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Liebe  Malle

Seit  einigen  Tagen  ist  beim  Vater  wieder  Hoffnung,  wenn
nicht  zur  gänzlichen  Herstellung,  doch  zur  Beseitigung  der  augenblicklichen
  Gefahr.  Als  ich  kam,  hatte  man  am  Tage  zuvor  einen
vergeblichen  Versuch  gemacht,  ihm  Röhren  in  den  Schlund  zu
bringen,  durch  die  dem  Magen  Nahrung  zugeführt  werden  könnte.
Er  behielt  meiner  Ueberzeugung  nach  nicht  das  Geringste  von
dem,  was  er  zu  sich  nahm,  bei  sich,  so  daß  nach  Meinung  der  Aerzte
sein  Tod  an  Entkräftung  in  einigen  Wochen  unvermeidlich  erfolgen
  müßte.  Er  selbst  ahnte  nichts  davon,  glaubte,  daß  er  seine
Speisen  theilweis  bei  sich  behielte,  und  machte  Hläne  für  die  Fukunft.
  Seitdem  ist  es  gelungen,  Anfangs  mit  ganz  dünnen,  später
mit  etwa  viertelzölligen  biegsamen  RNöhren  einen  Weg  durch  die,
vermuthlich  von  Schwammbildungen  verschlossenen  Stellen  im
Schlunde  zu  finden,  und  ihm  durch  diese  Röhren  nahrhafte
Slüssigkeiten  einzuspritzen.  Er  leidet  bei  Einführung  dieser  Röhren
  weniger,  als  man  glauben  sollte;  es  fatiguirt  ihn  die  Operation,
  ohne  schmerzhaft  zu  sein.  Sie  hat  das  Gute,  ihm  für
den  Augenblick  Nahrung  beizubringen,  hauptsächlich  aber,  durch
Anwendung  allmählich  stärkerer  Röhren,  die  fast  verwucherte
Oeffnung  des  Schlundes  zu  erweitern,  was  in  dem  Waße  gelungen
  ist,  daß  er  in  den  letzten  drei  Tagen  einen  guten  Tbeil
seiner  Speisen  entschieden  in  den  Magen  gebracht  hat,  und  in
seinen  Bewegungen  merklich  rüstiger  ist  als  in  den  ersten  zwei
Tagen  meines  Hierseins.  Indessen  ist  seine  Mattigkeit  schon  zu
sehr  vorgeschritten,  die  beschriebne  Srnährungsart  zu  künstlich
und  unsicher,  als  daß  man  sich  voreiligen  Hoffnungen  bingeben

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