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Lissingen  1.  Sept.  1390.

Derzeih,  mein  Herz,  daß  ich  Oeinen  liebenswürdigen  Brief
3  Tage  lang  unbeantwortet  ließ;  aber  trotz  dienstlicher  Befreiung
bin  ich  doch  nicht  so  unabhängig  geworden,  um  die  Frage,  welche
mir  Oeine  Einladung  stellt,  selbständig  zu  entscheiden.  Ich  bleibe
immer  verbeirathet,  und  kann  kaum  über  mich,  geschweige  über
die  Gattin  verfügen.  Letztre  hat,  wie  sich  nach  Veberwindung
aller  falschen  Sügsamkeit  berausstellte,  eine  Knetkur  begonnen,
die  so  gut  wirkt,  daß  sie  nicht  unterbrochen  werden  soll;  nach
Berathung  mit  Schweninger  und  dem  gestern  wieder  einpassirten
  Herbert,  ist  unser  Reiseplan  so  festgestellt,  daß  ich  übermorgen,
  5.,  von  bier  nach  HSomburg  fahre  und  Johanna  abs
bole.  Da  wird  die  Zeit  bis  zum  Beginn  Oeiner  Einquartirung
doch  zu  kurz,  auch  wenn  Johanna  am  4  schon  reisefertig  würde,
was  bisher  nicht  feststeht.  Ich  selbst  nehme  morgen  mein  zöstes
Bad  und  sollte  mehr  nehmen,  wenn  das  Wetter  nicht  so  winterlich
  kalt  wäre,  daß  man  in  diesen  schlecht  heizbaren  Räumen  nicht
aushält.  Ich  denke  in  Darzin  bis  Ende  October  zu  bleiben;
vielleicht  läßt  sich  dann  auf  der  Seimkehr  nach  Frliedrichs]ruh  einrichten,
  was  ich  jetzt  mit  Widerstreben  aufgebe,  falls  Ihr  dann
nicht  schon  nach  Berlin  wollt;  auch  RKülz  zu  besuchen  drängt  mich
mein  Gefühl;  Blernhard]  und  ich  sind  nun  zusammen  155  Jahr,
da  weiß  man  nicht,  ob  man  sich  überhaupt  in  diesem  leben
noch  wieder  sieht,  wenn  es  nicht  bald  geschieht.  Ich  denke  meine

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