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Liebes  Serz

Du  weißt  ungefähr,  auf  welchem  Fuß  ich  mit  dem  Cardeminer
Sause  stand  und  wie  schwer  mich  der  neuliche  Todesfall  1)  desbalb
  trifft.  Wenn  noch  etwas  gefehlt  hat,  um  mir  den  Entschluß,
  Dommern  zu  verlassen,  leicht  zu  machen,  so  war  es  dieß.
Es  ist  eigentlich  das  erste  Mal,  daß  ich  semand  durch  den  Tod
verliere,  der  mir  nabe  stand,  und  dessen  Scheiden  eine  große
und  unerwartete  Lücke  in  meinen  Lebenskreis  reißt.  Der  Verlust
  der  Eltern  steht  in  einer  andern  Kategorie;  er  ist  nach  dem
Laufe  der  Natur  vorauszusehn,  und  der  Derkehr  zwischen  Rind
und  SEltern  pflegt  nicht  so  innig  und  das  Bedürfniß  desselben,
auf  Seite  der  Rinder  wenigstenes,  nicht  so  lebhaft  zu  sein,  daß
wir  bei  ihrem  Tode  nicht  eher  WMitleid  und  Wehmuth  als  beftigen
  Schmerz,  über  den  eignen  Verlust,  empfänden.  Mir  wenigstens
  war  dieß  Gefühl  der  Leere,  dieser  Gedanke,  eine  mir
theuer  und  nothwendig  gewordne  Person,  deren  ich  sehr  wenig
babe,  nie  wiederzusehn  und  zu  hören,  dieß  war  mir  so  neu,
daß  ich  mich  noch  nicht  damit  vertraut  machen  kann  und  mir
das  ganze  Ereigniß  noch  nicht  den  Eindruck  der  Wirklichkeit
macht.  Beneidenswerth  ist  mir  die  Fuversicht  der  DVerwandten,
mit  der  sie  diesen  Tod  als  kaum  etwas  andres  wie  eine  Vorauereise
  betrachten,  der  ein  fröhliches  Miedersehn  über  kurz  oder
lang  folgen  muß.  Moritz  sowohl  wie  Thadden,  sind,  für  meinen
Masßstab,  wunderbar  gefaßt,  wenn  auch  am  ersten  Tage  namentlich
  Thladden)  vom  Schmerz  überwältigt  war  und  zu  Besorgnissen
  Anlaß  gab.  WMarie  selbst  ging  ihrem  Tode  mit  ungetrübter
Heiterkeit  und  Zuversicht  entgegen;  in  den  letzten  Tagen  war
sie  indeß  selten  bei  Besinnung.  Moritz  wird  nun  wohl  wieder

1)  Krau  WMarie  v.  Blanckenburg  war  in  der  Nacht  zum  10.  Hov.  14460
gestorben.

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