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Farskoe-Selo  4.  October  1860.
Mein  geliebtes  Herz

ich  muß  aus  dem  geschäftlichen  Uhrwerk  herausgerissen  werden
und  durch  Raiserlichen  Befehl  eine  Mußestunde  zudictirt  erhalten,
um  mich  einmal  besinnen  und  Oir  schreiben  zu  können.  Oas  alltägliche
  Leben  nimmt  mich  von  dem  Augenblick  der  ersten  Frühstückstasse
  bis  gegen  4  ziemlich  ruhelos  in  Anspruch,  mit  Arbeit
aller  Art,  an  Dapier  und  Mensch,  und  dann  reite  ich  bis  6,  nach
dem  SEssen  nähere  ich  mich  dem  Tintfaß  auf  ärztliches  Derlangen
nur  mit  Vorsicht  und  im  äußersten  Mothfalle,  lese  dagegen  alles,
was  an  Acten  und  Zeitungen  eingegangen  ist,  und  gehe  um  Witternacht
  zu  Bett,  meist  erheitert  und  contemplativ  gestimmt  über
die  sonderbaren  Ansprüche,  welche  der  Hreuße  in  Rußland  an
seinen  Gesandten  macht.  Dor  dem  Einschlafen  denke  ich  dann
auch  an  die  beste  meiner  Schwestern,  aber  an  diesen  Engel  zu
schreiben  gelingt  mir  nur,  wenn  ich  um  ;  zur  Audienz  bierber
  befohlen  werde  und  dazu  schon  den  Zug  um  jo  benutzen
  muß.  So  bleiben  mir  2  Stunden,  während  deren
man  mich  in  die  setzt  leere  Hohnung  der  schönsten  aller
Großmütter,  der  Sürstin  jäsemski,  einquartirt  hat,  wo  ich  Dir
schreibe  und  Hapiros  rauche,  bis  mich  )  ein  Besuch  oder  das  Frühstück
  stören  wird.  Ich  sehe  über  den  Tisch  aus  dem  Fenster,  bergab,
  über  Birken  und  Aborn,  in  deren  Laub  roth  und  gelb  schon
das  Grün  beherrschen,  dabinter  die  grasgrünen  Dächer  des  Städtchens,
  links  von  einer  Rirche  mit  5  goldnen  Thürmen  in  Iwiebelform
  überragt,  und  das  ganze  am  Horizont  eingefaßt  von  der
endlosen  Busch=  Wiesen=  und  Waldebene,  binter  deren  braungrau-blauen
  Schattirungen  irgendwo  mit  einem  Fernrohr  die

5)  Original:  ich.

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