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HOTEL  DE  DOUVRES
25.  RUE  DE  LA  PAIX
PARIS  Paris.  10.  April  57.
Geliebte  Malle

ich  hatte  mir  die  Frage,  ob  ich  etwas  zu  »'s  Hochzeit  schenken
sollte,  überlegt,  und  war  zu  einem  andern  Resultat  meiner  Erwägungen
  gekommen  wie  Du.  Ich  fand,  daß  ich  mit  garnicht
auf  dem  Juße  stehe,  ihr  Geschenke  machen  zu  können,  und  daß  ein
irgend  erbebliches  an  ihn  zu  sehr  den  Charakter  einer  Bezahlung
für  chambre  garnie  hat,  um  nicht  unzart  zu  erscheinen.  In
solchen  Sachen  kommt  es  aber  mehr  auf  das  Urtheil  andrer  als
auf  das  eigne  an,  und  lich]  betrachte  Hich  als  den  Ausdruck  der
Dolksstimme,  wenn  ich  auch  mich  von  dem  Eindruck  nicht
frei  halten  kann,  daß  Deine  Ansicht  einigermaßen  unter  dem
Einfluß  des  Mißfallens  entstanden  ist,  welches  der  sonst  so  glückliche
  Bräutigam  das  Ungeschick  gehabt  hat  sich  zuzuziehn.  Aber
etwas  gold=  oder  silberscheiniges  konnte  ich  meiner  Ansicht  nach
nicht  schenken,  ohne  *  dadurch  in  die  RKategorie  eines  bezahlten
und  abgefundenen  Afterlvermiethers  zu  werfen.  Ich  habe  deshalb
zwei  unscheinbare  Gegenstände  gewählt,  die  ihren  Werth  mehr
durch  die  Gesinnung  des  Gebers  erhalten.  Die  Fächer  des  Rastens
bast  Du  wohl  die  Güte  mit  distinguirten  Tigarren  zu  füllen
und  mir  die  Auslage,  nebst  der  für  Steuer  in  „Rechnung  zu
stellen“,  wie  Bethmann1)  sagen  würde.  Die  Reitgerte  hätte  ich
in  Berlin  wahrscheinlich  für  den  halben  Hreis  ebenso  haben
können,  aber  sie  ist  doch  aus  Haris,  und  Madame  Verdier
sagte  mir,  daß  die  Raiserin  eine  gleiche  führe,  und  daß  die  Rhinocerosjagd
  im  letzten  Jahre  wenig  ergiebig  gewesen,  die  rela-1)

  Hier  ist  der  Thef  des  Frankfurter  Finanzhauses,  Freiherr  Moritz  v.  Betbmann-Follweg,
  preußischer  Generalkonsul,  gemeint  (gest.  z.  Dez.  1477).

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