  kannst  du,  brock'  es  klein!
Still  dankt  es  dir  die  Maus
und  still  das  Vögelein.  Friedrich  Güll.

111.  Die  Mühle.

Wenn  ihr  gut  gehen  könnt,  so  wollen  wir  einmal  nach
der  Mühle  wandern.  Zur  Mühle  bringen  die  Leute  das  Korn;
da  wird  es  gemahlen  und  zu  Mehl  gemacht.  Aus  dem  Mehl
bereitet  man  Brot  und  viele  andere  Speisen.  Die  Mühlen
werden  auf  mancherlei  Art  getrieben  oder  in  Bewegung  gesetzt
und  danach  haben  sie  verschiedene  Namen.

Was  ist  eine  Wassermühle,  Windmühle,  Roßmühle,  Dampfmühle,
  Handmühle?

Die  Mühlen  werden  zu  mancherlei  Dingen  gebraucht,  und
danach  erhalten  sie  wieder  andere  Namen.

Was  isteine  Kornmühle,  Olmühle,  Sägemühle,  Papiermühle?

112.  Die  Windmühle.

1.  Die  Mühle  dreht  die  Flügel  dort  droben  auf  dem  Hügel,
  der  Müller  sieht  zum  Fenster  naus  und  schauet  nach  dem
Winde  aus.  „Ich  dreh'  mich  nach  dem  Winde.“
        <pb n="43" />
        —  43  —

 

 

 

2.  Stets  nach  des  Wind's  Belieben  muß  ich  die  Mühle
schieben;  's  ist  freilich  oft  für  mich  Verdruß,  daß  ich  vom
Winde  leben  muß.  „Ich  dreh'  mich  nach  dem  Winde.“

3.  Der  Wind  und  auch  das  Glücke,  sie  haben  ihre  Tücke.
Der  Müller  und  der  Hahn  am  Dach,  sie  thuen  beid'’  dieselbe

Sach':  „Sie  drehn  sich  nach  dem  Winde."“
Rudolf  Löwenstein.  (Gekürzt.)

113.  Die  Sonne  geht  zur  Ruh.

Die  Sonne  geht  zur  Ruh',  vom  Felde  kommt  die  Kuh
und  auch  die  Schäflein  allzumal;  sie  freun  sich  schon  auf  ihren
Stall.  Im  Baum,  da  fingt  kein  Vogel  mehr;  die  dunkle  Nacht
zieht  schnell  daher.  Bald  wird  der  Mond  am  Himmel  stehn;
ich  denk',  §  ist  Zeit,  zu  Bett  zu  gehn.  Im  Bett,  da  schläft
sich's  schön.  Gute  Nacht!  Auf  Wiedersehn!

114.  Kinder,  nehmt  keine  Vogelnester  aus!

Ein  freundliches  Dörflein  war  von  einem  ganzen  Wald

fruchtbarer  Bäaume  umgeben.  Die  Bäume  blühten  und  dufteten
im  Frühling  auf  das  lieblichste.  Auf  ihren  Asten  und  in  den
Hecken  umher  nisteten  und  sangen  allerlei  muntere  Vögelein.
Im  Herbst  aber  waren  die  Zweige  mit  Apfeln,  Birnen  und
Ppflaumen  beladen.
3  Da  fingen  einige  böse  Knaben  an,  die  Nester  der  Vögel
auszunehmen.  Die  Vögel  zogen  deshalb  nach  und  nach  aus  dem
Orte  ganz  hinweg.  Man  hörte  da  an  dem  schönsten  Frühlingsmorgen
  kein  Vögelein  mehr  singen,  und  in  den  Gärten  war  es
ganz  still  und  traurig.  Die  Raupen,  die  sonst  von  den  Vögeln
verzehrt  wurden,  nahmen  bald  überhand  und  fraßen  Blätter
und  Blüten  ab.  Die  Bäume  standen  ganz  kahl  da,  wie  mitten
  im  Winter,  und  die  bösen  Buben,  die  sonst  so  köstliches  Obst
hatten,  bekamen  nicht  einmal  ein  Apfelein  mehr  zu  sehen.
        <pb n="44" />
        —  44  —

 

 

VII.  Das  Feld.

115.  Das  Feld.

Auf  dem  Felde  baut  man  Getreide  und  andere  Früchte
für  Menschen  und  Tiere.  Dergleichen  Getreidearten  und  Früchte
sind:  Weizen,  Roggen,  Gerste,  Hafer,  Hirse  —  Kartoffeln,
Möhren,  Rüben,  Erbsen,  Linsen  und  Wicken.  Ehe  man  säet
und  pflanzt,  wird  das  Feld  gedüngt,  gepflügt  oder  gegraben
und  geeggt.  Das  Getreide  wird  entweder  vor  dem  Winter
gesäet  und  heißt  dann  Wintergetreide,  oder  im  Frühling  und
heißt  dann  Sommerfrucht.  Auf  dem  Felde  giebt  es  auch  Blu—.
men,  als  die  blaue  Kornblume,  den  roten  Mohn  und  den  gel—
ben  Hederich.  Auch  Tiere  trifft  man  dort,  besonders  Hasen,
Rebhühner,  Wachteln,  Lerchen;  Frösche,  Kröten,  Käfer  und
Schmetterlinge.

116.  Das  Samenkorn.

Wer  merkt's  am  Samenkorn  so  klein,  daß  drin  ein  Leben
könnte  sein?  Kaum  hab'  ich's  in  das  Land  gesteckt,  da  ist  auch
seine  Kraft  erweckt,  da  dringt  es  aus  der  Erde  vor,  da  steigt
es  in  der  Luft  empor.  Es  treibt  und  wächst  und  grünt  und

blüht;  da  lobt  den  Schöpfer,  wer  es  sieht.
Wilhelm  Hey.

117.  Lied  der  Landleute  zur  Saatzeit.

Wir  pflügen  und  wir  streuen
den  Samen  auf  das  Land;
doch  Wachstum  und  Gedeihen
steht  in  des  Höchsten  Hand.

Er  sendet  Tau  und  Regen
Und  Sonn=  und  Mondenschein;
von  ihm  kommt  aller  Segen,

von  unserm  Gott  allein.
Matthias  Claudius.  (Gekürzt.)
        <pb n="45" />
        —  45  —

 

 

 

 

118.  Der  Bauer  und  sein  Sohn.

Der  Bauer  steht  vor  seinem  Feld  und  zieht  die  Stirne
kraus  in  Falten:  „Ich  hab'  den  Acker  wohl  bestellt,  auf  reine
Aussaat  streng  gehalten;  nun  seh'  mir  eins  das  Unkraut  an!
Das  hat  der  böse  Feind  gethan.“

Da  kommt  sein  Knabe  hochbeglückt,  mit  bunten  Blüten  reich
beladen;  im  Felde  hat  er  sie  gepflückt.  Kornblumen  sind  es,
Mohn  und  Raden.  Er  jauchzt:  „Sieh',  Vater,  nur  die  Pracht!

Die  hat  der  liebe  Gott  gemacht.“

119.  Rätsel.

Es  ist  ein  kleiner  Soldat,  der  ein  giftig  Spießlein  hat.
Täglich  zieht  er  mit  Gesang  ins  Feld,  nur  im  Winter  bleibet
er  im  Zelt.  Er  erobert  ohne  Zahl  die  schönsten  Schlösser  zu
Berg  und  Thal.  Er  dringt  in  ihre  Keller  ein  und  trinkt  aus
goldenen  Becherlein  immer  neuen,  süßen  Wein.

Julius  Sturm.

A.  Keller.

120.  Sei  bescheiden.

1.  Brichst  du  Blumen,  sei  be-2.  Nimm  ein  paar  und  laß  die
scheiden,  andern
nimm  nicht  gar  so  viele  fort,  in  dem  Grase,  an  dem  Strauch.
sieh',  die  Blumen  müssen's  leiden,  And're,  die  vorüber  wandern,
zieren  sie  auch  ihren  Ort.  freu'n  sich  an  den  Blumen  auch.
3.  Nach  dir  kommt  vielleicht  ein  müder
Wand'rer,  der  des  Weges  zieht
trüben  Sinn's  —  der  freut  sich  wieder,
wenn  er  auch  ein  Blümlein  sieht.

 

J.  Trojan.
121.  Regen!  Regen!

1.  Regen,  Regen,  2.  Regen,  Regen,
Himmelssegen!  Himmelssegen!

bring  uns  Kühle,  lösch  den  Staub  labe  meine  Blümelein,

und  erquicke  Halm  und  Laub!  daß  sie  blüh'n  im  Sonnenschein!
        <pb n="46" />
        —  46  —

 

 

3.  Regen,  Regen,
Himmelssegen!
nimm  dich  auch  des  Bächleins  an,

daß  es  wieder  rauschen  kann!
Hoffmann  von  Fallersleben.

122.  Der  Regenwurm.

Der  Regenwurm  hat  einen  spannenlangen,  weichen  Kör—
per.  Derselbe  ist  rund  und  hinten  und  vorn  zugespitzt.  Seine
Farbe  ist  fleischrot.  Der  Kopf  läßt  sich  nicht  deutlich  erkennen.
Der  Leib  besteht  aus  einzelnen  Ringen.  Die  Füße  fehlen.  Der
Regenwurm  kann  sich  nur  durch  das  Ausdehnen  und  Zusammen—
ziehen  seines  Körpers  bewegen.  Er  lebt  in  feuchter  Erde.  Nachts
kriecht  er  hervor.  Er  frißt  verfaulte  Blätter  und  zarte  Würzel—
chen.  Wird  der  Regenwurm  quer  durchgeschnitten,  so  lebt  die
vordere  Hälfte  fort,  die  hintere  dagegen  stirbt.  Die  Regenwürmer
  vermehren  sich  sehr  stark  und  zwar  durch  Eier,  die  sie
in  Klümpchen  legen.

123.  Jockel.

1.  Es  schickt  der  Herr  den  Jockel  aus,  er  soll  den  Hafer
schneiden;  der  Jockel  schneid't  den  Hafer  nicht  und  kommt  auch
nicht  nach  Haus.

2.  Da  schickt  der  Herr  den  Pudel  aus,  er  soll  den  Jockel
beißen.  Der  Pudel  beißt  den  Jockel  nicht,  der  Jockel  schneid't
den  Hafer  nicht  und  kommt  auch  nicht  nach  Haus.

3.  Da  schickt  der  Herr  den  Prügel  aus,  er  soll  den  Pudel
schlagen;  der  Prügel  schlägt  den  Pudel  nicht,  der  Pudel  beißt
den  Jockel  nicht,  der  Jockel  schneid't  den  Hafer  nicht  und  kommt
auch  nicht  nach  Haus.

4.  Da  geht  der  Herre  selbst  hinaus  und  macht  gar  bald
ein  End’  daraus.  Der  Prügel  schlägt  den  Pudel  nun,  der
Pudel  beißt  den  Jockel  nun,  der  Jockel  schneid't  den  Hafer

nun  und  kommt  sofort  nach  Haus.
Volkslied.
        <pb n="47" />
        —  47  —

 

 

 

124.  Der  gute  Mäher.

 

Früh  ging  ein  Mäher  mähen  ins  Feld  den  reifen  Klee.
Da  schnitt  er  mit  der  Sense  hart  an  ein  Nest  —  o  weh!

Drin  lagen  sieben  Vögllein;  sie  lagen  nackt  und  bloß.  O
könntet  ihr  schon  fliegen;  o  wäret  ihr  schon  groß!

Dem  Mäher  that's  so  wehe;  er  sann  wohl  her  und  hin.
Da  kam  dem  guten  Mäher  noch  Hoffnung  in  den  Sinn.

Er  mähete  bedächtig  weit  um  die  Stelle  her  und  trug  den
Klee  von  dannen  und  störte  da  nicht  mehr.

Die  alten  Vögel  flogen  nun  wacker  ab  und  zu.  Sie  fütterten
  die  Jungen  in  ungestörter  Ruh.

Bald  wuchsen  ihre  Flügel;  sie  flogen  froh  davon.  Der
Mäher  aber  fühlte  im  Herzen  süßen  Lohn.

Kaup.

125.  Was  ist  das?

Vom  Felde  kommt's  in  die  Scheune,  vom  Flegel  dann
zwischen  zwei  Steine,  aus  dem  Wasser  endlich  in  große  GElut,
dem  Hungrigen  schmeckt  es  allzeit  gut.

126.  Das  Korn.

Der  Bauer  baut  mit  Müh'  und  Not
das  Korn  für  unser  täglich  Brot.
        <pb n="48" />
        —  48  —

 

 

Zum  Müller  wird  das  Korn  gebracht
und  feines  Mehl  daraus  gemacht.

Der  Bäcker  nimmt  das  Mehl  ins  Haus
und  bäckt  im  Ofen  Brot  daraus.

Die  Mutter  streicht  noch  Butter  drauf,
und  wir?  —  Wir  essen  alles  auf.

127.  Roggen,  Weizen,  Gerste,  Hafer.

Der  Roggen  nähret  uns  als  Brot
und  schützet  uns  vor  Hungersnot.

Vom  Weizen  giebt  es  weiße  Wecken,
die  Kindern  ganz  vortrefflich  schmecken.

Und  Gräupchen,  Blinzen,  Kloß  und  Bier,
sie  alle  giebt  die  Gerste  dir.

Den  Pferden  aber  will  vor  allen
allein  der  Hafer  wohlgefallen.
Ernst  Lausch.

128.  Das  Schäfschen.

Das  Schäfchen  auf  der  Weide  hat  Wolle,  weich  wie  Seide,
und  um  den  Hals  ein  rotes  Band,  frißt  Bröckchen  aus  der
Kinder  Hand.

Hoppl  kann  das  Schäschen  springen!  Am  Hals  die  Glöcklein
  klingen;  die  Mutter  hing  mit  eigner  Hand  die  Glöckchen
an  das  rote  Band.

Blä,  bläl  schreit  es  vor  Freude,  thut  niemand  was  zu
leide,  es  ist  so  sanft;  es  ist  so  fromm;  komm  laß  dich  streicheln,
Schäfchen,  komm'!

Karl  Hahn.
129.  Das  Lämmchen.

Ein  junges  Lämmchen,  weiß  wie  Schnee,  ging  einst  mit
auf  die  Weide;  mutwillig  sprang  es  in  dem  Klee  mit  ausgelassner
  Freude.
        <pb n="49" />
        Hopp,  hopp,  ging's  über  Stock  und  Stein  mit  unvorsicht'—
gem  Springen.  Kind,  rief  die  Mutter,  Kind,  halt'  ein!  Es
möchte  dir  mißlingen.

Allein  das  Lämmchen  hüpfte  fort,  bergauf,  bergab,  in
Freuden;  doch  endlich  mußt's  am  Hügel  dort  für  seinen  Leicht—
sinn  leiden.

Am  Hügel  lag  ein  großer  Stein,  den  wollt'  es  überspringen.
  Seht  da!  Es  springt  und  —  bricht  ein  Bein;  aus  war
nun  Lust  und  Springen!

O  liebe,  muntre  Kinder,  schreibt  dies  tief  in  eure  Herzen:
„Die  Freuden,  die  man  übertreibt,  verwandeln  sich  in  Schmerzen.“

Friedrich  Justin  Bertuch.

130.  Gottes  Fürsorge  im  Kleinen.

Das  Lämmchen  geht  zur  Weide.
Von  seinem  Wollenkleide
zupft  ihm  ein  wenig  ab  der  Strauch;
den  kleinen  Zoll  spürts  Lämmchen  kaum,
das  Vöglein  aber  sieht's  vom  Baum,
denkt:  das  ists  grade,  was  ich  brauch'  —
und  fliegt  herab  vom  Baum  sogleich
und  nimmt  die  Wolle,  so  warm  und  weich,
und  baut  sich  still  sein  Nestchen  draus
und  drinnen  brütet’s  die  Jungen  aus.

A.  Zangerle.

131.  Kind  und  Kuckuck.

Mag  heute  nicht  in  die  Schule  hinein,  kann  hier  draußen
viel  lustiger  sein,  muß  da  still  sitzen  und  stumm,  hier  hüpf  ich
munter  im  Grase  herum!

So  sagt  das  drollige  Bübchen  dort,  will  eben  die  Bücher
werfen  fort.  Da  ruft  der  Kuckuck  vom  Baume  ihm  zu:  #hu
das  nicht,  mein  lieber  Junge  dul

 

 

 

II.  4
        <pb n="50" />
        —  50  —

 

Ich  wollte  auch  nicht  fleißig  sein,  nun  muß  ich  immer
dasselbe  schrei'n.  Geh'  gern  in  die  Schule  und  werde  du  klug;
zum  Hüpfen  und  Spielen  hast  Zeit  genug!

 

Emilie  Feige.

132.  Der  Jäger  und  der  Fuchs.
Der  Jäger  pirscht  mit  seiner  Büchs',
da  schleichen  übers  Feld  die  Füchs'.
Er  fackelt  nicht  und  spannt  den  Hahn
und  legt  die  Büchse  sicher  an.
Piff,  paff!  da  prasseln  hin  die  Schrot
und  bauz!  —  der  alte  Fuchs  ist  tot!

Der  Jäger  spricht:  „He,  Feldmann,  flugs,
und  apportiere  mir  den  Fuchs!“

Der  Feldmann  sucht  mit  seiner  Schnauze
und  hat  ihn  schon,  den  alten  Kauz.

„Du  hast  gerupft  so  manche  Gans,
jetzt  zaust  man  dich  bei  deinem  Schwanz.

Du  hast  geschüttelt  manchen  Hahn,
jetzt  packt  man  dich  beim  Kragen  an.

Du  hast  gefressen  manche  Taube,
jetzt  sitzen  wir  dir  auf  der  Haube!“

So  schleppt  ihn  Feldmann  hin  zum  Herrn,
der  streichelt  ihn  und  hat  ihn  gern,

und  sagt:  „So,  Feldmann,  das  war  gut!“
geht  weiter  dann  mit  frohem  Mut.

Er  steckt  den  Fuchs  nun  in  den  Sack

und  schmaucht  ein  Pfeischen  Rauchtabak.
Friedrich  Güll.
        <pb n="51" />
        —  51  —

 

 

 

133.  Häslein  im  Mondenschein.

Als  der  Mond  schien  helle,  kam  ein  Häslein  schnelle,  suchte
sich  sein  Abendbrot.  Hu!  ein  Jäger  schoß  mit  Schrot.

Traf  nicht  flinkes  Häslein.  Wehl  er  sucht  im  Täschlein,
ladet  Blei  und  Pulver  ein,  Häslein  soll  des  Todes  sein.

Häslein  läuft  voll  Schrecken  hinter  grüne  Hecken,  spricht
zum  Mond:  „Lösch’  aus  dein  Licht,  daß  mich  sieht  der  Jäger
nicht.“

Und  der  Mond,  der  helle,  zog  die  Wolken  schnelle,  groß
und  klein  vor  sein  Gesicht:  ward  zur  Finsternis  das  Licht.

Häslein  ist  geborgen,  schlummert  bis  zum  Morgen,  und
als  es  vom  Schlaf  erwacht,  hat's  den  Schützen  ausgelacht.

C.  W.  Rüdiger.

134.  Das  Kaninchen  und  der  Fuchs.

1.  Lauf,  kleines  Kaninchen,  lauf  doch  schnell,  sonst  hat
der  schlaue  Fuchs  dich  beim  Fell!

2.  Kaninchen  rettet  bei  Zeiten  sich  noch,  erreicht  zum
Glück  jetzt  eben  sein  Loch.

3.  Fuchs  hatte  wohl  einen  Satz  genommen;  doch  war  er
diesmal  zu  spät  gekommen.

4.  „Hoh!“  denkt  er,  „ich  hasche  den  Braten  wohl,  wenn
auch  ein  Weilchen  ich  warten  soll.“

5.  Nun  liegt  der  Dieb  dicht  vor  der  Thür;  bald  aber
bemerkt  ihn  der  Jäger  hier.

6.  Der  schleicht  sich  heran  und  schießt  ihn  tot,  da  war
mein  Kaninchen  aus  aller  Not.

Willst  du,  daß  man  dir  nichts  thu,
so  laß  andere  auch  in  Ruh.

 

 

4
        <pb n="52" />
        —  52  —

VIII.  Auf  der  Wiese.

—

135.  Spruch.

Das  kleinste  Wiesenblümchen  spricht:

„Vergiß  des  lieben  Gottes  nicht!“
Volksmund.

136.  Vergißmeinnicht-Name.

Als  Gott  der  Herr  Himmel  und  Erde  erschaffen  hatte  und
alles,  was  auf  der  Erde  ist,  gab  er  den  Pflanzen  ihre  Namen
und  befahl,  die  Namen  wohl  zu  behalten.  Ein  Blümlein  aber,

blau  von  Farbe,  wie  der  wolkenlose  Himmel,  kam  bald  darauf

zurück  zu  dem  Schöpfer.  Mit  einer  Thräne  im  Auge  sagte  es
klagend:  „Herr,  ich  habe  im  Geräusch  der  Menge  meinen  Namen

vergessen.  Wie  hast  du  mich  genannt?"  Und  der  Herr  sprach:

Vergiß-mein-nicht!  —
Als  das  Blümlein  der  Rede  nachdachte,  zog  es  sich  zurück

an  den  stillen  Bach  in  die  Einsamkeit.  Da  glänzen  bis  auf

diesen  Tag  die  blauen  Auglein  der  Pflanze  mit  den  goldenen

Sternen  in  der  Mitte.  Wenn  aber  jemand  das  Blümlein  sucht

selbe  zu:  Vergiß-mein-nicht!

 

 

und  pflückt,  so  ruft  ihm  noch  heute  der  liebe  Gott  durch  das-Carmar.



137.  Vergißmeinnicht.
Wie  heißt  dies  Blümlein  hier?  Ich  fand's  im  tiefen  Thal,

im  goldnen  Sonnenstrahl,  ich  bitte,  nenn'  es  mir!  —  Die
Mutter  mit  Bedeutung  spricht:  Das  Blümchen  heißt  „Vergifmeinnicht“.


Mit  seiner  blauen  Kron’  und  goldnen  Sternlein  drin
deutets  zum  Himmel  hin,  zu  Gottes  Strahlenthron.  Weißt  du,
was  Gott  durchs  Blümlein  spricht?  „Vergiß  mein  nicht!  Vergiß
  mein  nicht!“  Heinrich  Hoffmann  von  Fallersleben.

—  —
        <pb n="53" />
        —  53  —

 

 

 

#

 

Dieses  schöne  Blümchen  wird  auch  Maßliebchen  genannt.
Es  blüht  fast  das  ganze  Jahr  hindurch  auf  Wiesen  und  Grasplätzen.
  Seine  weißen  Blumenblättchen  haben  rote  Spitzen.
Man  nennt  dieses  Blümchen  Gänseblümchen,  weil  seine  Blätter
von  den  Gänsen  gern  gefressen  werden.  Das  Maßliebchen  wird
auch  oft  in  Gärten  gezogen.  Dann  ist  es  schöner  und  größer
als  das,  welches  auf  den  Grasplätzen  wächst.

139.  Der  Tau.

Der  Tau,  der  früh  im  Grase  lag,
verschwunden  ist  er  all  am  Tag;
wo  ist  er  hingekommen?

Die  Blümlein  tranken  all  davon,
was  übrig  blieb,  das  hat  die  Sonn'

am  Morgen  mitgenommen.
Adolf  Schults.

140.  Die  Schnecke.

Die  Schnecke  hat  einen  weichen,  fleischigen  Körper,  der
mit  Schleim  bedeckt  ist.  Der  Kopf  trägt  zwei  lange  und  zwei
kurze  Fühler.  Die  beiden  Augen  stehen  an  der  Spitze  der
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        größeren  Fühler.  Sie  hat  keine  Füße.  Die  graue  Schnecke
trägt  ein  hartes  Gehäuse,  in  welchem  sie  sich  ganz  verbergen
kann.  Die  Schnecke  ist  an  dem  Gehäuse  festgewachsen.  Im
Winter  verschließt  sie  es  mit  einem  Deckel.  Die  Wegschnecke
hat  kein  Haus.

141.  Der  Widerhall.

Der  kleine  Georg  wußte  noch  nichts  von  dem  Widerhalle,
dem  Echo.  Einmal  schrie  er  auf  der  Wiese:  „Ho,  hopp!“  So—
gleich  rief's  im  nahen  Wäldchen  auch:  „Ho,  hopp!“  Hierauf
rief  er  verwundert:  „Wer  bist  du?“  Da  rief  die  Stimme  auch:
„Wer  bist  du?“  Er  schrie:  „Du  bist  ein  dummer  Junge!“  und
„dummer  Junge!“  hallte  es  aus  dem  Walde  zurück!

Georg  ward  ärgerlich  und  rief  immer  ärgere  Schimpfnamen
  in  den  Wald  hinein.  Alle  hallten  getreulich  wieder  zurück.
Er  suchte  hierauf  den  vermeinten  Knaben  im  ganzen  Wäldchen,
um  sich  an  ihm  zu  rächen,  konnte  aber  niemand  finden.

Hierauf  lief  der  Knabe  nach  Hause  und  klagte  es  der
Mutter,  wie  ein  böser  Bube  sich  im  Walde  versteckt  und  ihn
geschimpft  habe.

Die  Mutter  sprach:  „Diesmal  hast  du  dich  selbst  angeklagt.
Du  hast  nichts  vernommen,  als  den  Widerhall  deiner  eigenen
Worte.  Hättest  du  ein  freundliches  Wort  in  den  Wald  hineingerufen,

  so  wäre  dir  auch  ein  freundliches  zurückgekommen."
Christoph  von  Schmid.

 

IX.  Im  Walde.

142.  Die  grüne  Stadt.

Ich  kenne  eine  schöne  Stadt,
die  lauter  grüne  Häuser  hat.
Die  Häuser  sind  bald  groß,  bald  klein;
wer  will,  kann  in  die  Stadt  hinein.

 

 

—.  —
        <pb n="55" />
        —  55  —

 

 

 

Die  Straßen  zwar  sind  alle  krumm,
sie  führen  hier  und  dort  herum;
doch  stets  gerade  fortzugeh'n,
das  findet  auch  wohl  niemand  schön.

Die  Wege  all'  sind  weit  und  breit
mit  bunten  Blumen  überstreut;
das  Pflaster  auch  ist  sanft  und  weich
und  seine  Farb’  den  Häusern  gleich.

Es  wohnen  viele  Leute  dort,
und  alle  lieben  ihren  Ort.
Ganz  deutlich  sieht  man  dies  daraus,
daß  jeder  singt  in  seinem  Haus.

Die  Leute  drin  sind  alle  klein,
denn  es  sind  lauter  Vögelein.
Und  meine  schöne,  grüne  Stadt

ist,  was  den  Namen  „Wald“  sonst  hat.
Ernst  Ortlepp.

143.  Waldvöglein.

Ich  geh’'  durch  einen  grasgrünen  Wald
und  hör  die  Vögelein  singen;
sie  singen  so  jung,  sie  singen  so  alt,
die  kleinen  Vögelein  in  dem  Wald.
Wie  gern  hör  ich  sie  singen.

144.  Vom  listigen  Grasmücklein  ein  lustiges  Stücklein.

Klaus  ist  in  den  Wald  gegangen,
weil  er  will  die  Vögel  fangen.

Auf  den  Busch  ist  er  gestiegen,
weil  er  will  die  Vöglein  kriegen.

Aber  's  Vögelein,  das  alte,
schaut  vom  Nestlein  durch  die  Spalte,
        <pb n="56" />
        —  56  —

 

 

schaut  und  zwitschert:  „Ei,  der  Daus!
Kinderlein,  es  kommt  der  Klaus.“  —

Brr!  Da  flattert's:  husch,  husch,  husch!
Leer  ist  Nest  und  leer  ist  Busch.

Und  die  Vögel  lachen  Klaus
mit  dem  großen  Prügel  aus,

daß  er  wieder  heimgegangen,
zornig,  weil  er  nichts  gefangen;
daß  er  wieder  heimgestiegen,
weil  er  konnt  kein  Vöglein  kriegen.
Friedrich  Güll.

145.  Kletterbüblein.

Steigt  das  Büblein  auf  den  Baum,  o  so  hoch,  man  sieht
es  kaum,  schlüpft  von  Ast  zu  Astchen,  hüpft  zum  Vogelnestchen.

Eil  da  lacht  es.  —  Heil  da  kracht  es.  —  Plumps!  da  liegt
es  unten.

 

 

Friedrich  Güll.

146.  Gefunden.

Ich  ging  im  Walde  so  für  mich  hin,
und  nichts  zu  suchen,  das  war  mein  Sinn.

Im  Schatten  sah  ich  ein  Blümchen  stehn,
wie  Sterne  leuchtend,  wie  Auglein  schön.

Ich  wollt  es  brechen,  da  sagt’  es  fein:
„Soll  ich  zum  Welken  gebrochen  sein?"

Ich  grub's  mit  allen  den  Würzlein  aus;
zum  Garten  trug  ich's  am  hübschen  Haus.

Und  pflanzt  es  wieder  am  stillen  Ort;

nun  zweigt  es  immer  und  blüht  so  fort.
Johann  Wolfgang  von  Geoethe.
        <pb n="57" />
        —  57  —

 

 

 

147.  Heidenröslein.
1.  Sah  ein  Knab'  ein  Röslein  stehn,  Röslein  auf  der

Heiden,  war  so  jung  und  morgenschön,  lief  er  schnell  es  nah
zu  sehn,  sah's  mit  vielen  Freuden.  Röslein,  Röslein,  Röslein

rot,  Röslein  auf  der  Heiden!

2.  Knabe  sprach:  „Ich  breche  dich,  Röslein  auf  der  Hei—
den!“  Röslein  sprach:  „Ich  steche  dich,  daß  du  ewig  denkst  an
mich,  und  ich  will's  nicht  leiden."“  Röslein,  Röslein,  Röslein
  rot,  Röslein  auf  der  Heiden!

3.  Und  der  wilde  Knabe  brach  's  Röslein  auf  der  Heiden;
Röslein  wehrte  sich  und  stach,  half  ihm  doch  kein  Weh  und  Ach,
mußt  es  eben  leiden.  Röslein,  Röslein,  Röslein  rot,  Röslein

  auf  der  Heiden!
Johann  Wolfgang  von  Goethe.

148.  Die  Heidelbeeren.

Die  Heidel=  oder  Blaubeeren  wachsen  an  niedrigen  Sträuchern.
  Diese  haben  glatte  Blätter,  welche  länglichrund  sind.
Die  Beeren  sind  so  groß  wie  Erbsen  und  dunkelblau.  Daher
heißen  sie  Blaubeeren.  In  Wäldern  und  Heiden  sind  von  den
Sträuchern  oft  große  Strecken  bedeckt  und  in  fruchtbaren  Jahren
  mit  blauen  Beeren  wie  besäet.

149.  Naschhaftigkeit.

Der  kleine  Leopold  fand  im  Walde  einen  Strauch  mit
schönen  Beeren.  Geschwind  pflückte  er  eine  Beere  ab  und  aß
sie.  Da  sie  süßlich  schmeckte,  aß  er  noch  mehrere.  Kaum  aber

 

 

f

 

war  er  nach  Hause  gekommen,  so  fühlte  er  sich  unwohl  und

klagte  über  heftige  Schmerzen  im  Leibe.  Da  er  aufrichtig

sagte,  was  er  gegessen  hatte,  vermutete  die  Mutter,  daß  er
Giftbeeren  gegessen  habe.  Sie  bereitete  ihm  alsbald  ein  Ge—
tränk,  das  heftiges  Erbrechen  hervorbrachte.

Obgleich  Leopold  vom  Tode  gerettet  war,  erhielt  er  doch
erst  nach  längerer  Zeit  seine  frühere  Gesundheit  wieder.
        <pb n="58" />
        —  58  —

 

 

Iß  lnicht,  was  du  nicht  kennst,  wenn's  noch  so  süß  auch
schmeckt,  weil  oft  der  bitt're  Tod  in  süßen  Dingen  steckt!

150.  Die  Pilze  oder  Schwämme.

 

 

Die  Pilze  oder  Schwämme  gehören  auch  zu  den  Pflanzen.
Sie  sind  von  den  übrigen  Pflanzen  aber  sehr  verschieden  und
bestehen  aus  einem  fleischigen  oder  lederartigen  Stoffe.  Man
kann  an  ihnen  weder  Blätter,  Blüten,  noch  Früchte  bemerken.
Auch  das  schöne  Grün,  welches  wir  an  Bäumen,  Sträuchern,
Kräutern,  Gräsern  und  Moosen  wahrnehmen,  fehlt  ihnen.  Sie
entstehen  aus  verfaulten,  tierischen  und  Pflanzenstoffen;  denn
überall,  wo  Pflanzen  absterben  und  faulen,  wo  tote  Tierkörper
in  Verwesung  übergegangen  sind,  fieht  man  Schwämme  her—
vorwachsen.  Es  giebt  viele  Arten  Pilze;  alle  lieben  den  Schatten
und  die  Feuchtigkeit.

151.  Das  Männlein  im  Walde.

Ein  Männlein  steht  im  Walde  ganz  still  und  stumm,  es
hat  von  lauter  Purpur  ein  Mäntlein  um.  Sagt!  wer  mag
        <pb n="59" />
        —  59  —

 

das  Männlein  sein,  das  da  steht  im  Wald  allein  mit  dem
purpurroten  Mäntelein?

Das  Männlein  steht  im  Walde  auf  einem  Bein  und  hat
auf  seinem  Haupte  schwarz  Käpplein  klein.  Sagt!  wer  mag
das  Mäannlein  sein,  das  da  steht  im  Wald  allein  mit  dem
kleinen  schwarzen  Käppelein?

(Das  Männlein  dort  auf  einem  Bein  mit  seinem  roten
Mäntelein  und  seinem  schwarzen  Käppelein,  kann  nur  die
Hagebutte  sein!)

 

 

Heinrich  Hoffmann  von  Fallersleben.

152.  Der  Tannenbaum.

1

1.  O  Tannenbaum,  o  Tannenbaum,  wie  treu  sind  deine
Blätter!  Du  grünst  nicht  nur  zur  Sommerzeit,  nein,  auch  im
Winter,  wenn  es  schneit.

2.  O  Tannenbaum,  o  Tannenbaum,  du  kannst  mir  sehr
gefallen!  Wie  oft  hat  schon  zur  Weihnachtszeit  ein  Baum  von
dir  mich  hoch  erfreut!

3.  O  Tannenbaum,  o  Tannenbaum,  dein  Kleid  will  mich
was  lehren:  die  Hoffnung  und  Beständigkeit  giebt  Trost  und
Kraft  zu  jeder  Zeit!

 

Ernst  Anschütz.

153.  Die  Axt.

Du  schöner,  hoher  Fichtenbaum,
mußt  fort  aus  grünem  Waldesraum!
Schon  ist  der  Zimmermann  gekommen
und  hat  auch  dir  das  Maß  genommen,
zu  bauen  draus  ein  stattlich  Haus.
Nun  sendet  er  die  Axt  hinaus.
Schon  hör  ich  ihre  Hiebe  schallen;
bald  wirst  du  unter  ihnen  fallen.
Es  thut  dir  weh;  doch  trag's  in  Ruh:
Du  warst  nur  schön;  jetzt  nützest  du!
        <pb n="60" />
        —  60  —

 

 

 

 

 

154.  Der  Fuchs  und  das  Rotkehlchen.

Der  Fuchs  fragte  das  Rotkehlchen:  „Was  thust  du,  wenn
der  Wind  rechts  herkommt?“  Da  steckte  das  Vögelchen  seinen
Kopf  unter  den  linken  Flügel.  „Und  was,  wenn  er  links  her—
weht?“  Da  steckte  es  das  Köpfchen  unter  den  rechten  Flügel.
„Und  was,  wenn  er  von  vorne  herpfeift?“  Da  steckte  es  das
Köpfchen  unter  die  Brust.  Der  Fuchs  packte  es  nun  und  fraß

es,  denn  es  sah  nicht.
Anton  Berlinger.

155.  Der  Gänsedieb.

Fuchs,  du  hast  die  Gans  gestohlen;  gieb  sie  wieder  her!
sonst  wird  sie  der  Jäger  holen  mit  dem  Schießgewehr.

Seine  große,  lange  Flinte  schießt  auf  dich  den  Schrot,
daß  dich  färbt  die  rote  Tinte  und  du  bist  dann  tot.

Liebes  Füchslein,  laß  dir  raten;  sei  doch  nur  kein  Dieb!
Nimm,  du  brauchst  nicht  Gänsebraten,  mit  der  Maus  fürlieb!

Ernst  Anschütz.
156.  Der  weiße  Hirsch.

1.  Es  gingen  drei  Jäger  wohl  auf  die  Birsch,  sie  wollten
erjagen  den  weißen  Hirsch.
2.  Sie  legten  sich  unter  den  Tannenbaum,  da  hatten  die
drei  eine  seltsamen  Traum.
(Der  erste:)  „Mir  hat  geträumt,  ich  klopft  auf  den
Busch  da  rauschte  der  Hirsch  heraus,  husch,  husch!“
4.  (Der  zweite:)  „Und  als  er  sprang  mit  der  Hunde  Geklaff,
  da  brannt  ich  ihn  auf  das  Fell,  piff,  paff!"
5.  (Der  dritte:)  „Und  als  ich  den  Hirsch  an  der  Erde  sah,
da  stieß  ich  lustig  ins  Horn,  trara!“
6.  So  lagen  sie  da  und  sprachen  die  drei,  da  rannte  der
weiße  Hirsch  vorbei.
7.  Und  eh'  die  drei  Jäger  ihn  recht  gesehn,  so  war  er
davon  über  Tiefen  und  Höhn.  dusch  husch!  piff,  paff!  trara!

Ludwig  Uhland.
        <pb n="61" />
        X.  Das  Wasser.

157.  Das  Wasser.

Was  sollten  wir  anfangen,  wenn  wir  kein  Wasser  hätten!
Ohne  dasselbe  könnten  wir  gar  nicht  leben,  denn  wir  brauchen
es  zum  Trinken,  zum  Kochen,  zum  Waschen,  zum  Scheuern,
zum  Baden,  zum  Backen,  zum  Färben,  zum  Brauen  des  Bieres.
Das  Wasser  trägt  die  Schiffe  und  treibt  die  Räder  der  Was—
sermühlen.  Im  Wasser  leben  Fische,  Krebse,  Frösche  und  andere
Tiere.  Wasser  gebraucht  man  auch  zum  Löschen  des  Feuers.
Wenn  es  regnet,  so  fallen  Wassertropfen  auf  die  Erde.
Der  Regen  ist  sehr  nötig,  damit  das  Gras,  die  Blumen  und

die  Bäume  wachsen.  Wenn  es  nicht  regnet,  verdorren  die  Pflanzen,

  und  die  Tiere  und  Menschen  leiden  Not.

Im  Winter  gefriert  das  Wasser  zu  Eis.  Dann  eilen  die
Kinder  mit  den  Schlitten  hinaus  und  tummeln  sich  auf  der
festen  Eisdecke  lustig  umher.

158.  Fischlein.
Fischlein!  Fischlein!  du  armer  Wicht,
schnappe  nur  ja  nach  der  Angel  nicht;
geht  dir  so  schnell  zum  Halse  hinein,
reißt  dich  blutig  und  macht  dir  Pein.
Siehst  du  nicht  sitzen  den  Knaben  dort?
Fischlein,  geschwinde  schwimme  fort.

Fischlein  mocht  es  wohl  besser  wissen,
sahe  nur  nach  dem  fetten  Bissen,
meinte,  der  Knabe  mit  seiner  Schnur
wäre  hier  so  zum  Scherze  nur.
Da  schwamm  es  herbei,  da  schnappt'  es  zu.
Nun  zappelst  du,  armes  Fischlein  du.  Wilhelm  Hey.
        <pb n="62" />
        —  62  —

159.  Der  Steg.

Ein  Bächlein  fließt  das  Thal  entlang,  's  Kind  möcht'
hinüber,  es  wird  ihm  bang.  Es  möchte  sich  drüben  die  Blümchen
beseh'n  und  kann  doch  nicht  über  das  Wasser  hingeh'n.  Zum
Gehen  führt  über  das  Wasser  kein  Weg,  da  kommt  gleich  der
Zimmermann,  bauet  den  Steg.  Von  hüben  nach  drüben  's

Kind  gehen  nun  kann;  hab'  Dank,  du  geschickter  Zimmermann!
Friedrich  Fröbel.

160.  Der  habgierige  Hund.

Ein  Hund  hatte  ein  Stück  Fleisch  gefunden  und  lief  damit
üblber  einen  schmalen  Steg.  In  dem  klaren  Wasser  sah  er  sein
Bild  und  meinte,  das  sei  ein  anderer  Hund,  der  habe  auch  ein
Stück  Fleisch  im  Maule.  „Das  willst  du  ihm  nehmen,.“  —
dachte  er.  Und  hastig  schnappte  er  danach.  Da  entfiel  ihm
das  Fleisch,  das  er  hatte,  und  das  er  haben  wollte,  war  auf
einmal  auch  verschwunden.  Da  paßte  auf  den  Hund  das
alte  Sprüchlein:
„Wer  das  Fremde  begehrt,

ist  des  Eig'nen  nicht  wert.“
Martin  Luther.

161.  Die  Brüder.

Einst  fiel  ein  Knäblein  in  den  Bach,  weil  unter  ihm  das
Steglein  brach.  Sein  ält'ster  Bruder  rief  und  schrie  und  sank
vor  Schrecken  auf  die  Knie!  Der  andrre  eilte  fort  nach  Haus
und  rief  die  Mutter  gleich  heraus.  Der  jüngste  sprang  dem
Bruder  nach  und  zog  ihn  mutig  aus  dem  Bach.

Nun  denke  nach  und  sag'’  mir  an,  wer  wohl  am  besten
hat  gethan?

162.  Die  beiden  Ziegen.

Eines  Tages  begegneten  einander  zwei  Ziegen  auf  einer
schmalen  Brücke.  „Geh'  mir  aus  dem  Wege,“  sagte  die  eine.
        <pb n="63" />
        —  63  —

 

 

„Geh'  du  zurück  und  laß  mich  hinüber,“  rief  die  andere.  „Was
fällt  dir  ein?“  schrie  die  erstere.  „Ich  bin  älter  als  du  und  sollte
dir  ausweichen?  Das  thue  ich  nimmer!“  Der  Zank  wurde  immer
heftiger.  Als  sie  endlich  mit  den  Hörnern  gegen  einander  rann—

ten,  stürzten  sie  beide  in  den  Bach  und  retteten  mit  genauer
Not  ihr  Leben.

Jakob  und  Wilhelm  Grimm.  (Gekürzt.)

163.  Untreue.

Eine  Maus  wäre  gern  über  das  Wasser  gewesen  und
konnte  nicht.  Da  bat  sie  einen  Frosch  um  Rat  und  Hilfe.  Der
Frosch  war  ein  Schalk  und  sprach  zur  Maus:  „Binde  deinen
Fuß  an  meinen  Fuß,  so  will  ich  schwimmen  und  dich  hinüber
ziehn.“  Da  sie  aber  aufs  Wasser  kamen,  tauchte  der  Frosch  unter
und  wollte  die  Maus  ertränken.  Indem  nun  aber  die  Maus
sich  wehrt  und  arbeitet,  fliegt  eine  Weihe  daher,  und  erhascht
die  Maus,  ziehet  den  Frosch  mit  heraus  und  frißt  sie  beide.

Merke:  „Untreue  schlägt  seinen  eigenen  Herrn!“  und
„Wer  andern  eine  Grube  gräbt,  fällt  selbst  hinein."
Martin  Luther.

164.  Die  Wasserrose.

Es  spielte  ein  Knäblein  im  blumigen  Klee
am  grünenden  Walde,  am  bläulichen  See.

Und  sieh,  in  den  Binsen  des  Ufers  da  lacht
die  schönste  Seerose  in  goldener  Pracht.

Mein  Knäblein,  das  watet  mit  frevelndem  Mut,
die  Blume  zu  pflücken,  hinein  in  die  Flut.

„Halt!“  rief  ihm  die  Mutter  mit  warnendem  Mund,
„/0,  bleibe  zurücke,  sonst  gehst  du  zu  Grund!“

Das  Knäblein  verachtet  ihr  Warnen  und  Fleh'n,
„ei,“  ruft  es,  „es  wird  mir  sobald  nichts  gescheh'n!“
        <pb n="64" />
        —  64  —

 

 

 

 

Schon  pflückt  es  die  Blume  —  da  sinkt  es  hinab
und  findet  im  Wasser  ein  schauerlich  Grab.

Die  Mutter  erhebet  ein  Jammergeschrei,
es  laufen  die  Kinder  des  Dorfes  herbei.

„O““  ruft  sie,  „o,  ehret  der  Eltern  Gebot,
nicht  folgen  bringt  Kindern  Verderben  und  Tod!

165.  Das  Meer.

Das  Meer  ist  tief,  das  Meer  ist  weit;  doch  gehet  Gottes
Herrlichkeit  noch  tiefer  als  des  Meeres  Grund,  noch  weiter  als
das  Erdenrund.

So  viele  Fischlein  wohnen  drin;  der  Herr  sieht  freundlich
auf  sie  hin,  reicht  allen  ihre  Speise  dar,  führt  ab  und  auf
sie  wunderbar.

So  hoch  die  wilden  Wogen  geh'n,  wenn  er  gebeut,  sie  stille
stehmn!  Da  führet  seine  treue  Hand,  das  Schifflein  hin  ins
fernste  Land.

 

Wilhelm  Hey.

166.  Der  kluge  Star.

Ein  durstiger  Star  wollte  aus  einer  Wasserflasche  trinken.
Er  konnte  aber  das  Wasser  in  der  Flasche  nicht  erreichen,  denn
sein  Schnabel  war  zu  kurz.  Er  hackte  ins  dicke  Glas,  aber  er
konnte  es  nicht  zerbrechen.  Er  stemmte  sich  gegen  die  Flasche
und  wollte  sie  umwerfen;  aber  dazu  war  er  zu  schwach.  Was
sollte  er  nun  machen?  Lange  dachte  er  nach.  Endlich  kam  er
auf  einen  glücklichen  Einfall.  Er  las  Steinchen  zusammen  und
warf  sie  in  die  Flasche.  Dadurch  stieg  das  Wasser  so  hoch,
daß  er  es  erreichen  und  seinen  Durst  löschen  konnte.

Christoph  von  Schmid.
        <pb n="65" />
        —  65  —

 

 

XI.  Luft  und  Himmel.

2

167.  Die  Luft.

Über  der  Erde  ist  Luft.  Die  Luft  kann  man  fühlen.
Wir  atmen  sie  durch  Mund  und  Nase  ein.  Ohne  Luft  können
wir  nicht  leben.  Die  Tiere  und  die  Pflanzen  brauchen  auch
Luft.  Wer  gesund  bleiben  will,  muß  sich  oft  in  freier  Luft
bewegen.  Wir  öffnen  die  Fenster,  damit  wir  auch  in  Stuben
frische  Luft  bekommen.  Wenn  sich  die  Luft  schnell  fortbewegt,
so  entsteht  der  Wind.  Der  Wind  treibt  Windmühlen  und  Schiffe.
In  der  Luft  sehen  wir  oft  Wolken,  Regen,  Schnee,  Hagel  und
Blitz.  Wenn  es  blitzt,  dann  donnert  es  gewöhnlich  auch.

168.  Der  Wind.

Ich  bin  der  Wind  und  komm'’  geschwind;  ich  wehe  durch
den  Wald,  daß  weit  es  wiederhallt.  Bald  säufle  ich  gelind
und  bin  ein  sanftes  Kind,  bald  brauf“  ich  wie  ein  Mann,  den
niemand  fesseln  kann.  Schließt  Thür  und  Fenster  zu,  sonst
habt  ihr  keine  Ruh'.  Ich  bin  der  Wind  und  komm  geschwind.

Franz  Graf  von  Pocci.

169.  Jung  Bäumchen.

1.  Jung  Bäumchen  war  geklammert
an  einen  Pfahl,
darüber  hat  gejammert
es  manchesmal:
O  weh,  die  Weidenschleifen,
mich  unbarmherzig  kneifen,
das  ist  mir  eine  rechte  Qual!

2.  Der  Gärtner  hat  das  Bäumchen
gebunden  los,
da  kam  der  Sturm  gezogen

mit  Schritten  groß.

II.  5
        <pb n="66" />
        —  66  —

 

 

 

 

Ein  jedes  Blättlein  pflückt  er,
und  ab  das  Stämmchen  knickt  er.  —
Nun  ist  der  Jammer  erst  recht  groß.  Friedrich  Güll.

170.  Die  Eiche  und  die  Weide.

Nach  einer  furchtbar  stürmischen  Nacht  ging  ein  Vater  mit
seinem  Sohne  auf  das  Feld  hinaus  um  zu  sehen,  ob  der  Sturm
Schaden  angerichtet  habe.

„Ei,  sieh  doch,  Vater,“  sagte  der  Knabe,  „die  große,  starke
Eiche  liegt  dort  auf  dem  Boden,  und  die  schwache  Weide  hier
am  Bache  steht  noch  schlank  und  aufrecht  da.  Ich  meinte  doch
der  Sturmwind  wäre  mit  der  Weide  leichter  fertig  geworden

als  mit  der  stolzen  Eiche,  die  bisher  jedem  Winde  getrotzt  hat.“
„Kind,“  sprach  der  Vater,  „die  starke  Eiche  mußte  brechen,
weil  sie  sich  nicht  biegen  konnte;  die  geschmeidige  Weide  aber
gab  dem  Sturme  nach  und  so  konnte  er  ihr  nichts  anhaben.“
Mit  Stolz  und  Trotz  bringt  man's  nicht  weit;
viel  besser  ist  Nachgiebigkeit.  Christoph  von  Schmid.

171.  Die  Vöglein  im  Neste.

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Fühlt  ihr  den  Regen,  ihr  Vögelein?  Duckt  geschwinde  die
Köpfchen  ein!  Mütterchen  macht  die  Flügel  breit,  deckt  euch  alle,
        <pb n="67" />
        —  67  —

 

 

so  viel  ihr  seid.  Vöglein,  wie  wohl  ists  euch,  sitzet  so  warm
und  weich.

Merkt's  nur,  ihr  habt  es  gar  zu  gut,  wißt  nicht,  wie
kalter  Regen  thut.  Mütterchen  freilich  wird  sehr  naß,  aber  es
denkt:  Was  thut  mir  das?  Kann  ich  die  Kinder  nur  decken,
soll  mich  kein  Regen  schrecken.

172.  Sonne  und  Regen.

Die  Sonne  sprach:  Ich  will  scheinen  sofort  und  immerfort!
Der  Regen  sprach:  Ich  will  fallen  ohn  End’  an  jedem  Ort!
Die  Sonne:  Du  machst  ja  alles  auf  der  Erde  gar  zu  naß!
Der  Regen:  Du  machst  zu  trocken,  wenn  scheinst  ohn'  Unterlaß!
Die  Sonne:  Ich  mache  fruchtbar,  und  alles  freut  sich  mein!
Der  Regen:  Ich  thue  desgleichen;  dich  mag  man  nicht  allein!

So  haben  sie  lange  gestritten,  doch  wurden  sie  einig  zuletzt:

sie  wollten  mit  einander  wechseln  und  so  ist  es  denn  auch  jetzt.
Karl  Enslin.

173.  Beim  Gewitter.

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Gott  ist  bein  mir.

Er  ist  bei  seinen  Menschenkindern  allen;

es  kann  kein  Haar  von  ihren  Häuptern  fallen,
daß  er's  nicht  weiß!
        <pb n="68" />
        —  68  —

 

 

Mag  es  auch  donnern  oder  blitzen,
er  wird  vor  Unglück  mich  beschützen!
Gott  ist  bei  mir!  »
Karl  Enslin.  (Gekuͤrzt.)

174.  Rätsel.

Vorwärts  —  ström  ich  vom  Himmel  herab,
rückwärts  —  schwarz  wie  Nacht  und  Grab.
Volksmund.

175.  Der  Regenbogen.

Einen  Himmelsbogen!  kommt  und  schaut!
Ihn  hat  der  liebe  Gott  gebaut.

Er  ist  so  rot,  so  blau,  so  schön,

hab’  niemals  solche  Pracht  gesehn!

176.  Rätsel.

Nun,  Kinder,  könnt  ihr  raten  auf  einen  Kameraden,  der,
wo  ihr  geht  und  wo  ihr  steht,  getreulich  immer  mit  euch  geht;
bald  lang  und  schmal,  bald  kurz  und  dick,  doch  bei  euch  jeden
Augenblick,  so  lang  die  Sonn  am  Himmel  scheint;  denn  nur
so,  Kinder,  ists  gemeint!  Wo  weder  Sonne  scheint  noch  Licht,

ist  auch  der  Kamerade  nicht.
Rudolf  Hagenbach.

177.  Der  Mond  als  Schäfer.

Wer  hat  die  schönsten  Schäfchen?  Die  hat  der  gold'ne  Mond,
der  hinter  unsern  Bäumen  am  Himmel  drüben  wohnt.

Er  kommt  am  späten  Abend,  wenn  alles  schlafen  will,
hervor  aus  seinem  Hause  zum  Himmel  leis’  und  still.

Dann  weidet  er  die  Schäfchen  auf  seiner  blauen  Flur;
denn  all  die  weißen  Sterne  sind  seine  Schäfchen  nur.

Sie  thun  sich  nichts  zu  leide,  hat  eins  das  and're  gern,

und  Schwestern  sind  und  Brüder  da  droben  Stern  an  Stern.
Heinrich  Hoffmann  von  Fallersleben.  (Gekürzt.)
        <pb n="69" />
        —  69  —

 

 

 

178.  Die  Sternlein.

1.  Die  Sonne,  sie  machte  den  weiten  Ritt
um  die  Welt,
und  die  Sternlein  sprachen:  „Wir  reisen  mit
um  die  Welt!“
Doch  die  Sonne  schalt  sie:  „Ihr  bleibet  zu  Haus,
sonst  brenn'  ich  die  goldenen  Augen  euch  aus
bei  dem  feurigen  Ritt  um  die  Welt.“

2.  Die  Sternlein  gingen  zum  lieben  Mond
in  der  Nacht
und  sprachen:  „Du,  der  auf  Wolken  thront
in  der  Nacht,
laß  uns  wandeln  mit  dir,  denn  dein  milder  Schein
verbrennt  uns  nimmer  die  Augelein.“

Und  er  nahm  sie  mit  in  der  Nacht.
Ernst  Moritz  Arndt.  (Gekürzt.)

 

XII.  Berg  und  Thal.

8

179.  Berg  und  Thal.

Die  Erde  ist  nicht  überall  gleich  hoch.  Man  braucht  gar
nicht  weit  zu  gehen,  so  geht's  bald  abwärts,  bald  aufwärts.
Kleine  Erhebungen  nennt  man  Anhöhen  und  Hügel,  große
heißen  Berge.  Sind  viele  Berge  aneinander  gereiht,  so  führen

sie  den  Namen  Gebirge.

Auf  den  Bergen  kann  man  weit  um  sich  sehen.  Da  unten
liegen  Städte  und  Dörfer,  zwanzig  oder  dreißig  sind  es  wohl.
Man  sieht  über  die  Wiesen  und  Ackerfelder,  über  den  dunkeln

Wald  und  den  Fluß  mit  seinen  Flößen  und  Schiffen.

Die  Vertiefung  zwischen  nahen  Bergen  nennt  man  Thal.
Ein  sehr  enges  Thal  mit  steilen  Seitenwänden  heißt  Schlucht.
Im  Frühjahr  ists  in  den  Thälern  gar  angenehm.  Grüne,  blumige

  Wiesen  und  rieselnde  Bäche  erfreuen  uns  dort.
        <pb n="70" />
        180.  Was  das  Bächlein  auf  der  Reise  spricht.

Kind.  Du  Bächlein  silberhell  und  klar,  du  eilst  vorüber
immerdar.  Am  Ufer  steh'’  ich,  sinn  und  sinn',  wo  kommst  du
her,  wo  gehst  du  hin?

Bach:  Ich  komm  aus  dunkler  Felsen  Schoß,  mein  Lauf
geht  über  Blum  und  Moos,  auf  meinem  Spiegel  schwebt  so
mild  des  blauen  Himmels  freundlich  Bild.  Drum  hab'  ich  frohen
  Kindersinn;  es  treibt  mich  fort,  weiß  nicht  wohin.  Der
mich  gerufen  aus  dem  Stein,  der  denk  ich,  wird  mein  Führer

  sein.
Karoline  Rudolphi.

181.  Auf  den  Bergen  ist's  schön.

Auf  den  Bergen  ists  schön!  Auf  die  Berge  laßt  uns  gehn!
Dort  ist  die  Luft  so  rein,  überall  Sonnenschein;

weit  über  Wald  und  Feld  schaut  man  dort  in  die  Welt;
unten  ist  grün  die  Au,  oben  der  Himmel  blau;

kraftvoll  erhebt  die  Brust  dort  sich  in  Himmelslust!

Auf  den  Bergen  ist's  schön!  Auf  die  Berge  laßt  uns  gehn!

182.  Schützenlied.

1.  Mit  dem  Pfeil,  dem  Bogen,  durch  Gebirg'  und  Thal
kommt  der  Schütz  gezogen  früh  am  Morgenstrahl.

2.  Wie  im  Reich  der  Lüfte  König  ist  der  Weih;  durch
Gebirg’  und  Klüfte  herrscht  der  Schütze  frei.

3.  Ihm  gehört  das  Weite,  was  sein  Pfeil  erreicht;  das

ist  seine  Beute,  was  da  fleugt  und  kreucht.
Friedrich  v.  Schiller.

183.  Spruch.

Hüte  dich  vor  Übelthaten!
Feld  und  Wald  kann  dich  verraten.
Hoch  auf  Bergen,  tief  im  Thal,
Gottes  Aug  ist  überall.  Nobert  Reinick.
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184.  Schäfer  und  Schafbock.

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1.  Ein  junger  Schäfer  weidet  im  Thale  seine  Schaf;  er
sitzt  im  Schatten  nieder,  und  fällt  in  tiefen  Schlaf.  —  2.  Er  schläft,
und  mit  dem  Kopfe  nickt  er  bald  her,  bald  hin.  Der  Schafbock
  sieht's  und  denket,  der  Hirt  will  stoßen  ihn.  —  3.  Der  Schäfer
  nicket  wieder;  schnell  geht  das  Böcklein  los,  und  giebt  dem
armen  Schäfer  gar  kräftig  einen  Stoß.

185.  Das  Salz.

Das  Salz  holen  wir  vom  Kaufmann;  der  Kaufmann  aber
kauft  es  in  den  Salzsiedereien.  Dort  macht  man  es  aus  Wasser,
  in  dem  Salz  aufgelöst  ist.  Das  Salz  findet  sich  nämlich
in  der  Erde  und  ist  dort  fest  wie  Stein.  Man  nennt  es  darum
auch  Steinsalz.  Fließt  nun  über  das  Steinsalz  Wasser  hin,
so  wird  etwas  davon  aufgelöst.  Solches  Wasser  schmeckt  sehr
salzig;  die  Bergleute  nennen  es  Sole.  In  den  Salzsiedereien
läßt  man  das  Wasser  der  Sole  durch  die  Luft  und  durch  Feuer
verdunsten  und  bekommt  dann  das  Salz.  Es  sieht  weiß  aus,

macht  die  Speisen  schmackhaft  und  bewahrt  das  Fleisch  vor

Fäulnis  und  Verderben.
August  Lüben.
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        —  ————  —  —

 

—  72  —

XIII.  Tages-,  Jahres=  und  Festzeiten.

186.  Die  7  Wochentage.
Sonntag,  Montag,  Dienstag,
Mittwoch,  Donnerstag,  Freitag,
Sonnabend  (Samstag).

187.  Die  Wochentage.
Gott  im  Himmel  hat  gesprochen:

Sieben  Tag'  sind  in  der  Wochen;
sechs  davon  will  ich  euch  geben,
schaffet  da,  was  Not  zum  Leben;
doch  der  Sonntag  bleibe  mein.
Da  will  ich  euch  unterweisen:
mir  zu  dienen,  mich  zu  preisen,
gut  und  fromm  vor  mir  zu  sein.
Liebes  Kind,  vergiß  es  nicht,
was  der  Herr  vom  Sonntag  spricht!  Wilhelm  Hey.

188.  Die  Namen  der  12  Monate.
Januar  (31),  Februar  (28—29),  März  (31),
April  (30),  Mai  (31),  Juni  (30),
Juli  (31),  August  (31),  September  (30),
Oktober  (31),  November  (30),  Dezember  (31).

189.  Das  Jahr.
Zwölf  Monat  hat  das  Jahr,
und  wie  viel  Tage  gar!
Da  mußt  du  tüchtig  zählen,
wenn  keiner  soll  d'’ran  fehlen.
Nun,  merke,  liebes  Kind:
so  viel  der  Tage  sind,
so  oft  hat  Gott  auf  dich  geseh'n,
läßt  seine  Engel  mit  dir  geh'n,
daß  nie  ein  Leid  dir  darf  gescheh  n.  Wilhbelm  Hey.
–
        <pb n="73" />
        —  73  —

 

 

 

190.  Die  vier  Jahreszeiten.
Frühling,  Sommer,  Herbst  und  Winter
sind  des  guten  Gottes  Kinder,
bringen  uns  des  Guten  viel,
Blumen,  Früchte,  frohes  Spiel.  Gustav  Dinter.

191.  Spruch  von  der  Rhr.

Mit  ihrem  Ticktack  spricht  die  Uhr:  Mein  Kind,  du  lebst
ein  Weilchen  nur.  Ein  jeder  neue  Stundenschlag  gemahnt
dich  an  den  letzten  Tag.  Von  deiner  Wiege  bis  zum  Grab  ist
kurz  die  Zeit  und  läuft  bald  ab.  Friedrich  Güll.

192.  Morgengebet.
Mein  Gott,  vorüber  ist  die  Nacht,  gesund  und  froh  bin  ich
erwacht;  behüte  du  mich  diesen  Tag,  daß  ich  nichts  Böses
denken  mag.  Amen.

193.  Tischgebete.
Vo-  Tische.
Segne,  Vater,  diese  Speise,  uns  zur  Kraft  und  dir  zum
Preise!  Amen.
Nach  Tische.
Danket  dem  Herrn,  denn  er  ist  freundlich  und  seine  Güte
währet  ewiglich!  Amen.

194.  Abendgebet.
Gott,  der  du  heute  mich  bewacht,  beschütze  mich  auch  diese
Nacht;  du  wachst  für  alle,  groß  und  klein;  drum  schlaf  ich
ohne  Sorgen  ein.  Amen.

195.  Schulgebete.
Vor  und  nach  der  Schule.
1.  Das  walte  Gott,  der  helfen  kann!
Mit  Gott  fang’  ich  die  Arbeit  an.
mit  Gott,  es  gehet  glücklich  fort;
drum  ist  auch  dies  mein  erstes  Wort:
Das  walte  Gott!  Amen.  Johann  Betichius.
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        —  74  —

 

 

2.  Unsern  Ausgang  segne  Gott,
unsern  Eingang  gleichermaßen!
Segne  unser  täglich  Brot,
segne  unser  Thun  und  Lassen.
Segne  uns  mit  sel'gem  Sterben

und  mach'  uns  zu  Himmelserben.  Amen.
Hartmann  Schenck.

196.  Das  Gebet  des  Herrn.

Vater  unser,  der  du  bist  im  Himmel.  Geheiliget  werde
dein  Name.  Zu  uns  komme  dein  Reich.  Dein  Wille  geschehe
wie  im  Himmel,  also  auch  auf  Erden.  Unser  täglich  Brot  gieb
uns  heute.  Und  vergieb  uns  unsere  Schuld,  wie  wir  vergeben
unsern  Schuldigern.  Und  führe  uns  nicht  in  Versuchung,  son—
dern  erlöse  uns  von  dem  Übel.  Denn  dein  ist  das  Reich,  und
die  Kraft,  und  die  Herrlichkeit,  in  Ewigkeit.  Amen.

197.  Wiegenlied.

1.  Schlaf,  Kindchen,  schlaf!  Da  draußen  ist  ein  Schaf!  Das
ist  dir  ein  gar  frommes  Blut,  das  keinem  was  zu  leide  thut;
schlaf,  Kindchen,  schlaf!

2.  Schlaf,  Kindchen,  schlaf!  Wie  freundlich  ist  das  Schaf!
Es  knurrt,  es  lärmt,  es  zanket  nicht,  zeigt  immerdar  ein  froh
Gesicht;  schlaf,  Kindchen,  schlaf!

3.  Schlaf,  Kindchen,  schlaf!  Wie  still  ist  unser  Schaf!  Nie
weinen  seine  Äugelein;  nie  hört  man  es  gewaltig  schrein;  schlaf,
Kindchen,  schlaf!

4.  Schlaf,  Kindchen,  schlaf!  Wer  liebt  nicht  unser  Schaf!
Es  speist  vergnügt  das  grüne  Gras;  zu  leide  thut  ihm  keiner
was;  schlaf,  Kindchen,  schlaf!

5.  Schlaf,  Kindchen,  schlaf  Sei  sanft,  wie  unser  Schaf!
Sei  immerdar  ein  frommes  Blut,  so  sind  dir  alle  Menschen
gut!  Schlaf,  Kindchen,  schlaf!

Volkslied.
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        —  75

 

 

198.  Schlafliedchen.

1.  Ruh',  Kindchen,  ruh'!

Der  Wächter  tutet  uh,

der  liebe  Gott,  der  Wächter  dein,
der  zündet  an  die  Sternelein.

Ruh',  Kindchen,  ruh'!

 

2.  Ruh',  Kindchen,  ruh'!
und  schließ  die  Augen  zu,
dann  kommen  goldne  Engelein
und  streichen  deine  Wängelein.

Ruh',  Kindchen,  ruh'!

 

 

199.  Die  Sterne.

Siehst  du?  —  schon  steckt  dort  oben  Gott  seine  Lichter

an,  damit  das  Kind  auch  abends  den  Himmel  sehen  kann;  den
schönen  blauen  Himmel  mit  seinem  goldnen  Mond,  wo  mit
den  lieben  Engeln  der  ew'ge  Vater  wohnt.  Und  wie  die  hellen
  Sterne,  so  freundlich  und  so  licht,  so  schaut  er  selbst  hernieder
  mit  mildem  Angesicht.

200.  Wächterruf.

Eckelmann.

 

        

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schlagen,  jetzt  betet  und  jetzt  geht  zu  Bett,  doch  löscht  das  Licht

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        —  76  —

 

 

—  —  —

aus,  eh'  ihr  geht.  Schlaft  sanft  und  wohl,  im  Himmel  wacht
ein  klares  Aug'  die  ganze  Nacht.  Johann  Peter  Hebel.

201.  Des  Frühlings  Einzug.
Alle  Vögel  sind  schon  da,
alle  Vögel  alle!
Welch'  ein  Singen,  Musiziern,
Pfeifen,  Zwitschern,  Tireliern!
Frühling  will  nun  einmarschiern,
kommt  mit  Sang  und  Schalle.
Wie  sie  alle  lustig  sind,
flink  und  froh  sich  regen!
Amsel,  Drossel,  Fink  und  Star
und  die  ganze  Vogelschar
wünschet  dir  ein  frohes  Jahr,
lauter  Heil  und  Segen.
Was  sie  uns  verkündet  nun,
nehmen  wir  zu  Herzen:
wir  auch  wollen  lustig  sein,
lustig  wie  die  Vögelein,
hier  und  dort,  feldaus,  feldein,
singen,  springen,  scherzen.
Heinrich  Hoffmann  von  Fallersleben.
202.  Des  Kuckucks  Ruf.
1.  Der  Kuckuck  hat  gerufen,
nun  laßt  uns  fröhlich  sein!
Er  kündet  uns  den  Frühling
mit  seinem  Sonnenschein.
Kurckuck!  Kuckuck!  Kuckuck!
2.  Der  Kuckuck  hat  gerufen,
er  ruft  uns  fort  vom  Haus;
wir  sollen  jetzt  spazieren
zum  grünen  Wald  hinaus.
Kuckuck!  Kuckuck!  Kuckuck!

—
        <pb n="77" />
        —  77  —

 

 

3.  Der  Kuckuck  hat  gerufen,
und  wer's  nicht  hören  mag,
fuͤr  den  ist  grün  geworden
kein  Feld,  kein  Wald  noch  Hag.
Kuckuck!  Kuckuck!  Kuckuck!
Heinrich  Hoffmann  von  Fallersleben.

203.  Der  Sommer.

1.  A,  a,  al  der  Sommer  ist  nun  da!
Hoch  steh'n  schon  die  gold'nen  Saaten,
Gott,  laß  alles  wohlgeraten!

A,  a,  al  der  Sommer  ist  nun  da!

2.  E,  e,  el  schön  ist's,  wohin  ich  seh'-)
Kirschen  rings  die  Bäume  schmücken;
gerne  wollten  wir  sie  pflücken.

E,  e,  el  schön  ist's,  wohin  ich  seh'!

3.  J.  i,  i!  käm'  doch  der  Winter  nie!
Jetzt  giebt's  Erd-  und  Heidelbeeren,
die  wir  froh  im  Wald  verzehren.

J,  i,  i!  käm'  doch  der  Winter  nie!

4.  O,  o,  o!  wir  sind  so  herzlich  froh!
daß  wir  wie  die  Lämmchen  springen,
wie  die  Vöglein  dürfen  singen.

O,  o,  o!  wir  sind  so  herzlich  froh!

5.  U,  u,  u!  ich  weiß  wohl,  was  ich  thu!
Froh  mein  Herz  an  Gott  gedenket,
der  mir  so  viel  Freude  schenket.

U,  u,  ul  ich  weiß  wohl,  was  ich  thu'!

204.  Der  Mittag  im  Sommer.

Im  Sommer,  wenn  die  Tage  am  längsten  sind,  scheint
die  Sonne  des  Mittags  am  heißesten.  Viele  von  den  vierfüßigen
  Tieren  liegen  dann  in  ihren  kühlen  Höhlen  und  schlafen.
Die  Vögel  stellen  ihren  Gesang  ein  und  verbergen  sich  im
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        —  78  —

 

 

Schatten  der  Bäume.  Aber  im  Felde  und  auf  der  Wiese  herrscht
reges  Leben.  Schmetterlinge  flattern  von  Blume  zu  Blume,
welche  auf  der  herrlichen,  grünen  Wiese  zu  Tausenden  blühen
und  in  den  schönsten  Farben  prangen.  Die  Grillen  zirpen,  die
Käfer  schwirren,  und  die  Heuschrecken  schnurren  vergnügt  durch
die  Luft.  Die  Menschen  aber  fliehen  die  brennende  Mittags—
sonne  und  suchen  sich  gern  ein  kühles  Plätzchen  auf.

205.  Herbstlied.

 

1.  Das  Laub  verwelkt,  2.  Die  Traube  reift,
die  Schwalbe  flieht,  die  Kelter  rinnt,
der  Landmann  pflügt,  der  Apfel  lockt:
die  Schneegans  zieht.  der  Herbst  beginnt.

206.  Ein  schöner  Herbsttag.

Noch  blühen  im  Garten  die  Blümelein,
noch  tanzen  die  Mücken  im  Sonnenschein,
noch  flattert,  als  ob  es  Sommer  wärs,
der  bunte  Schmetterling  umher.
Doch  morgen  ist  es  anders  als  heute,
dann  trauert,  was  sich  eben  noch  freute.
Die  Halm'  und  Blumen  sind  geknickt,
und  alles  Leben  ist  erstickt,
O  weh!  Des  Winters  Herrschaft  beginnt
mit  Nebel  und  Reif  und  Schnee  und  Wind.

Heinrich  Hoffmann  von  Fallersleben.

207.  Der  erste  Schnee.

Juchhe,  juchhe,  juchhe!
Es  fällt  der  erste  Schnee!
Der  liebe  Gott,  der  schüttet  Flaum
auf  Gras  und  Blumen,  Strauch  und  Baum,
damit  sie  frieren  nicht  so  sehr,
wenn  nun  der  Winter  stürmt  daher.
Hör',  lieber  Schnee,  hör',  decke  du
sie  ja  recht  weich  und  sauber  zu.  Löschke.
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        —  79

 

 

 

208.  Schlittenritt.

1.  Auf  dem  Schlitten,  auf  dem
Schlitten

sind  wir  heute  froh  geritten,

sind  geritten  stolz  und  munter

von  dem  Berg  ins  Thal  hinunter.

 

2.  Abwärts  sind  wir  rasch  ge—
flogen;
aufwärts  haben  wir  gezogen
an  dem  Stricke  unsern  Gaul;
aufwärts  war  er  immer  faul.

3.  Aber  abwärts  ihn  zu  lenken,
Schön'res  läßt  sich  gar  nicht  denken!
Und,  wenn  wir  gestürzt  zuweilen,
gab's  doch  keine  schlimmen  Beulen.

Deinhardt.

209.  Das  Büblein  auf  dem  Eise.

 

 

 

 

 

 

1.  Gefroren  hat  es  heuer

noch  gar  kein  festes  Eis.

Das  Büblein  steht  am  Weiher

und  spricht  so  zu  sich  leis':

„Ich  will  es  einmal  wagen!

Das  Eis,  es  muß  doch  tragen.“
Wer  weiß?

 

2.  Das  Büblein  stampftund  hacket
mit  seinen  Stiefelein.

Das  Eis  auf  einmal  knacket,
und  krach,  schon  bricht's  hinein.
DasBüblein  platscht  und  krabbelt
als  wie  ein  Krebs  und  zappelt
mit  Arm  und  Bein.
        <pb n="80" />
        —  80  —

 

3.  „O  helft,  ich  muß  versinken  4.  Der  packt  es  bei  dem
in  lauter  Eis  und  Schnee;  Schopfe
o  helft,  ich  muß  ertrinken  und  zieht  es  dann  heraus;
im  tiefen,  tiefen  Seel“  vom  Fuße  bis  zum  Kopfe
Wär'  nicht  ein  Mann  gekom=  wie  eine  Wassermaus.

men,  Das  Büblein  hat  getropfet,
der  sich  ein  Herz  genommen,  der  Vater  hat  geklopfet

o  wehl  es  aus  zu  Haus.

 

Friedrich  Güll.

210.  Die  Geiß  auf  dem  Eise.

Es  war  einmal  eine  Geiß,  der  war's  zu  wohl  im  Stall;
da  ging  sie  hin  aufs  Eis,  that  einen  bösen  Fall;  da  fing  sie
kläglich  an  zu  schrein:  O  weh,  ich  hab'  gebrochen  das  Bein!
Oweh,  wie  schmerzt  das  Bein!

Das  merke  sich  die  Jugend  an!  Bald  ist  ein  kecker  Streich
gethan  und  reut  den  Thäter  hinterher:  hätt's  noch  zu  thun,
thät's  nimmermehr.

211.  Bescheidene  Bitte  des  Herrn  Spatz  und  der  Frau  Fink.

1.  Bitte,  stillet  unfre  Not,  bitte,  bitte,  gebt  uns  Brot!
Alle  Dörfer,  Hecken,  Wälder,  alle  Wege,  alle  Felder,
wo  ein  Futterkörnchen  steckt,  alles  ist  mit  Schnee  bedeckt.
Alle  Nahrung  ist  verschüttet  und  ein  hungernd  Vöglein  bittet:
„Bitte,  bitte,  gebt  uns  Brot,  bitte,  stillet  unsre  Not!“

2.  Bitte,  stillet  unfre  Not,  bitte,  bitte,  gebt  uns  Brot!
Kehrt  der  schöne  Frühling  wieder,  singen  wir  auch  frohe  Lieder,
hüpfen  frisch  von  Ast  zu  Ast,  picken  ohne  Ruh'  und  Rast
Raupen,  Frucht=  und  Blütenfresser,  daß  sich  füllen  Scheun'

und  Fässer.

Bitte,  bitte,  gebt  uns  Brot,  bitte,  stillet  unfre  Not!
Ebeling.
        <pb n="81" />
        212.  Vor  Weihnachten.

Es  treibt  der  Wind  die  Flocken  einher,  als  ob  es  noch
nicht  weiß  genug  wär'.  Er  schüttelt  am  Fenster  heftiglich,  er
will  durchaus,  daß  man  fürchte  sich.  —  Doch  das  Haus  steht
fest,  und  die  Stube  ist  warm,  im  Bauer  das  Vöglein  singt
ohne  Harm.  Es  denkt  vielleicht  an  die  Frühlingszeit.  Lieb
Vöglein,  die  ist  noch  gar  zu  weit!  —  Doch  nahe  schon  ist  zu
dieser  Frist  der  liebe,  gute,  heilige  Christ.  Der  trägt  ins  Haus
uns  den  grünen  Baum,  mit  Lichtern  und  Apfeln  und  goldenem

  Schaum.
Deinhardt.

213.  Der  Weihnachtsmann.

Der  Weihnachtsmann  ist  auf  der  Fahrt,  zu  besuchen  die
Schuljugend  zart,  zu  sehen,  was  die  kleinen  Mädchen  und
Knaben  in  diesem  Jahre  gelernet  haben  im  Beten,  Schreiben,
Singen  und  Lesen,  auch  ob  sie  hübsch  fromm  sind  gewesen.
Er  hat  auch  in  seinem  Sack  verschlossen  schöne  Puppen,  aus
Zucker  gegossen.  Den  Kindern,  welche  hübsch  fromm  wären,
will  er  solche  Sachen  bescheren.

214.  Bitte  an  den  Weihnachtsmann.

1.  Lieber  Weihnachtsmann,  o  bringe  uns  recht  viele  schöne  Dinge:

Lichterbaum,  Gewehr  und  Schwert,  Trommel,  Jagd  und
Schaukelpferd,

Bilderbuch  und  Kegelspiel,  Nüs'  und  Apfel  auch  recht  viel,

Puppen,  Püppchen,  Hampelmann  bring  uns,  lieber  Weihnachtsmann!


2.  Kinder,  ja,  das  sollt  ihr  haben,  und  noch  and're  schöne  Gaben;
doch  es  sollen  nur  bekommen  alle  Fleißigen  und  Frommen.
Drum  seid  artig,  brav  und  gut!  Aber  wer  da  Böses  thut,
und  wer  faul  und  träge  ist,  kriegt  die  Rut  zum  heil'gen  Christ.

 

II.  6
        <pb n="82" />
        ———  —  —  —  —

 

1.  Du  lieber,  frommer,  heil'ger  Christ,  weil  heute  dein  Ge—
burtstag  ist,
drum  ist  auf  Erden  weit  und  breit  bei  allen  Kindern  frohe  Zeit.

2.  O  segne  mich,  ich  bin  noch  klein,  und  mache  mir  das  Herze  rein,

daß  ich  mit  gutem,  frommen  Sinn  stets  meiner  Eltern  Freude  bin.
Ernst  Moritz  Arndt.  (Gekürzt.)

216.  Weihnachtslied.

1.  Die  schönste  Zeit,  die  liebste  Zeit,  sagt's  allen  Leuten
weit  und  breit,  damit  sich  jedes  freuen  mag,  das  ist  der  liebe
Weihnachtstag.

2.  Den  hat  uns  Gott  der  Herr  bestellt,  den  herrlichsten
in  aller  Welt,  daß  jung  und  alt,  daß  groß  und  klein  so  recht
von  Herzen  froh  soll  sein.

3.  Geboren  ist  das  Christuskind,  durch  das  die  Menschen
selig  sind,  das  alle  so  von  Herzen  liebt  und  ihnen  Himmels—
gaben  giebt.

 

 

–  —  —Q  —  ——  —  —  —
        <pb n="83" />
        4.  Nimm  von  uns  Angst  und  Weh  und  Schmerz,  gieb

uns  ein  frohes,  frommes  Herz,  laß  uns  'auf  Erden  gut  und
rein  und  einst  im  Himmel  bei  dir  sein.  Wilhelm  Hey.  (Gekürzt.)

217.  Neujahrswunsch  für  die  Eltern.
Ein  kleines  Kindchen  bin  ich,  drum  wünsch'  ich  kurz  und
innig  ein  fröhliches  Neujahr.
Was  euch  erfreut,  das  weiß  ich,  wenn  brav  ich  bin  und
fleißig,  mehr  als  ich  sonst  es  war.  Gesundheit,  Freude,  Frieden
  sei  euch  von  Gott  beschieden,  wie  heut,  so  immerdar.

Friedrich  Güll.
218.  Karfreitag.

O  Lamm  Gottes  unschuldig,  am  Stamm  des  Kreuzes  geschlachtet,
  allzeit  erfunden  geduldig,  wiewohl  du  warest  verachtet:
all  Sünd“  hast  du  getragen,  sonst  müßten  wir  verzagen.  Gieb
uns  deinen  Frieden  o  Jesul!  Nikolaus  Decius.

219.  Ostern.
Ist  denn  der  liebe  Heiland  tot,
und  ist  er  gar  begraben?
Ohört's!  wir  dürfen  keine  Not
um  seinetwillen  haben.
Heut  ist  das  liebe  Osterfest,
wo  lebend  er  das  Grab  verläßt.
Sterb’  ich  auch  nun,  wer  weiß,  wie  bald,
und  nimmt  der  Tod  mein  Leben:
mein  Heiland  hat  noch  mehr  Gewalt,
der  wird  mir's  wiedergeben;
der  weckt  mich  aus  der  Grabesnacht
und  führt  mich  in  des  Himmels  Pracht.  Wilhelm  Hey.

220.  Von  den  Ostereiern.
·  Es  ist  eine  uralte  Sitte  unter  den  Christen,  daß  man  zur
heiligen  Osterzeit  sich  gegenseitig  mit  Eiern  beschenkt.  Dieselben
werden  im  Hause  oder  Garten  versteckt;  es  ist  der  Kinder  Lust,
sie  zu  suchen.  —  Was  sollen  aber  die  Ostereier  bedeuten?

#

6

–––+Y2
        <pb n="84" />
        —  84  —

 

 

Aus  dem  stillen,  regungslosen  Ei  geht  wunderbarer  Weise
ein  lebendiger  Vogel  hervor.  Ebenso  stieg  einst  Jesus  in  ver—
klärter  Gestalt  aus  dem  stillen  Grabe.  Und  ebenso  werden  einst
aus  den  Gräbern  derer,  die  im  Herrn  entschlafen  sind,  verklärte
Leiber  auferstehen.

An  die  Bedeutung  erinnerten  einander  auch  die  alten  Chri—
sten,  indem  sie  sich  die  Eier  reichten.  Sie  sprachen  mit  freu—
digen  Worten  von  der  Auferstehung  des  Heilandes  und  von
jenem  großen  Tag,  da  alle  Gräber  zerbrechen  werden.

221.  Pfingsten.

Geist  des  Herrn,  ich  bitte  dich,
Pfingsten  ist's,  komm'  auch  auf  mich;
laß  von  nun  an  mich  auf  Erden
einen  Jünger  Jesu  werden;
lehre  mich  und  steh'  mir  bei,
daß  ich  recht  verständig  sei.
Geist  des  Herrn,  o  mach'  mich  fromm,
daß  ich  in  den  Himmel  komm'!  Wilhelm  Hey.

222.  Die  Birke.

Die  Rinde  der  Birke  ist  weiß  und  glatt.  Die  Zweige
sind  dünn;  darum  hängen  sie  herab.  Die  Blätter  haben  einen
Rand,  der  feine  Einschnitte  wie  eine  Säge  hat.  Zu  Pfingsten
schmückt  man  das  Wohn=  und  Gotteshaus  mit  jungen  Birken
und  frischen  Reisern.  Das  feste  Holz  dient  zum  Heizen  der
Stuben.  Auch  fertigen  die  Tischler  allerlei  Geräte  daraus.  Aus
den  Birkenreisern  macht  man  Besen  und  für  die  unartigen
Kinder  Ruten.

223.  Zum  Geburtstage  des  Vaters.
Lieber  Vater,  ich  bringe  dir  hab'  dies  Verschen  selbst  gemeinen
  schönsten  Glückwunsch  schrieben.
hier,  Möchte  es  dich  doch  erfreun!
will  dich  immer  herzlich  lieben,  Künftig  Jahr  soll's  besser  sein.
        <pb n="85" />
        —  85  —

 

 

 

 

224.  Zum  Geburtstage  der  Mutter.
Liebe  Mutter,  nimm  als  Gabe
dieses  Blumensträußchen  an.
Es  ist  alles,  was  ich  habe,
alles,  was  ich  bringen  kann.
Aber  ich  will  mich  bemühen,
immer  fromm  und  gut  zu  sein;
wenn  die  Blumen  dann  verblühen,
sollst  du  dich  an  mir  noch  freun.  Enilie  Feige.

 

———

225.  Mein  Vaterland.
Dem  Land,  wo  meine  Wiege  stand,
ist  doch  kein  and'res  gleich;
es  ist  mein  liebes  Vaterland
und  heißt  —  das  deutsche  Reich.  Julius  Sturm.

226.  Kaiser  Wilhelm  in  Ems.

—  "  —
.  –—""*[  ...—.
*  .  as  -  [–  9
.  il  i  .«  I  ..-—


 

Der  Kaiser  Wilhelm  besucht  alle  Jahre  das  Bad  Ems.
Man  freut  sich  dort  jedesmal  über  seine  Ankunft.  Jedermann
        <pb n="86" />
        —  86  —

 

 

hat  ihn  lieb  wie  einen  alten  Freund.  Vor  allem  ist  der  Kai—
ser  gern  gesehen  bei  den  Kindern  zu  Ems.  Und  wenn  eins
ihm  die  Hand  giebt,  trotz  Mamas  Verbot,  so  schilt  er  nicht,
sondern  lächelt  und  schüttelt  das  Händchen  ganz  herzlich.

So  faßt  sich  denn  einmal  ein  Emser  Bub'  ein  Herz,  läuft
plötzlich  auf  den  alten  Herrn  zu,  umspannt  seine  Knie  und  spricht:

„Bist  du  wirklich  der  Kaiser  Wilhelm?“  —

„„Ja,  ich  denke,  kleiner  Mann.  Und  wie  heißt  denn  du,
und  was  willst  du  werden?““

„Ich  heiße  auch  Wilhelm  und  Soldat  will  ich  werden,
aber  einer  von  denen  mit  den  roten  Aufschlägen  und  den  weißen
Federbüschen.“

„„Gott  segne  dich,  mein  Junge!“

Fröhlich  springt  der  Knabe  davon  um  seiner  Mutter  die
denkwürdige  Begegnung  zu  erzählen.

227.  Büblein  wirst  du  ein  Rekrut,  merk  dir  dieses  Liedchen  gut.

1.  Wer  will  unter  die  Soldaten,
der  muß  haben  ein  Gewehr,
das  muß  er  mit  Pulver  laden
und  mit  einer  Kugel  schwer.

2.  Der  muß  an  der  linken  Seiten
einen  scharfen  Säbel  han,

daß  er,  wenn  die  Feinde  streiten,
schießen  und  auch  fechten  kann;

3.  Und  ein  Roß  zum  Galoppieren,
und  von  Silber  auch  zwei  Sporn,
daß  er  kann  den  Gaul  regieren,
wenn  er  Sprünge  macht  im  Zorn;

4.  Einen  Schnurrbart  an  der  Nasen

auf  dem  Kopfe  einen  Helm,  —

sonst,  wenn  die  Trompeter  blasen,

ist  er  nur  ein  armer  Schelm.  Friedrich  Güll.
        <pb n="87" />
        —  87  —

 

 

228.  Die  Soldaten.

1.  Da  kommen  die  Soldaten
in  gleichem  Schritt  und  Tritt,
darf  keiner  stehen  bleiben,
sie  müssen  alle  mit.

2.  Der  Tambour  schlägt  die  Trommel,
der  Hauptmann  geht  voran,
und  dort  der  Fahnenträger

schwingt  hoch  die  stolze  Fahn'.
3.  Wenn  ich  erst  groß  geworden,
so  groß  als  wie  ein  Mann,
daß  ich  die  Flinte  tragen
und  recht  marschieren  kann.

4.  Dann  sollt  ihr  einmal  sehen,
dann  geh'  ich  wacker  mit,
marschier'  mit  den  Soldaten
in  gleichem  Schritt  und  Tritt.
Georg  Christian  Dieffenbach.

229.  Ehre  das  Alter!

Der  alte  preußische  General  Zieten  speiste  einst  mit  mehre—
ren  vornehmen  Herren  beim  König  Friedrich  dem  Großen.  Vor—
nehme  Herren  sitzen  in  der  Regel  lange  bei  Tische,  indem  sie
viel  dabei  sprechen.  Der  General,  ein  Greis  von  achtzig  Jahren,
schlief  während  des  Gespräches  ein.  Einige  der  anwesenden
Herren  lächelten  und  wollten  sich  über  ihn  lustig  machen;  allein
der  König  verbot  es  mit  einem  ernsthaften  Gesicht,  indem  er
sagte:  „Lasset  uns  leise  reden,  damit  wir  ihn  nicht  stören;  er
hat  oft  genug  für  uns  gewacht.“

230.  Der  Stelzfuß.

Ein  armer  Mann,  der  einen  Stelzfuß  hatte,  ging  durchs
Dorf  an  einer  Schar  Knaben  vorüber.  Der  ungezogene  Hein—
        <pb n="88" />
        —  88  —

 

 

rich  lachte  über  ihn  und  ging  hinkend  hinter  ihm  drein  und
spottete  ihn  aus.  Der  Mann  wendete  sich  um  und  schaute
wehmütig  auf  den  Spötter.  Dann  sagte  er  zu  ihm:  „Knabe,
ich  habe  als  Soldat  fürs  Vaterland  gestritten;  mein  Bein
habe  ich  in  der  Schlacht  durch  eine  Kugel  verloren;  dieser
Stelzfuß  verdient  also  deinen  Spott  nicht.“  Die  sanfte  Rede
drang  in  alle  Herzen.  Die  Knaben  zogen  grüßend  ihre  Mütze
ab  vor  dem  Manne,  und  der  schamrote  Heinrich  wagte  nicht

mehr  aufzublicken.  Er  spottete  nie  mehr  über  einen  Unglücklichen.
Johann  Staub.

231.  Deutscher  Rat.

Vor  allem  eins,  mein  Kind,  sei  treu  und  wahr,
laß  nie  die  Lüge  deinen  Mund  entweih'n!
Von  Alters  her  im  deutschen  Volke  war
der  höchste  Ruhm,  getreu  und  wahr  zu  sein.

Du  bist  ein  deutsches  Kind,  so  denke  dran;
noch  bist  du  jung,  noch  ist  es  nicht  so  schwer.
Aus  einem  Knaben  aber  wird  ein  Mann,
das  Bäunchen  biegt  sich,  doch  der  Baum  nicht  mehr.
Sprich  „ja"  und  „nein“,  und  dreh  und  deutle  nicht,
was  du  berichtest,  sage  kurz  und  schlicht,
was  du  gelobest,  sei  dir  höchste  Pflicht,

dein  Wort  sei  heilig,  drum  verschwend  es  nicht!
Robert  Reinick.  (Gekürzt.)

XV.  Gott  und  Himmelreich.

232.  Gott  ist  überall.
Gott  ist,  wo  die  Sonne  glüht;
Gott  ist,  wo  das  Veilchen  blüht;
ist,  wo  jedes  Vöglein  schlägt,
ist  auch,  wo  der  Sturm  sich  regt.  —
Ist  kein  Freund,  kein  Mensch  bei  dir,
fürchte  nichts  —  dein  Gott  ist  hier.  Gaustav  Dinter.
        <pb n="89" />
        —  89  —

 

 

 

233.  Gottes  Nähe.

Thu'  nichts  Böses,  thu'  es  nicht!
Weißt  du,  Gottes  Angesicht
schaut  vom  Himmel  auf  die  Seinen,
auf  die  Großen,  auf  die  Kleinen,
und  die  Nacht  ist  vor  ihm  Licht.

Sind  auch  Vater,  Mutter  weit,
er  ist  bei  dir  allezeit,
daß  du  ja  kein  Unrecht  übest
und  sein  Vaterherz  betrübest.
Ach,  das  wär'  dir  künftig  leid!

234.  Gottes  Allwissenheit.

1.  Weißt  du,  wieviel  Sternlein  stehen  an  dem  blauen
Himmelszelt?  Weißt  du,  wieviel  Wolken  gehen  weithin  über
alle  Welt?  Gott  der  Herr  hat  sie  gezählet,  daß  ihm  auch  nicht
eines  fehlet  an  der  ganzen  großen  Zahl.

2.  Weißt  du,  wieviel  Mücklein  spielen  in  der  heißen
Sonnenglut?  Wieviel  Fischlein  auch  sich  kühlen  in  der  hellen
Wasserflut?  Gott  der  Herr  rief  sie  mit  Namen,  daß  sie  all
ins  Leben  kamen,  daß  sie  nun  so  fröhlich  sind.

3.  Weißt  du,  wieviel  Kinder  frühe  steh'n  aus  ihrem  Bettlein
  auf,  daß  sie  ohne  Sorg  und  Mühe  fröhlich  sind  im  Tageslauf?
  Gott  im  Himmel  hat  an  allen  seine  Lust,  sein  Wohlgefallen,
  kennt  auch  dich  und  hat  dich  lieb.

235.  Unschuld  und  ein  rein  Gewissen
ist  das  beste  Ruhekissen.

Es  lag  ein  Mann  auf  seid'nem  Pfühl;
doch  schlug  sein  Herz  ihm  bang'und  schwül.
Er  warf  sich  hin,  er  warf  sich  her,
als  wenn  sein  Bett  von  Dornen  wär.
        <pb n="90" />
        —  90  —

 

 

Und  träumt'  er,  war's  ein  banger  Traum:
denn  in  des  Herzens  dunkelm  Raum,
da  wohnte  Schuld  und  Furcht  vor  Strafen
und  ließ  nicht  ruhen  ihn  noch  schlafen.

Ein  and'rer  Mann  lag  nebenbei
auf  einer  harten,  niedern  Streu.
Doch  schlief  er  sanft  und  träumte  süß
vom  Himmelsglück  und  Paradies.
Und  fragst  du,  wer  ihn  eingewiegt,
ihn,  der  so  sanft  und  friedlich  liegt?
Sein  Engel  war's,  sein  gut  Gewissen.
Das  legte  sanft  sein  Ruhekissen.

Agnes  Franz.

236.  Lob  Gottes.

Gott  hat  die  Welt  so  schön  gemacht!  —  Die  Erde  und
des  Himmels  Pracht,  der  grüne  Wald,  das  weite  Meer,  die
Sonne  und  der  Sterne  Heer,  verkünden  alle,  weit  und  breit,
uns  Gottes  Macht  und  Herrlichkeit.  —

Drum  preist  dich,  Gott,  die  ganze  Welt,  die  Engel  in
dem  Himmelszelt,  die  Menschen  auf  der  Erde  hier;  —  wir
Kinder  selbst,  wir  jauchzen  dir  und  rühmen  deine  Herrlichkeit

schon  hier  und  einst  in  Ewigkeit.
Georg  Christian  Dieffenbach.

237.  Die  Engel.

Sind  denn  nur  im  Himmel  Engelein?
„Dort  nicht  allein,
auch  auf  Erden  an  allen  Orten.
Jeder  Mensch,  der  fromm  ist,  brav  und  gut
und  den  Willen  des  himmlischen  Vaters  thut,
ist  ein  Engel  Gottes  geworden.
Und  willst  du  ein  Engel  im  Himmel  werden,
so  mußt  du  ein  Engel  schon  sein  auf  Erden.“
        <pb n="91" />
        —  91  —

 

 

 

 

 

 

238.  König  und  Kind.

 

Der  König  Friedrich  Wilhelm  IV.  von  Preußen  war  einst
auf  der  Reise.  In  einem  Dorfe  wurde  er  festlich  empfangen.
Die  Schulkinder  mit  ihrem  Lehrer  begrüßten  ihn  und  ein  kleines
Mädchen  sagte  ihm  ein  Gedicht  her,  worüber  er  sich  sehr  freute.
„Du  hast  deine  Sache  schön  gemacht,  mein  Kind,“  sagte  der
hohe  freundliche  Herr.  „Nun  will  ich  dir  aber  auch  eine  Frage
vorlegen.  Wohin  gehört  das?“  fragte  er  und  zeigte  dem  Kinde
eine  Apfelsine.  „In  das  Pflanzenreich,“  erwiderte  schüchtern
das  Mädchen.  „Wohin  nun  das?“"  fragte  der  Herr  weiter  und
zeigte  auf  ein  Goldstück.  „Ins  Mineralreich,“  war  die  Antwort.
„Wohin  gehöre  ich  denn,  mein  Kind?“  war  die  dritte  Frage.
Freundlich  blickte  das  Kind  den  König  an  und  sagte:  „Ins
Himmelreich.“  —  Da  glänzte  eine  Thräne  in  dem  Auge  des
Königs,  und  er  hob  das  Mägdlein  empor  und  küßte  es.

239.  Zwei  Eltern  und  ein  Gott.

Zwei  Eltern  hat  ein  Menschenkind,  und  einen  Gott,  nicht

mehr,  und  wenn  gestorben  beide  sind,  am  Leben  ist  noch  er.
Friedrich  von  Rückert.
        <pb n="92" />
        —  92  —

 

——

XVI.  Buntes.

240.  Die  lateinische  Schrift.

1.  Das  kleine  Alphabet.

—.

a,  b,  c,  d,  2

3,  b.  C,  d,  C,
—  1  S  -  “
g,  h,  ,  J„  k,

g.  h.,  1,  J.  k.
m,  n,  b,  p,  A,
m,  mn,  0,  p.  0.9
        <pb n="93" />
        ——  —
—

Vergleiche:

Ab  d.  ce.  h  b.  VV

U.—11.  1—7.

 

Zur  Ubun  g.
Eigenschaften:
eng,  faul,  frei.  las,
tief,.  grob,  hart,  bat,
arm,  hoch,  Weit,  zog,
dick,  weich,  SsStolz,  fror
breit,  krank,  stark.  Wog,

P.

Thätigkeiten:
ruft,  jagen,
hört,  boxen,
baut,  Zeigen,
Saugt,  duälen,
danktt,  preisen.
        <pb n="94" />
        «-—-



M

 

N
N

-
J

 

O
0

 

 

 

 

Alphabet.

 

 

—  94
        <pb n="95" />
        Vergleiche:

B-R.  E  F.  C  G.  IJ.  WV.  V#.

3.  Die  römischen  Zahlbuchstaben.

1  1.  V.-ö.  X.  10.  L  C  100.  DO—  50  M-  t000.
MDCCCIXXXIII  —  1883.
        <pb n="96" />
        —  —

96  —

 

 

 

241.  Sprüche.

Alles  gut,
Was  Gott  thut.

Böser  Gewinn
fährt  bald  dahin.

Christlich  leben
lässt  selig  sterben.

Den  Armen  geben
ist  wohl  gesäet.

Ehrlichkeit
Ward  nie  bereut.

Frische  Fische,
gute  Fische.

Gleich  und  gleich
gesellt  sich  gern.

Hilf  dir  selbst,
d60  hilft  dir  Gott.

Irren
ist  menschlich.

Junge  Müssiggänger,
alte  Bettler.

Keine  Rose
Ohne  Dornen.

Leben  und  Tod,
beide  von  Gott.

Morgenstunde
hat  Gold  im  Munde.

Naschen
macht  leere  Taschen.

Ohne  Arbeit
kein  Lohn.

Prütet  alles
und  das  Gute  behaltet.

 

Quaste  im  Nacken,
Loch  im  Hacken.

Recht
muss  recht  bleiben

Salz  und  Brot
macht  Wangen  rot.

Treuen  Dienst
lohnet  Gott.

Unverhofft
kommt  oft.

Viel  Federn.
machen  ein  Bett.

 

Wer  Pech  angreift
besudelt  sich.

X

VUpsilon  muss  bleiben,
das  Abc  zu  schreiben.

Zufriedenheit
macht  froh  und  reich.
        <pb n="97" />
        —  97  —

 

 

-

242.  Ein  schöner  Wahrspruch.

Wer  soll  Meister  sein?  —  Der  was  ersann!

Wer  soll  Geselle  sein?  —  Der  was  kann!

Wer  soll  Lehrling  sein?  —  Jedermann!
Volksmund.

243.  Die  Tinte.

Die  Tinte  macht  uns  wohl  gelehrt,
doch  ärgert  sie,  wo  sie  nicht  hingehört.
Geschrieben  Wort  ist  Perlen  gleich,

ein  Tintenklecks  ein  böser  Streich.
Johann  Wolfgang  von  Goethe.

244.  Kind  und  Feder.

 

 

 

5/  *  *5

„Feder,  das  ist  gar  nicht  schön  von  dir,  dass  du  so
ungeschickt  bist  bei  mir;  schreibst  mit  der  Schwester  so
schön  und  geschwind,  bei  mir  es  nur  Hühnertrappen  sind.
Komm,  Feder,  gieb  dir  rechte  Müh'’,  dass  ich  auch  so
schön  schreiben  kann  wie  siele

 

II.

I
        <pb n="98" />
        Die  Feder  sagte  nicht  ein  Wort,  machte  still  ihre
Striche  fort;  das  Kind  auch  führte  sie  ganz  sacht  bei
Jedem  Buchstab'n  mit  Bedacht.  Bald  standen  alle  die

Zeilen  da,  dass  jeder  dran  seine  Freude  sah.
Wilhelm  Hey.

245.  Nur  ein  Sandkorn.

Wir  hatten  heut'’  ein  Haus  gebaut
von  Sand.
Wir  hatten  freudig  drauf  geschaut
und  seiner  Festigkeit  vertraut;
es  stand.
Es  löste  sich  ein  Körnlein  los,
ganz  klein;
da  rollt  und  bricht  es  Stoss  auf  Stoss,
und  unser  Haus,  so  schön  und  gross.
stürzt  ein.  —
Wir  sahen  nun  verwundert  an
das  Spiel.
Ein  kleines  Körnlein  hat's  gethan;
ein  Kleines  Körnlein  aber  kann

doch  viel.
Karl  Enslin.

246.  Der  Esel  und  das  Jagdpferd.

Ein  Esel  vermass  sich,  mit  einem  Jagdpferde  um  die
Wette  zu  laufen.  Die  Probe  flel  erbärmlich  aus,  und
der  Esel  ward  ausgelacht.  Ich  merke  nun  wohl  sagte
der  Esel,  woran  es  gelegen  hat;  ich  trat  mir  vor  einigen
Monaten  einen  Dorn  in  den  Fuss,  und  der  schmerzt

mich  noch.«
Gotthold  Ephraim  Lessing.
        <pb n="99" />
        .—  99  —

 

 

 

—  —  –

—

einen  Kopf,  einen  Rumpt,  vier  Füsse,  ein  Euter  und  einen

 

247.  Rätselfragen  nebst  Antworten.

1.  Wenn  steht  der  Kaiser  auf  einem  Fuss?  —
°·Wenn  er  sein  Ross  besteigen  muss.«

2.  Wer  schliesst  im  Bett  kein  Auge  zu?  —
!"  Das  Bächlein  kennt  nicht  Schlaf  noch  Ruh.  #G

3.  Was  geht  durch  Hecken  und  raschelt  nicht?  —
»  Das  thut  der  Sonne  goldnes  Licht.

4.  Wie  lange  ging  zum  Wasser  der  Krug?  —
»Nie  ging  er,  weil  man  stets  ihn  trug.«

5.  Wann  ist  die  beste  Essenszeit?  —
Wenn  für  den  Hunger  ein  Mahl  bereit.  (

6.  Wann  sät  man  Flachs  ins  Feld  hinein?  —
’Man  sät  ihn  nie,  man  sät  nur  Lein.  (

7.  Wann  wird  der  Reiche  zum  Bettelmann?  —
i„Wenn  er  Schulden  macht  und  nicht  zahlen  kann.  #

8.  Wie  lange  trägt  man  Wasser  im  Sieb?  —
So  lang’  nur,  als  es  gefroren  blieb.G

9.  Wer  maust  und  bleibt  vor  Strafe  frei?  —
„Ich  meine,  dass  dies  das  Kätzlein  sei.  (

10.  Wie  lange  schläft  der  Esel  zur  Nacht?  —
Nicht  länger,  als  bis  er  aufgewacht.o  (

 

Julius  Sturm.

248.  Die  Kuh.
Die  Kuh  lebt  im-  Stall  und  auf  der  Weide.  Sie  hat

Schwanz.  Der  Kopf  hat  ein  grosses  Maul,  zwei  grosse
Augen,  2wei  abstehende  Ohren,  zwei  gebogene  Hörner  und
eine  sehr  breite  Stirn.  Der  Rumpf  ist  plump.  Jeder  Fuss
hat  zwei  Hufe.  Der  Schwanz  ist  am  Ende  mit  einem  Haarbüschel
  versehen.  Die  Kuh  ist  ein  gar  nützliches  LTier.  Sie

 

77
        <pb n="100" />
        —  100  —,

*5
giebt  uns  Milch,  Butter  und  Käse.  Ihr  Fleisch  wird  gegessen.
  Aus  der  Haut  bereitet  man  Leder.

249.  Das  Pferd.

Das  Pferd  ist  unser  schönstes  Haustier.  Es  trägt  den
Kopf  hoch.  Auf  dem  Nacken  hat  es  eine  lange  Mähne.
Der  Leib  ist  schlank  und  glatt.  Die  Hufe  sind  gewöhnlich
mit  Eisen  beschlagen.  Der  lange  Schwanz  des  Pferdes  heisst
Schweif.  Ein  schwarzes  Pferd  nennt  man  Rappe,  ein  weisses
Schimmel.  Ein  junges  Pferd  wird  Füllen  genannt.

Das  Pferd  zieht  den  Wagen  und  den  Pflug.  Auf  seinem
Rücken  trägt  es  den  Reiter.  Aus  der  Haut  des  Pferdes
macht  man  Leder  und  aus  seinen  Haaren  allerlei  Polster.
Das  Fleisch  wird  nur  selten  gegessen.

250.  Das  geschorene  Schaf.

Ein  Schäfchen  wurde  zum  ersten  Male  geschoren
und  hielt  geduldig  stille.  Als  es  aber  geschoren  war,
wurde  es  traurig;  denn  es  fror  sehr,  so  dass  das  arme
Tierchen  am  ganzen  Leibe  zitterte.  Und  das  sah  der  liebe
Gott  im  Himmel,  und  er  schickte  ein  warmes  Lüftchen.
und  schönen  Sonnenschein.  Da  wurde  das  gute  Schäfchen
  wieder  munter  und  froh.

Das  Schäfchen  hat  einer  Bäuerin  gehört,  und  die
Bäuerin  hatte  ein  kleines,  lustiges  Büblein.  Es  ist  aber
Winter  geworden;  da  war  das  Büblein  nicht  mehr  lustig,
denn  es  war  sehr  kalt,  und  das  Büblein  zitterte  oft  vor
Frost.  Die  Mutter  aber  strickte  ihm  aus  der  Wolle  des
Schäfleins  ein  warmes  Leibchen  und  ein  Paar  warme
Strümpfe,  und  legte  alles  dem  Büblein  an.  Da  wurde  es
wieder  lustig  und  munter,  und  es  freute  sich,  dass  der  liebe
Gott  ihm  das  Schäfchen  gegeben,  das  so  warme  Wolle
für  die  Menschen  hat.  Johann  Staub.
        <pb n="101" />
        —  101  —

 

 

 

 

 

 

 

251.  Der  Fuchs.

   

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Der  Fuchs  gheims  an  Gestalt  und  Grösse  einem
Spitzhunde.  Er  ist  von  gelbroter  Farbe.  Bauch  und  Kehle
sind  weiss.  Sein  Kopf  ist  sehr  zugespitzt.  Der  Schwanz
ist  lang  und  zottig.  Der  Fuchs  lebt  in  unseren  Wäldern
und  baut  sich  künstliche  Höhlen.  Von  hier  geht  er  auf
Raub  aus.  Er  frisst  Geffügel,  Hasen,  Kaninchen,  Ratten,
Mäuse,  Fische  und  Würmer,  auch  Eier  und  Früchte.

"Er  wird  vom  Jäger  geschossen.  Sein  Fell  giebt  ein  gutes
Pelzwerk.

252.  Der  Ilgel  und  der  Maulwurk.

Der  Igel  sah,  dass  es  Winter  wurde,  und  bat  den
Maulwurf:  2Gieb  mir  doch  ein  Plätzchen  in  deiner  Höhle;
es  wird  schon  so  kalt.  Sonst  muss  ich  erfrierenle

Der  Maulwurf  war  es  zufrieden  und  liess  den  Igel
herein.  Aber  nun  machte  sich  der  lgel  breit,  und  der
Maulwurf  stach  sich,  bald  hier,  bald  dort,  an  den  spitzen
Stacheln  seines  Gastes.  Da  bat  der  Maulwurf:  „Höre,
lieber  Igel,  geh’  doch  wieder  hinaus;  meine  Wohnung
ist,  wie  ich  seche,  für  uns  beide  zu  kleinl

Aber  der  undankbare  Igel  lachte  und  sprach:  Wem

es  hier  nicht  gefällt,  der  kann  ja  hinausgehn.  Ich  für
mein  Teil  bin  recht  wohl  zufrieden  und  bleibe  hierlte

 

—  —  —
        <pb n="102" />
        —  102  —

 

 

Der  Maulwurf  sah  nun  ein,  wie  thöricht  er  gehandelt

  hatte,  und  sagte:  „Ein  andermal  werde  ich  besser

zuschen,  wen  ich  als  Gast  in  mein  Haus  aufnehme.
August  Gottlieb  Meissner.

253.  Der  Storch.

Ei,  wie  hoch  stcht  der  Storch  auf  seinem  Neste  mit
seinen  langen  Beinen  und  seinem  langen  Hals!  Man  meint,
er  stände  auf  Stelzen.  Und  sein  Schnabel  klappert  zuweilen
  wie  eine  Mühle.  Neben  ihm  stehen  die  Jungen.
Ich  glaube,  es  sind  ihrer  drei.  Eins  ist  aus  dem  Jeste
auf  das  Pflaster  gefallen,  denn  es  konnte  noch  nicht  fliegen.
Die  Jungen  sind  gerade  so  weiss  und  schwarz  wie  die
alten  Störche.  Bald  werden  sie  gross  genug  sein,  um  mit
auf  die  Wiese  zu  fliegen.  Dann  holen  sie  sich  selbst  die
Frösche,  welche  ihnen  jetzt  die  Alten  bringen.  Sieh,
jetzt  breitet  der  alte  Storch  die  Flügel  aus  und  fliegt  über
das  Dach  weg,  die  Beine  zieht  er  an  den  Leib,  und  fort
geht  es.

Wilhelm  Curtmann.

254.  Die  Krähe,  die  sich  mit  fremden  Federn
Schmückt.

Eine  Krähe  schmückte  sich  mit  den  Federn,  welche
der  Pfau  verloren  hatte,  und  meinte,  sie  wäre  nun  auch
ein  Pfau.  Darum  wollte  sie  nicht  mehr  bei  den  Krähen
bleiben,  sondern  mischte  sich  unter  die  Pfauen.  Aber
diese  merkten  sogleich,  dass  der  fremde  Gast  kein  Pfau
sei,  sondern  eine  eitle  Krähe.  Sie  rupften  dem  unverschämten
  Vogel  die  fremden  Federn  aus  und  jagten  ihn
mit  den  Schnäbeln  fort.  Betrübt  ging  die  Krähe  zu  ihren
Schwestern  zurück;  aber  auch  von  diesen  wurde  sie  nun
verspottet  und  fortgetrieben.  Sie  musste  fortan  ein  einsames,
  trauriges  Leben  führen.

 

 

 

—
        <pb n="103" />
        —  103  —

 

Die  Fabel  erinnert  daran,  dass  wir  nicht  mehr  scheinen
sollen,  als  wir  sind,  und  dass  wir  jedem  seine  Vorzüge
lassen  sollen.

255.  Die  Hausschwalbe.

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Die  Hausschwalbe  ist  ein  zutrauliches  Vögelchen.
Ihr  Gefieder  ist  auf  dem  Rücken  bläulich  schwarz,  am
Bauche  weiss.  Sie  hat  sehr  grosse  Flügel.  Der  breite
Schwanz  ist  gegabelt.  Die  Schwalbe  fliegt  sehr  schnell.
Im  Fluge  hascht  sie  Insekten.  Dadurch  wird  sie  sehr
nützlich.  Ihr  Nest  baut  sie  aus  Lehm  an  die  Häuser.
Darin  wohnt  sie  im  Frühling  und  Sommer  und  zwitschert
ihr  Liedchen.  Im  Herbste  zieht  sie  in  wärmere  Länder.
Im  Frühlinge  sucht  sie  die  alte  Heimat  wieder  auf.

1  256.  Der  Star.

Der  alte  Jäger  Moritz  hatte  in  seiner  Stube  einen
abgerichteten  Star,  der  einige  Worte  sprechen  konnte.

 

 

—
        <pb n="104" />
        —  104  —

 

—

Wenn  der  Jäger  rief:  »Stärlein,  wo  bist  du?«  so  schrie
der  Star  allemal:  »Da  bin  ich!l«

Des  Nachbars  kleiner  Karl  hatte  an  dem  Vogel
seine  ganz  besondere  Freude  und  ging  oft,  ihn  zu  sehen.
Als  Karl  einmal  wiederkam,  war  der  Jäger  nicht  in  der
Stube.  Karl  fing  geschwind  den  Vogel,  steckte  ihn  in
die  Tasche  und  wollte  sich  fortschleichen.

In  demselben  Augenblicke  kam  der  Jäger  zur  Thür
herein.  Er  gedachte,  dem  Knaben  eine  Freude  zu  machen,
und  rief  wie  gewöhnlich:  Stärlein,  wo  bist  du?  —  Und
der  Vogel  in  der  Tasche  des  Knaben  schrie,  so  laut  er
konnte:  Da  bin  ichla  Christoph  von  Schmid.

257.  Vom  Spinnlein  und  Mücklein  ein  trauriges
Stücklein.

 

1.  Die  spinne  hat  gesponnen  den  Silberfaden  zart
und  fein.  Du  Mücklein  in  der  Sonnen,  nimm  wohl  in
acht  die  Flügelein!

2.  Die  Spinne  hat  gewebet  ihr  seidnes  Netz  mit
kluger  Hand;  wer  weiss,  wie  lang  noch  lebet  fein  Mücklein,
  das  die  Flügel  spannt.
        <pb n="105" />
        —  105  —

 

 

 

—  —

 

3.  Fein  Mücklein,  horcht,  wie  denkt  es?  Durchs
Netz  zu  fliegen  sei  ein  Spiel;  Frau  Spinne  aber  fängt  es

und  speist  es  auf  mit  Stumpf  und  Stiel.
Friedrich  Güll.

258.  Die  Hausspinne.

Die  Hausspinne  lebt  in  Häusern,  Scheunen  und
Ställen.  Sie  ist  gelbbraun.  Ihr  Kopf  ist  klein.  Er  bildet
mit  der  Brust  ein  Stück.  An  demselben  sind  vorne  Fangklauen.
  Sie  hat  acht  Augen.  An  der  Brust  sitzen  acht
Beine.  Der  Hinterleib  ist  dick.  Er  fühlt  sich  weich  an.
An  ihm  sind  Spinnwarzen.  Die  Spinne  webt  ein  künstliches
  Netz.  Darin  füngt  sie  Mücken  und  Fliegen.

259.  Der  Maikäfer.

 

Der  Maikäfer  erscheint  im  Mai  und  gehört  also  zu
den  Frühlingsgästen.  Er  wird  einen  Zoll  lang.  Der
Körper  besteht  aus  Kopf,  Brust  und  Hinterleib.  Der
Kopf  ist  klein.  An  demselben  stehen  die  fächerförmigen
Fühler  und  zwei  grosse  unbewegliche  Augen.  Er  hat
sechs  Beine.  Unter  den  hellbraunen  Flügeldecken  liegen.
zwei  netzartige  Flügel.  Der  Hinterleib  ist  schwarz  ge- 



–

—  —  —  —  —  —  —
        <pb n="106" />
        —  106  —
färbt.  An  den  Seiten  sind  weisse  Punkte.  Er  endet  in
eine  hellbraune,  hornartige  Spitze.

Der  Maikäfer  lebt  von  Baumblättern,  auf  welchen
er  sich  bei  Tage  aufhält.  Schüttelt  man  ihn  herunter,
80  liegt  er  wie  tot  auf  dem  Boden.  Des  Abends  fliegt
er  mit  starkem  Gesumme  umher.  Das  Weibchen  legt
seine  Eier  in  die  Erde.  Aus  diesen  kommen  gelbliche
Engerlinge.  Die  Engerlinge  werden  erst  nach  vier  Jahren
zu  Maikäfern.

260.  Sprichwörter  von  Tieren.

Jeder  Vogel  hat  sein  Nest  lieb.

Eine  Schwalbe  macht  keinen  Sommer.

Eine  Kuh  deckt  viel  Armut  zu.

Viele  Hunde  sind  des  Hasen  Tod.

Hechte  werden  von  kleinen  Fischen  gross.
Die  Eule  mag  den  Tag  nicht  loben.
Geschenktem  Gaul  sieh’  nicht  ins  Maul.

Ein  schlafender  Fuchs  fängt  kein  Huhn.
Kleine  Mäuse  haben  auch  Ohren.

Ein  blindes  Huhn  findet  auch  wohl  ein  Korn.
.  Dem  fleissigen  Hamster  schadet  der  Winter  nichts.
Die  Katze  lässt  das  Mausen  nicht.

#%  m  „  .[

—  —  —
d  S

Volksmund.

261.  Die  Tulpe.

Die  Tulpe  ist  eine  Blume,  welche  zur  Zierde  in  den
Gärten  gezogen  wird.  Sie  wächst  aus  einer  Zwiebel,  ist
glockenförmig  gebildet,  riecht  wenig  oder  gar  nicht.  Der
fusshohe  Stengel,  auf  welchem  die  Blume  sitzt,  ist  von
der  Dicke  einer  Federspule.  Es  giebt  Tulpen  von  den
verschiedensten  Farben,  so  wie  man  auch  gefüllte  und
einfache  hat.

 

 

—  —  —  —
        <pb n="107" />
        —  107  —

 

 

262.  Die  Erdbeere.

Die  Erdbeere  ist  ein  kleines  Pflänzchen,  das  fast
überall  wächst.  Die  Wurzel  treibt  Ausläufer.  Die  gezähnten
  Blätter  sind  dreizählig.  Sie  sitzen  an  langen
Stielen.  Die  Blüte  ist  weiss.  Sie  hat  fünf  rundliche
Blumenblätter  und  viele  Staubfäden.  Die  Erdbeere  blüht
im  Mai  und  Juni.  Die  Beeren  sind  rot.  Man  isst  sie
roh  und  eingemacht.  Sie  sind  sehr  wohlschmeckend.
Die  Kinder  suchen  darum  gern  Erdbeeren.

263.  Drei  Rechenrätsel.

1.  Wie  viel  Nägel  braucht  ein  gut  beschlagenes  Pferd?
2.  Wie  können  zehn  Personen  zehn  Eier  so  teilen,
dass  jede  ein  Ei  bekommt  und  doch  noch  ein  Ei  in  der
Schüssel  bleibt  ?7
3.  Es  sassen  zehn  Sperlinge  auf  dem  Dach,
da  kam  ein  Jäger  und  schoss  danach;
er  traf  jedoch  davon  nur  vier.

Wie  viel  blieben  sitzen?  —  das  sage  mir.
Volksmund.

264.  Der  gute  Kamerad.

Ich  hatt’einen  Kameraden,  2.  Eine  Kugel  kam  geflogen:
einen  bessern  find'st  du  nit.  gilt's  mir  oder  gilt  es  dir?
Die  Trommel  schlug  zum  Ihn  hat  es  weggerissen;

 

Streite,  er  liegt  mir  vor  den  Füssen,
er  ging  an  meiner  Seite  als  wär's  ein  Stück  von
in  gleichem  Schritt  und  Tritt.  mir.

3.  Will  mir  die  Hand  noch  reichen,
derweil  ich  eben  lad.
„Kann  dir  die  Hand  nicht  geben,
bleib  du  im  ew'gen  Leben
mein  guter  Kameradle  Ludwig  Uhland.
        <pb n="108" />
        —  108  —

 

 

 

265.  Die  Lebensstuten.

1%  Jahr  —  ein  Kind.  60  Jahr  —  gehts  Alter  an,
20  Jahr  —  jung  gesinnt,  70  Jahr  —  ein  Greis,
30  Jahr  —  rascher  Mann,  80  Jahr  —  schneeweiss,

40  Jahr  —  wohlgethan,  90  Jahr  —  gebücktzum  Tod,

50  Jahr  —  stille  stahn,  Jahr  —  Gnad’  von  Gott!
Volksmund.

266.  Die  heiligen  zehn  Gebote.

1.  Ich  bin  der  Herr,  dein  Gott.  Du  sollst  nicht
andere  Götter  haben  neben  mir.

2.  Du  sollst  den  Namen  deines  Gottes  nicht  unnützlich
  führen,  denn  der  Herr  wird  den  nicht  ungestraft
lassen,  der  seinen  Namen  missbraucht.

3.  Du  sollst  den  Feiertag  heiligen.

4.  Du  sollst  deinen  Vater  und  deine  Mutter  ehren,
auf  dass  dir'’s  wohlgehe  und  du  lange  lebest  auf  Erden.

5.  Du  sollst  nicht  töten.

6.  Du  sollst  nicht  ehebrechen.

7.  Du  sollst  nicht  stehlen.

S.  Du  sollst  nicht  falsch  Zeugnis  reden  wider  deinen
Nächsten.

9.  Du  sollst  nicht  begehren  deines  Nächsten  Haus.

Du  sollst  nicht  begehren  deines  Nächsten  Weib,
Knecht,  Magd,  Vich,  oder  alles,  was  Sein  ist.

 

267.  Wahlspruch.

Mit  Gott  fang  anl
Mit  Gott  hör'’  auf!
Das  ist  der  beste  Lebenslauf.
        <pb n="109" />
        Inhaltsverzeichnis.

I.  In  der  Schule.

Nr.  Seite
1.  Denkspriht  3
2.  Rätel.  3
3.  Das  Büblein  auf  dem  Schulweg  3
4.  Schuleetin  3
5.  Zwei  Sprüche  4
6.  Zehn  Fraen  4
7.  Woraus  die  Dinge  gemacht  sind.  4
8.  Zwei  Sprühe  4
9.  Der  Schwäzzer  5
10.  Wie  das  Kind  sein  sool  5
11.  Snss.  5
12.  Was  das  Kind  wissen  kan.  6

13.  Was  das  Kind  nicht  wissen  kann  6
14.  Das  Buch  6
15.  Ermunternnng.  6
16.  Sprüche  7
17.  Die  Schiefertafel.  7

II.  Das  Elternhaus.
18.  Das  Hauuius  7
19.  Es  kommt  ein  schwarzer  Mann  8
20.  Gebt  acht.  8
21.  Kind  und  Licht.  ..  .  .  .  ..  9
22.  Bruder  und  Schwester.  .  ...  9
23.  Hund  und  Kazztte  9
24.  Kind  und  Täubchhen  10
25.  Artige  Kinder.  10
26.  Der  LTUüoner  10
27.  So  geht's,  wenn  man  lügt.  11
28.  Was  hast  denn  du.  11
29.  Wen  ich  libbe  .  ..  11
30.  Warum  liebst  du  deine  Mutter

so  seren.  12
31.  Wenn  das  Kind  ausfwacht.  12
32.  Der  kleine  Schüler  12

 

Nr.
33.

34.
35.
36.
37.
38.
39.
40.
41.
42.
43.
44.
45.
46.
47.
48.
49.
50.
51.
52.
53.

54.
55.
56.
57.
58.
59.
60.
61.
62.
63.
64.
65.
66.

Die  Mägde  und  der  Haushahn.
Die  Fliege  und  ihre  Jungen
Die  Falle  und  die  Maus

Die  Pupen.
Ein  Sprüchlein  für  die  Puppe
Was  ein  Reitersmann  haben  muß.
Der  kleine  Gernegroß
Blindekuh
Kinderspiele
Was  das  Mädchen  thun  kann
Knabe  und  Vater
Winterabend

·6  *"“"  "  ""  "  „

EEEEIIIEILEIEEEIIIIIIEIIII

Haltet  Gottes  Gaben  in  Ehren.
Bei  Tische
Wie  bleibt  man  gesundd
Das  beste  Getränk
Das  kranke  Kind
Das  selige  Kind
Blick  von  oben

EEIIEEIIIIEEIIIIII
EEEEEIIEIIEEIIIEIIIIIIII
—  2  —eo  —22  —Do—oö  9

III.  Der  Hof.

Der  .H
Der  Hahn  am  Morgen

Rätsel
Henne  und  Küchlen  -.
Zum  Preise  Gottes
Die  Tauben
Wie  die  Tiere  sich  nähtren
Katze  und  Schwalel.
Kind  und  Kätzchen
Vom  brummenden  Kater
Der  kluge  at

Seite.
13

13
13
14
14
14
15
15
15
16
16
16
17
17
17
17
18
18
18
19
19

19
20
20
21
21
21
22
22
23
23
23
24
24
        <pb n="110" />
        Nr.

67.
68.
69.
70.

71.
72.
73.
74.

75.
76.
77.
78.
79.
80.
81.
82.
83.
84.
85.
86.
87.
88.
89.
90.
91.
92.
93.
94.

95.
96.
97.
98.
99.

100.
101.
102.
103.
104.—
105.

Seite.
Knabe  und  Esel.  24
Das  Schlachtfsit  25
Vogelflsaa  25
Abschied  der  Schwalbeen  25
IV.  Im  Garten.
Mein  Gärthen  26
Der  Reggen  27
Bienchen  und  Blime  27
Eintracht  ernährt,  Unfriede  verzehcrt
  27
Rätsel  28
Das  Kind  und  sein  Blümchen  28
Das  Schneeglöckhken  29
Das  Veilbben  22V9
Spruic  29
Das  frühe  Veilchen  29
Imker  und  Biendden  30
Petz  und  Bienchen  30
Bär  und  Barer  31
Der  Käsers  31
Quäle  nie  ein  Ter  31
Maikäse  32
Knabe  und  Schmetterlinng.  32
Die  Biene  und  die  Taube.  33
Rätkel  33
Die  Weintraube  33
Die  Nuß  in  grüner  Schalel  34
Hans  im  asagg  34
Der  Pflaumeneegen  34
Das  dankbare  Bäumchen  35
V.  Die  Stadt.
Die  Sadt.  35
Glockenton  36
Der  Kirchgag.  306
Die  Kirche  37

Spruch  von  der  Kirche  und  dem

Tüurnnnen  37
Der  Dampfwagen  37
Böttcherliidd  38
Auf  dem  Jahrmarkte  .  .  .  ..  38
Knabe  und  Krüppel  ..  ...  39
Die  Puprn  39
Sperlinge  unter  dem  Hute  39

 

Nr

106.
107.
108.
109.
110.
111.
112.
113.
114.

115.
116.
117.
118.—
119.
120.
121.
122.
123.
124.
125.
126.
127.
128.
129.
130.
131.
132.
133.
134.

135.
136.
137.
138.
139.
140.
141.

142.
143.

VI.  Das  Dorf.

Seite.
Das  Dorrr  ...  40
Die  Glockc  40
Der  Kirchhof  .  .  ..  .  ...  41
Der  lustige  Musikat  4
Das  Brot  im  Wige  4
Die  Mühlll  ...  42
Die  Windmühle  .  .  .  .  ...  42
Die  Sonne  geht  zur  Ruh.  ..  43

Kinder,  nehmt  keine  Vogelnester
auss  43
VII.  Das  Feld.
Das  Feleltldd.  44
Das  Samenkon  44
Lied  der  Landleute  zur  Saatzeit.  44
Der  Bauer  und  sein  Sahn  45
Rätklel  45
Sei  bescheden  45
Regen!  Regernrnn  .  ..  45
Der  Regenwurm.  .  .  .  46
Jockkelll  .  ...  46
Der  gute  Müher  47
Was  ist  dadss  47
Das  Korn  ..  .  ...  407
Roggen,  Weizen,  Gerste,  Hafer.  48
Das  Schäscheen  48
Das  Lämmche  48
Gottes  Fürsorge  im  Kleinen.  49
Kind  und  Kuckuck.  49
Der  Jäger  und  der  Fuchs.  50
Häslein  im  Mondenschein  51

Das  Kaninchen  und  der  Fuchs  51

VIII.  Auf  der  Wiese.

Sprucisss  52
Vergißmeinnicht-Name  52
Vergißmeinnicht  .  ..  52
Das  Gänseblümcen  53
Der  alrllrlrlrl  53
Die  Schnckken  53
Der  Wiederhall.  54
IX.  Im  Walde.
Die  grüne  Stadt.  .  .  .  .  .  .  54
Waldvögllen.  55
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        Nr.
144.

145.
146.
147.
148.
149.
150.
151.
152.
153.
154.
155.
156.

157.
158.
159.
160.
161.
162.
163.
164.
165.
166.

167.
168.
169.
170.
171.
172.
173.
174.
175.
176.
177.
178.

179.
180.

Seite.
Vom  listigen  Grasmücklein  ein
lustiges  Stücklien.  55
Kletterbüblen  56
Gefunnnen  56
Heidenröslen  57
Die  Heidelbeeren  57
Naschhaftigkit  57
Die  Pilze  oder  Schwämme  58
Das  Männlein  im  Wale  58
Der  Tannenbaun  59
Die  trr  59

Der  Fuchs  und  das  Rotkehlchen  60

Der  Gänsedtbb.  60
Der  weiße  Hirss  60
X.  Das  Wasser.
Das  Wasser  61
Fischllen  61
Der  Steg.  62
Der  habgierige  Hund  62
Die  Brüden  62
Die  beiden  Zuiegen  62
Untrie  .  ...  63
Die  Wasserrose  ...  .  ...  63
Das  MNerl  64
Der  kluge  Ster  64
XI.  Luft  und  HDimmel.
Die  Luft.  .  .  ...  .  ...  65
Der  W4mbddldl  65
Jung  Bäumchen  65
Die  Eiche  und  die  Weide  66
Die  Vöglein  im  Neste  66
Sonne  und  Regen  67
Beim  Gewiter  67
Rätsel  68
Der  Regenbegen  68
Rätel  68
Der  Mond  als  Schäfer  68
Die  Sternllen  69
XII.  Berg  und  Thal.

Berg  und  Tall  69
Was  das  Bächlein  auf  der  Reise

sprict  ....  70

111

 

Nr

181.
182.
183.
184.
185.

186.
187.
188.
189.
190.
191.—
192.
193.
194.
195.
196.
197.
198.
199.
200.
201.
202.
203.
204.
205.
206.
207.
208.
209.
210.
211.

212.
213.
214.
215.-216.

217.
218.
219.
220.
221.
222.

Seite.
Auf  den  Bergen  ist's  schn  70
Schützenlddd#  70
Spruch...  ......  70
Schäfer  und  Schafbock  J1
Das  Sallz.  71

XIII.  Tages-,  Jahres-  und

Festzeiten.

Die  7  Wochentage
Die  Wochentage
Die  Namen  der  12  Monate
Das  Jahr
Die  vier  Jahreszeitiiten
Spruch  von  der  Uhr
Morgengebttte.
Tischgebete
Abendgebet
Schulgebete
Das  Gebet  des  Herrn
Wiegenlied
Schlafliedchen
Die  Sterne
Wächterruf
Des  Frühlings  Einuggg
Des  Kuckucks  Ruf
Der  Somen
Der  Mittag  im  Sommer
Herbstlied
Ein  schöner  Herbsttag.  .  .  ..
Der  erste  Schnee..  ..  .  ..
Schlittenrit.  ..
Das  Büblein  auf  dem  Eise
Die  Geiß  auf  dem  Eise
Bescheidene  Bitte  des  Herrn
Spatz  und  der  Frau  Fink

Vor  Weihnachten
Der  Weihnachtsman
Bitte  an  den  Weihnachtsmann.
Gebet  zum  heiligen  Christ
Weihnachtslided.
Neujahrswunsch  für  die  Eltern.
Karfreitaan
OÖstern
Von  den  Östereier

Pfingsten  ·
DieBirke..........

IIIIIIIII

IIIIIIIIII

72
72
73
73
73
73
73
73
74
74
75
75
75
76
76
77
77
78
78
7

79
79
80

80
81
81
81
82
82
83
        <pb n="112" />
        223.
224.

225.
226.
227.

228.
229.
230.
231.

236.
237.
238.
239.

240.
241.

Seite.
Zum  Geburtstage  des  Vaters.  84
Zum  Geburtstage  der  Mutter  85

XIV.  Kaiser  und  VPeich.
Mein  Vaterland
Kaiser  Wilhelm  in  Emis.  85
Büblein  wirst  du  ein  Rekrut.

merk  dir  dieses  Liedchen  gut.  86

Die  Soldartrten  87
Ehre  das  Alter  87
Der  Stelzfi  87
Deutscher  Kat  88

XV.  Gott  und  HDimmelreich.
232.
233.
234.
235.

Gott  ist  überal.  88
Gottes  Nhe  89
Gottes  Allwissenheit  .  .  .  ..  89

Unschuld  und  ein  rein  Gewissen
ist  das  beste  Ruhekissen  89
Lob  Gottes

Die  Eunllell  9%dD0

König  und  Kind  91

Zwei  Eltern  und  ein  Gott.  91
XVI.  Buntes.

Die  lateinische  Schrift  992

Sprüchhe  96

112

 

 

Nr.

242.
243.
244.
245.
246.
247.
248.
249.
250.
251.
252.
253.
254.

255.
256.
257.

258.
259.
260.
261.
262.
263.
264.
265.
266.
267.

Seite.
Ein  schöner  Wahrspruch  97
Die  Line  97
Kind  und  Fedder  97
Nur  ein  Sandkton  98

Der  Esel  und  das  Jagdpferd.  98

Rätselfragen  nebst  Antworten  99
Die  Kuh.  ....  .....  99
Das  Pferce.  100
Das  geschorene  Schaf  100
Der  Fuichs  101

Der  Igel  und  der  Maulwurf.  101
Der  Storbkl.  102
Die  Krähe,  die  sich  mit  fremden

  Federn  schmückt
Die  Hausschwalbe
Der  Sar.
Vom  Spinnlein  und  Mücklein

102
103

ein  trauriges  Stücklein  104
Die  Hausspine  105
Der  Maikäser.  105
Sprichwörter  von  lieren  106
Die  LTuen  106
Die  Erdbere.  107
Drei  Rechenrätsee  107
Der  gute  Kameral  107
Die  Lebensstuseen.  108
Die  heiligen  zohn  Gebote.  .  108
Wabhlspruch.  ...  .  .  ..  108

—

Druck  von  Breitkopf  und  Härtel  in  Leipzig.
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      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
