1.
[Berlin,  12.  April  1845.
Cieber  Oscar

Werde  nicht  verdrießlich,  wenn  ich  Dich  4  Wochen  auf  Antwort
  habe  warten  lassen  und  Dich  nun  mit  einem  ich  glaube
abspeise.  Ich  glaube  vermuthe  und  hoffe  nämlich  mit  ziemlicher
Sicherheit  Dich  im  Juni,  nach  dem  Wollmarkt,  aufsuchen  zu
können,  wo  Du  auch  sein  magst.  Vorber  kann  ich  aus  zwei  Gründen
  nicht,  1.  weil  die  nöthige  Regulirung  meiner  Geldangelegenheiten
  meine  Anwesenheit  mindestenls!  noch  2  Monat  lang  fordert,
  und  2.,  weil  mein  Derwalter,  der  Mann  meines  Oertrauens,
  schwer  krank  ist,  und  es  sich  bis  dahin  entscheiden  muß,
ob  er  sich  bessert  oder  ich  ihm  einen  adjunctum  geben  muß.  Derangire
  aber?)  Deine  Reise  durchaus  nicht,  richte  sie  so  ein,  wie
Du  sie  allein  machen  würdest;  denn  die  vernünftigsten  Berechnungen
  können  fehl  schlagen  und  ich  ohne  Geld  bleiben,  oder  die
VDerhandlungen  darüber  können  durch  die  bekannte  saumselige
Infamie  unsrer  Gerichte  so  in  die  länge  gezogen  werden,  daß
ich  selbst  im  Juni  noch  nicht  reisen  kann.  Wenn  Du  dann  nicht
mehr  in  Italy  bist,  so  kann  ich  Dich  in  Stambul  oder  sonst  wo
aufsuchen,  deßhalb  schreibe  mir  nur,  wann  und  wo  Du  hin  gehst.
Wenn  wir  durch  Italien  zurückgehn,  so  möchte  ich  auf  dem  Sinwege
  von  Wien  per  Dampf  die  Donau  entlang  gehn,  wobei
ich  glaub  ich  Zeit  gewinnen  würde.  Mir  geht  es  übrigens  leidlich,
  nur  daß  mein  Bruder  einen  sehr  gesunden  Sohn  gemacht
hat  und  ich  mich  augenblicklich  hier  im  hötel  de  Brandenburg
im  Besitz  eines  scheußlichen  Katzenjammers  befinde,  den  ich  mir
gestern  im  fliegenden  Esel  gekauft  habe,  so  daß  ich  kaum  aus

*)  OCriginal:  oder.

1  Briefe  Biemarcks  an  Schwester  und  Schwager