will,  als  Sr.  Masestät  Commissarius  bei  dortigen  Meliorations-Arbeiten.
  Diese  Stellung  würde  mir  vor  der  Hand  einen  ganz
interessanten  Mirkungskreis  und  demnächst  eine,  wie  ich  glaube,
unter  jetzigen  Umständen  sehr  günstige  Aussicht  auf  schnelle  Beförderung
  im  Dienst  geben.  Aber  ich  würde  auf  das  bescheidnere
und  sicherere  loos,  welches  sich  mir  bier  bietet,  verbunden  mit
der  Auesicht  auf  den  Landrath,  verzichten.  Alvensleben  wird
diesen  letgtern  Hosten  schwerlich  länger  als  3  bis  4  Jahr  behalten,
  da  seine  Kränklichkeit  schon  jetzt  ersichtlich  im  Junehmen
ist;  meine  Ansicht  stützt  sich  auf  ärztliches  Gutachten.  Bernhard
  redet  mir  wider  Erwarten  sehr  zu,  nach  Hreußen  zu  gehns).
Ich  möchte  wissen,  was  er  sich  dabei  denkt.  Er  behauptet,  ich
sei  nach  Neigung  und  Anlage  für  den  Staatsdienst  gemacht
und  würde  früher  oder  später  doch  hineingehn.  à  propos  von  A.
Louischen  fängt  an  zu  altern;  sie  hat  eine  entstellende  Falte  zwischen
  beiden  Augen,  als  wenn  sie  an  Migräne  litte.  Es  giebt
Bösewichter  bier,  die  behaupten,  sie  schon  vor  12,  sage  zwölf
Jabren,  erwachsen  auf  Bällen  gesehn  zu  haben.  Indessen  ist  sie
recht  wohl  gebaut  und  von  behaglichem  Wesen  im  Umgange.
WMeinst  Du,  daß  ich  mich  bemühn  soll,  sie  zu  heirathen?"  Wenn
ich  nur  wüßte,  ob  sie  reinlich  ist.  Am  Sonnabend  ist  Ball  in
Rathenow;  ich  werde  wohl  aus  Mangel  an  Handschuhen,  weil
ich  traure  ),  nicht  bingehn.  Meine  Nachbarin  die  KRriecheldorf
bat  sich  sehr  embellirt;  ich  mache  ihr  den  Sof,  in  den  Schranken
der  Sittlichkeit;  sie  ist  oder  stellt  sich  wunderbar  naif  und  weltfremd.
  Nach  Wust  kommt  ein  neuer  Herr  von  Katt,  den  noch
niemand  kennt,  und  nach  Hohengöhren  der  trinkende  WMaguet,
der  eine  hübsche  und  angenehme  Frau  hat.  Es  wird  mir  vermuthlich
  glücken,  hier  einen  Reh-Schon-Derein  zu  Stande  zu

:)  Dgl.  Bismarcks  Brief  an  den  Bruder  Bernhard  vom  23.  September  1440
in  „Bismarckbriefe“,  herausg.  von  Horst  Rohl,  s.  Aufl.  S.  7Z8
9  Uber  den  Tod  des  Daters  am  23.  Movember  1246.

34