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Varzin  26.  October  120.
Mein  geliebtes  Herz

ich  gehe  mit  einiger  Sorge  an  diesen  Brief,  denn  ich  sehe  voraus,
  daß  Du  mir  zürnen  wirst,  wenn  ich  nicht  zur  Sochzeit  1)
komme.  Ich  sehe  auch  voraus,  daß  ich  außer  Stande  sein  werde,
mich  zu  Deiner  ZJufriedenheit  zu  entschuldigen,  denn  es  ist  Dir
nicht  möglich,  Dich  in  meine  kranke  Haut  zu  versetgen.  Ich  hatte
geglaubt,  daß  o  Wochen  Ruhe  mich  herstellen  würden,  und
vielleicht  hätten  es  5  Monat  gethan,  wenn  der  Fall  mit  dem
Oferde  2)  nicht  dazwischen  gekommen  wäre.  Die  heftigen  Schmerzen,
  die  noch  heut  nicht  ganz  überwunden  sind  und  mir  manche
Bewegung  noch  untersagen,  haben  meine  Uerven  wieder  reducirt,
  und  ich  schlafe  heut  nicht  mehr  als  vor  4  WMonaten.  Den
September  bindurch  habe  ich  den  Fehler  gemacht,  Besuche  anzunehmen,
  und  gerieth  nach  14  Tagen  in  unerträgliche  Stimmungen,
3  Wochen  SEinsamkeit  haben  mich  wieder  etwas  gebessert,  aber
jede  Art  von  Geselligkeit  kostet  mich  die  Macht,  die  darauf  folgt.
Ich  habe  daher  den  König  gebeten,  mir  vorläufig  noch  bis  Anfang
December  Urlaub  zu  geben,  obschon  der  Landtag  und  sehr  einschneidende
  Entschließungen  vor  demselben  mir  selbst  die  Bitte
darum  ebenso  schwer  machten  wie  dem  Rönige  die  Bewilligung.
Wenn  ich  nun  auch  die  gesundbeitliche  Störung,  die  der  Derkehr
  mit  Menschen  für  mich  bewirkt,  als  eine  vorübergehende
ertragen  wollte,  so  kann  ich  das  doch  dem  Rönige  und  dem
Landtage  gegenüber  schicklicher  Weise  nicht  thun.  Wenn  ich,
wie  ich  befürchte,  Ende  Movember  um  eine  Verlängerung  meines
Urlaubs  bitte,  so  würde  der  Rönig  mit  Recht  sagen  oder  doch

1)  Am  go.  Oktober.
*")  Am  41.  August;  vgl.  Reudell  §ürst  und  Kürstin  Bismarck,  S.  396.

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