lich  sind  die  Dinge  im  Sommer  nicht  so  kraus,  daß  man  eine
Vertretung  durch  Crop#),  der  seine  Verlobung  hartnäckig  (bestreitet,
  unzulässig  fände.  Ich  werde  irgend  einen  Brunnen  trinken
  und  dann  vor  Allem  Seebad  nehmen,  um  die  unerträgliche
Verweichlichung  meiner  Haut  wieder  los  zu  werden.  Mit  Holstein
  2)  als  Attaché  bin  ich  geschäftlich  sehr  zufrieden,  und  natürlich
  bemüht,  seine  gesellschaftliche  Erscheinung  von  jugendlichen
Ertravaganzen  zu  säubern.  Haut  doch  die  Holen,  daß  sie  am
Leben  verzagen;  ich  habe  alles  Mitgefühl  für  ihre  Lage,  aber  wir
können,  wenn  wir  bestehn  wollen,  nichts  andres  thun,  als  sie
ausrotten;  der  Wolf  kann  auch  nicht  dafür,  daß  er  von  Gott
geschaffen  ist,  wie  er  ist,  und  man  schießt  ihn  doch  dafür  todt,
wenn  man  kann.  Don  Loenss)  nichts  zu  hbören,  nichts  zu  sehn,
und  Feldjäger  scheinen  nicht  mehr  zu  reisen,  seit  Monaten  habe  ich
keine  couriermäßige  Mittheilungen  vom  Winisterium,  und  was
mit  der  Dost  kommt,  ist  langweilig.  Leb  wohl,  mein  geliebtes
Serz,  grüße  Oscar,  und  schlage  Cieszkowsky  vor  den  Wagen,
wenn  Du  ihn  siehst.  Die  Newa  trägt  noch  Fuhrwerk  jeder  Art,
obschon  wir  seit  ochen  Thauwetter  haben,  so  daß  in  der
Stadt  kein  Schlitten  mehr  gebt,  und  die  Wagen  in  den  9½  Suß
tiefen  Wasserlöchern  der  Eislage,  welche  das  Straßenpflaster
deckt,  täglich  brechen;  man  fährt  wie  in  gefrornem  Sturzacker.
Ihr  sitzt  wohl  schon  im  Grünen?
Dein  treuer  Bruder
v.  B.

1)  Hrinz  Georg  Crok,  geb.  So.  Juni  1344,  gest.  15.  April  1479,  verlobt  mit
Marie  de  Durfort-Tivrac,  der  Tochter  des  Duc  de  Lorge.

*)  Fritzg  von  Holstein,  damals  Mtaché,  später  Geh.  Legationerat  im  WMinisterium
des  Auswärtigen.

i)  Hreußischer  Militärbewollmächtigter  in  Petersburg.

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