#musik,  Therese  Milanollo  s)  hat  meine  Gattin  in  krankhaftes
Entzücken  versetzt.  Unfre  Gesellschaft  hat  auch  ihre  orientalische
Frage.  Krau  von  Crintse  7)  spielt  in  derselben  bisher  die  dominirende
  Nolle,  und  läßt  sich  durch  dieses  Bewußtsein  verleiten,
der  Gesellschaft  eine  Lady  Rollington  octropiren  zu  wollen,  eine
frühere  Schönheit,  von  guter  FSamilie,  die  aber  durch  den  Soff
(Schnaaaps,  Schnahps)  und  Besuchen  schlechter  Gesellschaft  heruntergekommen
  ist,  so  daß  sie  nur  für  Oeutsche  noch  gut  genug
gilt.  Diese  (Dame,  gestrichen]  bringt  mir  Srau  von  Vsrints]  zum
Balls)  mit,  wo  ich  ganz  verblüfft  war  über  die  Erscheinung
dieser  ausschlagkranken,  nach  Cognac  riechenden  Dame,  deren
Eleischlichkeiten  in  unanständiger  Ausdehnung  aus  einer  sehr
prachtvollen  Toilette  quollen.  Ich  gab  der  Einführerin  demnächst
in  gemäßigter  Form  meine  Mißbilligung  über  ihre  Geschmackesrichtung
  zu  erkennen,  und  auf  den  nächsten  rout,  bei  Baiern?),
wurde  WMilady  nicht  eingeladen.  Oarüber  Totenwechsel,  die
Drints  versuchte  die  bairische  Dame  zu  menschikoffen  10),  Scenen
bei  diner's,  Thränen,  RKrämpfe,  vollständiger  Bruch,  aber  doch
Derbinderung  wirklicher  Thätlichkeiten.  Sämmtliche  Bundesfrauen
  nahmen  für  ihre  Collegin  Hartei,  gaben  Oppositionsthees
ohne  die  Drints,  und  die  Spaltung  wird  sich  verewigen,  wenn
nicht  die  Unfähigkeit  des  männlichen  Baiern,  ohne  die  Printssche
  Whistpartie  zu  erxistiren,  einen  Anknüpfungspunkt  für  friedliche
  Bestrebungen  darbietet.  Dieß  ist  die  herrschende  Tagesfrage,
trotz  Weihnachten,  #milanollo  und  französischer  Sofmäntel  11).

6)  Teresa  Wilanollo,  geb.  28.  Aug.  1827,  seit  1867  Gattin  des  französischen
Offiziers  Harmentier,  war  eine  der  gefeiertsten  Violinspielerinnen.

")  Schwester  des  Grafen  Rarl  v.  Buol-Schauenstein.

")  Am  19.  Hov.  1453,  vgl.  v.  Reudell,  Fürst  und  Fürstin  Bismarck,  S.  44.

M  Rarl  Freiherr  v.  Schrenck-Kotzing,  geb.  17.  Aug.  1800,  gest.  10.  Sept.  1824.

10)  Anspielung  auf  die  brüske  Art,  in  welcher  Kürst  Aerander  Sergewitsch
Menschikoff  März  1863  die  russischen  Forderungen  vor  die  Pforte  gebracht  hatte.

11)  Dgl.  auch  den  Brief  Biemarcke  vom  22.  Dez.  14355  an  General  1.  von
Gerlach,  S.  118.

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