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Detersburg  9.  Dezember  1800.
Meine  geliebte  WMalle

ich  setze  voraus,  daß  Ihr  schon  in  Berlin  seid,  da  ich  nicht
weiß,  was  Ihr  die  langen  Abende  hindurch  in  Kröchlendorf  anfangen
  könntet;  wenn  sie  auch  noch  nicht  so  lang  sind  wie  hier,
wo  jetzt  Hunkt  3  Uhr  licht  gebracht  wird,  um  lesen  und  schreiben
zu  können;  an  manchen  nebligen  Tagen  kann  man  sich,  in  der  trotz
Doppelfenstern  durch  die  Rälte  bedingten  Sntfernung  vom  Fenster,
kaum  über  Wittag  jenen  beiden  Beschäftigungen  hingeben.  Doch
kann  ich  nicht  sagen,  daß  die  Abende  mir  zu  lang  würden,  oder  die
Nächte,  meine  Gereiztheit  über  den  schnellen  Derlauf  der  Feit  ist
gleich  groß  des  Abends,  wenn  ich  zu  Bett  gehn,  und  des  Morgene,
wenn  ich  aufstehn  soll.  Ich  habe  eben  viel  zu  thun;  gesellig  sind  wir
garnicht;  meine  Mittel  erlauben  mir  das  nicht;  in  fremden  Säusern
erkälte  ich  mich,  und  im  eignen  ist  man  hier  als  Gesandter  mit
5°%  ooo  Th.'chen  zu  großer  Einschränkung  verurtheilt.  Ich  laße
mich  zu  Mittag  besuchen,  d.  h.  man  ißt  à  la  fortune  du  pot1)
bei  mir,  aber  ich  gebe  keine  diners.  Abendgesellschaften,  Theater  pp
verbietet  die  Trauer  2),  agen,  Kutscher,  Jäger,  alles  schwarz
ausgeschlagen.  Auf  der  Jagd  bin  ich  einmal  gewesen,  sand  zwar
die  Mölfe  klüger  als  die  Jäger,  habe  mich  aber  doch  gefreut,  daß
ich  es  wieder  leisten  kann.  Die  Rälte  ist  nicht  übermäßig,  3,  5,  7,
selten  11  Grad,  gute  Schlittenbahn  seit  einigen  Gochen.

Ich  bin  in  Oeihnachtesorgen  und  finde  hier  nichts  für  Johanna,
was  nicht  übertheuer  wäre.  Bitte  kaufe  mir)  wieder  bei  Friede-*)

  Original:  ich.
1)  D.  h.  man  nimmt  fürlieb  mit  dem,  was  es  gerade  zu  essen  gibt.
*)  Um  die  am  1.  November  gestorbene  Raiserin-Wutter.

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