Vorwort.

In  dankenswerter  Weise  hat  sich  Frau  Gräfin  Wilhelm  Bismarck
  entschlossen,  die  sämtlichen  in  Urschrift  erhaltenen  Briefe  Ottos
von  Bismarck  an  ihren  Dater  und  ihre  Mutter  dem  deutschen  Dolke
als  Erinnerungsgabe  bei  der  Joo.  Wiederkehr  des  Jahrestages  der
Geburt  Bismarcks  in  getreuem  und  (mit  wenigen  Auesnahmen)
unverkürztem  Abdruck  darzubieten,  und  den  Unterzeichneten  mit
der  Herausgabe  betraut.  SEinige  dieser  Briefe  sind  bereits  früher
teils  in  Auszügen,  teils  vollständig  veröffentlicht  worden:  zuerst
  von  Sesekiel  in  seinem  Lebensbilde  Bismarcks,  später  vielfach
  berichtigt  und  ergänzt  in  der  Sammlung  der  „Biemarckbriefe“
  (s.  Aufl.  Derlag  von  Delhagen  und  Rlasing,  Bielefeld  und
leipzig);  eine  größere  Zahl  ist  bisber  der  Offentlichkeit  nicht  zugänglich
  gewesen.  Die  Briefe  verteilen  sich  auf  einen  Feitraum
von  54  Jahren  und  gewähren  dem  (eser  einen  tiefen  Einblick  in
das  Seelenleben  ihres  Derfassers:  der  übersprudelnde  Humor  der
Jugend  wird  abgelöst  durch  den  Ernst  des  in  Familie  und  Amt
fest  wurzelnden  Mannes,  um  schließlich  in  der  Wehmut  des  Greises
auszuklingen,  dem  die  Sorge  um  die  Fukunft  seines  Dolkes  den
lebensabend  verdüsterte.  Der  Grundton  aber,  auf  den  alle  Briefe
gestimmt  sind,  ist  der  einer  unwandelbaren  Liebe  und  Derehrung
zu  der  geistig  ihm  nabestehenden  und  innerlich  eng  verwachsenen
Schwester,  sowie  der  treuen  Freundschaft  zu  dem  Schwager,  dem
Gefährten  seiner  fröhlichen  Jugend  und  tapferen  Witstreiter  in
den  Feiten  schweren  politischen  Rampfes.  Niemand  wird  ohne
innere  Teilnahme  diese  Selbstzeugnisse  des  großen  Mannes  lesen;

VII