Um  den  Orient  kümmert  sich  hier  niemand,  mögen  die  Russen
und  die  Türken  in  die  Zeitung  setzen,  was  sie  wollen,  man  glaubt
hier  weder  an  Land=  noch  Seegefechte  und  bestreitet  die  Existenz
von  Sinope,  Ralafat  und  Chefketil  12).  Theodor  Stolberg  18)
vermisse  ich  übrigens  schmerzlich  als  Wachinisten  gesellschaftlicher
  Inscenirung.  Sein  Nachfolger  Borschkle]  ist  viel  weniger
Windkutscher  und  hat  viel  mehr  gelernt,  ist  aber  so  wesentlich
zur  Fierde  kleiner  Cavalrie-Garnisonen  oder  höherer  Landjunkerkreise
  prädestinirt,  daß  ich  daran  verzweifle,  ihm  eine  salonmäßige
Aisance  in  Jahresfrist  beizubringen.  Sein  Erercier-Unteroffizier
muß  ein  Schneider  sein,  sie  haben  ihm  nicht  einmal  den  Ropf
aufrecht  gerückt  und  die  Runst  des  Stehens  beigebracht,  und  einen
so  gräßlichen  RNespect  scheint  er  vor  mir  zu  haben,  daß  wir  garnicht
  auf  bequemen  Fuß  gelangen  können.

Endlich  hat  Darmstadt  zu  lesen  aufgehört,  und  ich  stürze  gerührt
in  Deine  Arme  und  wünsche  Dir  ein  frohes  Fest.  Diel  Grüße
an  Oecar.  Dein  treuer  Bruder

Sr.  Donnerstag.  v.  B.

An  Srau  von  Arnim-Bröchlendorf  geb.  von  Bismarck
Sochwohlgeboren
Berlin

Sweite  Rammer
Tufgabestempel:  Berlin,
Stadt--Post-Erp.  24./12.  Austragestempel:  24./12.
4—5  Nm.  5—6  Am.

18)  Seeschlacht  zwischen  Türken  und  Russen  bei  Sinope  am  Jo.  Hovember
1263,  in  der  ein  Teil  der  türkischen  Flotte  vernichtet  wurde;  bei  Kalafat  (Talasatu),
  einer  rumänischen  Stadt  an  der  Donau,  Widin  gegenüber,  errichteten
die  Türken  ein  Bollwerk,  hinter  dem  sie  den  Russen  tapferen  Widerstand
leisteten.  —  Auf  dem  asiatischen  Rriegeschauplatz  eroberten  die  Türken  in
Georgien  das  Fort  Speti-Nicolai  (Schefketil)).

13)  Graf  Theodor  v.  Stolberg,  geb.  ö.  Juni  1437,  gest.  11.  April  1902;  war
als  Leutnant  der  preußischen  Bundestagsgesellschaft  attachiert  und  wurde  Hov.
1265  durch  Graf  Gustav  v.  Borcke  ersetzt,  vgl.  Biemarcke  Brief  an  General
1.  v.  Gerlach  vom  35.  Ho.  1653  (S.  107).