0.

(Raugard,  z1.  Mai  14441.
Lieber  Oecar

mit  meiner  Schwägerin  ist  keine  Soffnung;  sie  ist  ohne  Besinnung,
  phantasirt  fortwährend  mit  offnen  Augen,  hört  und
sieht  kaum  mehr,  sie  kannte  mich  gar  nicht.  Der  Doctor  sagt,  sie
könne  jede  Stunde  sterben  1);  vorgestern  Abend  hatte  er  mit  Bestimmtheit
  erklärt,  sie  wer  de  die  Nacht  nicht  überleben;  sie  schlief
aber  nach  heftigen  [Zu]fällen?)  ein,  wachte  auf  und  war  eine
Seit  lang  munter  und  bei  Belsinnung]),  bis  mit  dem  Fieber  der
alte  Justand  slich  erneuertel  2).  Der  Dater  läßt  Dich  grüßen;  er
wohnt  mit  [WMalwine  bei]?)  6  3)  ulnd]  wird  nun  wohl
das  Ende  abwarten,  um  meinen  Bruder  dann  wenn  möglich  zu
bewegen,  daß  er  auf  einige  Feit  mit  nach  Schönbausen  gebt.  Sei
doch  so  gut  und  gieb  meiner  Tante  Ressel  Hachricht.  Empfiehl
mich  den  Damen.  Dein

Dienstag  früb.  Bemk.
An  Herrn  von  Arnim-KRröchlendorf  Zufgabestempel:  Naugard
Sochwohlgeboren  2
fr.  Berlin  Ankunftstempel
Schützenstr.  02  22
5

1)  Sie  starb  am  22.  Mai  1244.

Oie  in  eckigen  Klammern  gesetzten  Ergänzungen  rühren  vom  Herauegeber
ber,  der  Brief  ist  beim  Offnen  verletgt  worden,  so  daß  einzelne  Worte  oder
Teile  von  Worten  zerstört  worden  sind.  Einzelne  Buchstabenreste  gestatteten
die  Ergänzung  in  der  im  Vexte  niedergelegten  Sorm.  Der  Name  Malwine
ist  vermutungsweise  eingesetzt.

")  Unleserlich,  vermutlich  Name  eines  Gastwirte.

10