auf  sächsisch-hairisch-würtembergischen  Fuß  ein,  bis  das  Gehalt
erhöht  wird,  oder  man  mich  der  Muße  des  Privatlebens  zurückgiebt.
  Im  Uebrigen  habe  ich  mich  mit  der  Fristenz  hier  befreundet,
  finde  den  Winter  durchaus  nicht  so  übel  wie  ich  dachte,
und  verlange  nach  keiner  Aenderung  meiner  Lage,  bis  ich  mich,
wenne  Gottes  Wille  ist,  in  Schönhausen  oder  Reinfeld  zur  Ruhe
setze,  um  meinen  Sarg  ohne  Uebereilung  zimmern  zu  lassen.
Die  Ambition,  Winister  zu  sein,  vergeht  einem  beutzutage  aus
mannigfachen  Gründen,  die  sich  nicht  alle  zum  schriftlichen  Dortrag
  eignen;  in  Haris  oder  London  würde  ich  weniger  behaglich
eristiren  als  hier,  auch  nicht  mehr  mitzureden  haben,  und  ein
Umzug  ist  balbes  Sterben.  Der  Schutg  von  200  ooo  vagabondirenden
  Dreußen,  die  zu  ½  in  Rußland  wohnen,  zu  /  es  jährlich
  besuchen,  giebt  mir  genug  zu  thun,  um  mich  nicht  zu  langweilen,
  Frau  und  Rinder  vertragen  das  Rlima  sehr  gut,  ich  habe
eine  Anzahl  recht  angenehmer  Leute,  mit  denen  ich  verkehre,  schieße
gelegentlich  einen  kleinen  Bären  oder  SElch,  den  letzten  290  Werst
von  bier,  reizende  Schlittenbahn,  und  die  große  Gesellschaft,
deren  täglicher  Besuch  nicht  den  geringsten  VDortheil  für  den
Röniglichen  Dienst  liefert,  vermeide  ich,  weil  ich  nicht  schlafen
kann,  wenn  ich  so  spät  zu  Bett  gehe.  Dor  11  kann  man  nicht  wohl
erscheinen,  die  meisten  kommen  nach  12  und  gehn  gegen  2  in
eine  zweite,  meist  soupirende  Soiree.  Das  vertrage  ich  noch
nicht,  vielleicht  nie  wieder,  und  ich  bin  nicht  böse  darüber,  denn
die  langweiligkeit  des  rout  ist  hier  noch  viel  intensiver  als  irgend
wo,  weil  man  zu  wenig  gemeinsame  Lebensverbältnisse  und
Interessen  mit  den  wahren  Russen  hat.  Johanna  gebt  öfter  aus,
und  beantwortet  unverdrossen  alle  Erkundigungen  nach  meiner
Gesundbeit  als  unentbehrlichen  Dünger  auf  dem  unfruchtbaren
Boden  der  Ronversation.  Ich  wünsche,  daß  Johanna,  aus
ökonomischen  Gründen,  möglichst  früh  nach  Oeutschland  geht,  sie
will  aber  nicht!  nach  Hommern  wollte  ich  sagen,  und  lich]  werde
ihr  folgen,  sobald  und  so  lange  man  mir  Urlaub  giebt.  HSoffent-119

