32.

([Frankfurt  27.  6.  1454.)1)

Unter  allen  Umständen  hätte  ich  Dir  meinen  Glückwunsch  gern
persönlich  überbracht,  besonders  aber  setzt,  wo  ich  meine  vagabondirende
  Gattin  bei  Dir  weiß  2).  Leider  aber  kommen  wir  uns
bier  zu  wichtig  vor,  um  dem  verwirrten  Europa  die  Leuchte
unsrer  Weieheit  vorenthalten  zu  können.  Wer  jetzt  von  Ferien
spricht,  wird  als  ein  Attentäter  gegen  die  weltbistorische  Aufgabe
der  confédeération  germ.  angesehn.  Ich  habe  rechtes  Seimweh
  nach  land,  Hald  und  Faulheit  mit  der  obligaten  Jugabe
liebender  Gattinnen  und  artiger,  reinlicher  Kinder.  Genn  ich
von  der  Straße  her  eine  dieser  hoffnungsvollen  Geschöôpfe  schreien
böre,  so  füllt  sich  mein  Herz  mit  vwäterlichen  Gefühlen  und  Erziehungsmarimen.
  Wie  vertragen  sich  denn  unsre  Nachkommen
mit  einander,  und  sind  meine  auch  artig?  Ich  habe  diese  paar
Feilen  in  drei  Absätzen  schreiben  müssen,  weil  Fr.  N.  und  N.  M.8)
Ost  und  West  mich  inzwischen  störten,  und  eben  wird  mir  der
3.4)  gemeldet:  der  geht  in  einer  Stunde  nicht,  deshalb  nehme  ich
Abschied.  Ich  wollte  heut  angeln  (so  tief  gesunken)  mit  dem
Engländer  5),  aber  es  regnet  zu  sehr,  ich  bin  statt  dessen  Schlachtopfer
  von  Besuchen.  Leb  wohl  und  lange.

Dein  treuer  Bruder.

1)  Unverglichen;  Original  war  nicht  zu  finden.

)  Frau  v.  B.  weilte  vom  24.—30.  Juni  in  Rröchlendorf  (laut  Eintrag  im
Rröchlendorfer  Gästebuch).

2)  Wahrscheinlich  Glinka  und  Tallenap,  die  Vertreter  Rußlands  und  Frankreichs
  am  Bundestage.

"!)  Wahrscheinlich  Herr  v.  Nostitz  und  Jänckendorf,  der  AUgl.  sächs.  Gesandte.
  mit  Glinka  und  Tlostitz  hatte  Herr  v.  B.  am  217.  ö.  1454  längere
Unterredungen,  s.  den  Bericht  an  Manteuffel  vom  28.  ö.  1354  bei  v.  Hoschinger,
Dreußen  im  Bundestag  IV,  200  r.  35.  Daraus  ergibt  sich  weiter  das  Datum
des  Briefes.

*)  Sir  Alexander  Walet.

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