01.

29.  März
10.  April  1½%.

Detersburg

Ciebe  Marie

ich  danke  herzlich  für  Deinen  Brief  und  habe  mich  gefreut
zu  sehn,  daß  Du  eine  Hand  wie  ein  Negirungs-Hräsident  schreibst;
vielleicht  wirst  Du  es  noch  einmal,  oder  die  Frau  eines  solchen,
dann  bist  Du  Ober-Hräsident.

Ich  freue  mich,  daß  Deine  liebe  Mama  in  der  Genesung  fortschreitet,
  mit  Gottes  Hülfe  wird  sie  auch  das  Schreiben  wieder
lernen.  Ueber  das  Hferderennen  in  Zarskoje  werde  ich  ihr  Auskunft
  schaffen,  wiel  ist  dabei  nicht  los:  die  Russen  sind  mehr  eine
fahrende  als  reitende  Nation.  Wir  sind  Gott  sei  Dank  gesund,
nur  unsre  Gouvernante,  Frl.  Barth,  ist  so  schwer  krank,  daß
sie  nicht  mit  uns  wird  reisen  können,  sondern  wir  sie  in  einem
Krankenhause  unterbringen,  wenn  lsiel  so  lange  noch  lebt.  Es
ist  kaum  Aussicht  dazu.

Wir  reisen  in  der  Osterwoche,  so  daß  ich  hoffe,  über  5  Wochen
bei  Euch  zu  sein,  die  Andern  gehn  vor  der  Hand  nach  Reinfeld,
bis  ich  weiß,  was  aus  mir  wird.  Der  Winister  hat  mir  geschrieben
  1),  daß  ich  nach  London  oder  nach  Haris  versetzt  bin;
welches  von  Beiden,  das?)  wolle  mir  der  Rönig  aber  erst  in
Berlin  sagen.  Wir  packen  ein,  werden  aber  von  dort  erst  schreiben,
  wohin  unsre  Sachen  geschickt  werden  sollen.

Sei  so  gut  und  frage  Deine  Mama,  ob  sie  den  Brief  bekommen
  hat,  den  Baron  Loen,  der  Oberst,  von  mir  an  sie  mitnahm,

*)  Criginal:  daß.
1)  Bernstorffs  Brief  vom  21.  März  s.  Bismarck-Jahrbuch  VI,  134  f.

136