65.

Carlsbad  27.  [28.]  Juni  64.
Mein  geliebtes  Schwesterberz

schon  gestern  wollte  ich  Dir  schreiben,  kam  aber  nicht  über  das
datum  binaus,  und  hoffentlich  bringt  der  Feldjäger  morgen  diese
Feilen  noch  zeitig  genug  nach  Berlin,  um  Dir  meine  brüderlichen
  Segenswünsche  an  Deinem  Geburtstage  noch  zu  Händen
gelangen  zu  lassen.  Gott  wolle  Dich  und  (die]  Deinigen,  klein
und  groß,  auch  im  nächsten  Jahre  in  seine  gnädige  Obhut
nehmen.

Ich  babe  hier  wo  möglich  noch  mehr  zu  thun  als  in  Berlin,
und  der  Negen  erleichtert  mir  den  Derzicht  auf  das  Bummeln
in  den  Bergen;  über  meine  Grobheit  in  Besuchen  pp  natürlich
allgemeine  Rlage.  Holitisch  geht  es  gut,  so  gut,  daß  mir)  bange
wird,  „pourvu  que  cela  dure“.  England  bleibt,  nach  heutigen
Nachrichten,  friedlich;  wir  kennen  aber  erst  die  Aeußerungen  der
TNegirung,  nicht  das  Derhalten  des  Darlaments.  Mit  Oestreich,
Frankreich  und  Rußland  stehn  wir  zu  voller  Fufriedenheit.
Die  Dänen  sollen  Absichten  auf  Rügen  haben;  zum  Schutze  der
schönen  Fürstin  1)  geht  heut  Befehl  an  7  Battlaillonel  und  4  Batterien
  der  Garde,  sofort  nach  Stralsund  abzufahren.  Irgendwo
in  Hommern  werden  sie  2)  wohl  zu  landen  versuchen,  und  werden
wir  Truppen  nach  der  Küste  von  Camin  bis  Leba  stellen  müssen.

Jetzt  muß  ich  zu  Selena  Pawlowna),  grüße  die  Deinigen
herzlich,  und  die  Meinigen,  die  nach  Johanna's  Brief  bald  bei
Dir  sind.  Dein  geplagter  treuer  Bruder

v.  B.

6)  Or:  wir.

1)  von  Huttbus,  geb.  v.  Veltheim,  geb.  12.  Juli  18337,  gest.  145.  Dez.  1207.

:½)  Die  Dönen.

2)  Großfürstin  Selene  Daulowna,  Witwe  des  1349  gestorbenen  Gropßfürsten
tmichael,  geb.  Hrinzessin  Sriederike  Tharlotte  von  Württemberg.

10  Briefe  Bismarcks  an  Schwester  und  Schwager  145