nach  Paris  ginge,  so  wäre,  Gollt]z  nach  London  angenommen,
das  Ministerwerden  an  Usedom  oder  an  mir,  wenn  nicht  der
Herzog  von  Coburg),  oder  Brunnemanns),  oder  Manteuffel  1
oder  III6)  oder  Stokmar?)  oder  Loftus  s)  auf  die  Bresche  treten.
Ich  wäre  undankbar  gegen  Gott  und  Menschen,  wenn  ich  behaupten
  wollte,  daß  es  mir  hier  schlecht  ginge,  und  lich]  für
Aenderung  bestrebt  wäre;  vor  dem  Ministerium  habe  ich  gradezu
Furcht,  wie  vor  kaltem  Bade.  Ich  gehe  lieber  auf  jene  vakanteln!]
Posten,  oder  nach  Frankfurt  zurück;  selbst  nach  Bern,  wo  ich
recht  gern  lebte.  Soll  ich  hier  fort,  so  wäre  es  mir  lieb,  bald
davon  zu  hören.  Am  1/13  Febr.  muß  ich  mich  erklären,  ob  ich
mein  Saus  behalte,  muß  en  cas  qdue  si  Bauten  und  Neparaturen
  bedingen,  auch  wären  theure  Pferde  und  andre  Sachen
zu  verkaufen,  was  hier  Monate  erfordert  und  Tausende  verlieren
  oder  behalten  macht.  Ein  Umzug  im  Winter  ist  kaum
möglich.  —  Ich  lese  nach  einigen  Störungen  den  Brief  über,
und  finde,  daß  er  einen  hppochondern  Eindruck  macht;  mit  Unrecht,
  ich  fühle  mich  weder  mißvergnügt  noch  lebenssatt,  und
habe  bei  prüfendem  Nachdenken  keinen  unbefriedigten  Wunsch
entdeckt,  als  den  nach  Jo  Grad  Rälte  weniger  und  etwa  50
Disiten  schon  gemacht  zu  haben,  die  auf  mir  lasten.  Bescheidne
Wünsche.  Auch  ängstige  ich  mich,  daß  für  Loen  ein  intriganter
Streber  herkommen  könnte,  dann  kann  ich  hier  nicht  bleiben,
die  Stellung  ist  an  sich  ein  geschäftlicher  Unsinn,  ein  Gesandter
bei  der  Rais.  Familie  und  einer  bei  der  Regirung.  Loen  ist
nicht  bösartig,  etwas  höfische  Falschheit  nehme  ich  in  Rauf,  aber
um  Geschäfte  zu  machen,  hat  er  zu  wenig  „Vorkenntnisse“  jeder

9  Ernst  II.

5)  Dreußischer  Regierungerat,  dem  KRronprinzen  als  Berater  beigegeben.

")  Manteuffel  I.  =  Otto  von  Manteuffel,  der  frühere  Winister,  Manteuffel
  III.  Unterstaatssekretär  Rarl  von  WManteuffel.

!)  Freiherr  Ernst  von  Stockmar,  geb.  7.  August  1833,  gest.  ö.  Mai  1220.

")  Lord  Augustus  Loftus,  geb.  4.  Oktober  1477,  gest.  9.  März  2904,  damals
englischer  Gesandter  in  Berlin.

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