bi.

Deterhof,  1/13  Juli  60.
Geliebte  Malle

wie  mitunter  in  den  Bundestagssitgungen,  so  fällt  mir  auch
bier  für  einen  müßigen  Moment  keine  angenehmere  Derwendung
ein,  als  Dir  eine  Feile  Hachricht  über  mein  Befinden  zu  geben.
Ich  habe,  in  der  Meinung,  daß  um  s  Uhr  ein  Schiff  nach  Hetersburg
  ginge,  bis  halb  7  bei  Uische  gesessen,  genau  lange  genug,
um  nun  bis  10  Uhr  warten  zu  müssen,  der  Hlan  ist  seit  heut  geändert,
  statt  3  gehn  sie  um  halb  7  und  10.  Es  läßt  sich  hier
aber  aushalten,  reizendes  Wetter  beut,  Aussicht  übers  Grüne  und
auf  die  See,  aus  einem  wohleingerichteten  SEckzimmer  des
Schlosses,  Musik  zur  Feier  des  kaiserlich  mütterlichen  Geburtstags
  und  ein  guter  Wagen,  in  dem  ich  noch  eine  Stunde  spatzieren
fahren  werde.  Heterhof  ist  das  Juwel  der  hbiesigen  Umgegend,
und  als  Hark  wie  als  Landschaft  auch  für  den  est-Europäer
erfreulich  zu  sehn,  etwas  wie  Gegend  von  Danzig  und  Soppot,
die  Du  natürlich  wieder  nicht  kennst,  und  Rügen  auch  nicht,  letztres
ist  im  Stpl,  aber  schöner.

Mit  meinem  Befinden  geht  es  über  Erwarten  gut,  seit  ich  im
eignen  Hause  wohne;  Deine  Liebenswürdigkeit  hat  mir  diesen
Mangel  in  Berlin  einigermaßen  ersetzt,  aber  das  grüne  Gasthofszimmer
  und  das  ganze  Drovisorische  meiner  Exristenz  lastet  noch
drückend  auf  meinem  Gedächtniß.  Mir  ist  zu  Muthe  wie  einem
alten  Hensionär,  der  mit  den  Händeln  dieser  Welt  abgeschlossen
bat,  oder  doch  wie  einem  früher  ehrgeizigen  Wilitär,  der  den
Safen  einer  guten  Commandantur  erreicht  hat,  und  mir  ist,  als
könnte  ich  hier  lange  zufriedne  Jahre  hindurch  meinem  Ende
entgegenreifen.  Bis  12  habe  ich  jeden  Morgen  mit  Carlebader,

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