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Detersburg  19/31  März  59.

Wein  liebes  Schwesterherz!  Seit  vorgestern  früh  bin  ich  hier
im  Hotel  Demuth  1)  warm  und  trocken  untergebracht,  aber  nicht
ohne  Anstrengung  bin  ich  soweit  gelangt.  Kaum  hatte  ich  heut
vor  8  Tagen  Rönigsberg  passirt,  so  stellte  sich  das  lebhafteste
Schneegestöber  ein,  und  ich  habe  seitdem  die  natürliche  Farbe  der
Erdoberfläche  noch  nicht  wiedergesehn.  Schon  bei  Insterburg
fuhr  ich  mit  Courierpferden  1  Stunde  auf  die  Meile.  In  Wirballen
  fand  ich  eine  Mallepost,  deren  Innres  aber  zu  eng  für
meine  tänge  war;  ich  tauschte  daher  mit  Engel2)  und  babe  die
ganze  Reise  im  Außensitz  gemacht,  der  vorn  offen  ist,  schmale
Bank  mit  spitzwinkliger  Anlehnung,  so  daß  auch  abgesehn  von
der  Rälte,  die  Nachts  bis  120  stieg,  nicht  zu  schlafen  war.  Ich
beharrte  in  dieser  Lage  von  Freitag  früh  bis  Montag  Abend,
und  außer  der  ersten  und  letzten  SEisenbahnnacht  habe  ich  von
Mittwoch  früh  bis  Dienstag  Abend  nur  3  Stunden  in  Rowno
und  2  Stunden  auf  einem  Sopha  eines  Stationshauses  geschlafen.
  Die  Haut  im  Gesicht  blätterte  mir  ab,  als  ich  ankam.
Die  Sahrt  dauerte  so  lange  wegen  tiefen  Schnee's,  der  frisch  gefallen
  war,  ohne  Schlittenbahn  zu  machen;  mehrmals  mußten
wir  aussteigen  und  zu  Fuß  gehn,  weil  3  Dferde  den  Wagen
absolut  stecken  ließen.  Die  Düna  war  gefroren,  hatte  aber
½  MWeile  aufwärts  eine  offne  Stelle,  wo  wir  übergingen;  die
Wilia  trieb  mit  SEis,  der  Niemen  lwar]  offen.  Witunter  fehlten
Hferde,  weil  alle  Hosten  s  und  zo  nabmen,  statt  der  sonstigen

1)  In  den  Briefen  an  die  Gattin  nennt  Biemarck  das  Sotel  Demidoff  als
Absteigequartier;  vermutlich  nach  dem  Besitzer.  —  Zum  Inhalt  des  Briese
vgl.  auch  Bismarcke  Briefe  an  die  Gattin  vom  30.  u.  29.  Wärz  1359.

9  Biemarcke  Oiener.

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