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Friedrichsruh  9.  7.  94.
Geliebte  Malle.

Vor  Wochen  fand  ich  beim  Aufräumen  von  Papieren  alte
Briefe  von  Dir  aus  o9  und  70  und  las  sie  wieder.  Darüber  entstanden
  mir  Gewissensbisse  bezüglich  meiner  Schreibfaulheit,  ich
legte  sie  auf  die  sonst  leere  Stelle  für  lettres  à  répondre,  und
war  in  jeder  schlaflosen  Nacht  entschlossen,  Dir  am  WMorgen
mein  peccavi  zu  schreiben.  Mit  der  mich  täglich  mehr  überwuchernden
  Trägheit,  geistigen  und  körperlichen,  habe  ich  bie
beut  gekämpft,  ohne  zu  siegen,  und  bin  täglich  4  oder  6  mal  im
weiten  Bogen  um  mein  Schreibzeug  berum  gegangen;  marasmus
senilis!  Ich  verlerne  die  mühsam  errungene  RKunst  des  Schreibens,
  und  mein  Uintfaß  trocknet  aus.  Ich  scheue  jede  körperliche
und  noch  mehr  sede  geistige  leistung,  denn  „Arbeit“  kann  ich
es  nicht  nennen

12.  Juli.  Beim  Einpacken  für  Varzin  lese  ich  Dorstehendes
wieder  und  komme  vor  Störungen  aller  Art  nicht  dazu,  diese
Jeremiade  mit  richtigem  Schluß  zu  versehn;  ich  will  das  Rlagelied
  aber  doch  nicht  mit  auf  die  Reise  nehmen,  sonst  weiß  ich
nicht,  wie  lange  Feit  vergeht,  ehe  ich  wieder  so  nahe  an  mein
Tintfaß  geratbe.  Das  Fragment  wird  Dir  doch  sagen,  daß  ich
an  Dich  zunächst  denke,  wenn  ich  das  Bedürfniß  habe  mich  auszustöhnen.
  Johannas  Anelancholie  darf  ich  nicht  durch  Jusatz
von  meinem  Trübsinn  steigern;  ihre  lebensfähigkeit  ist  ohnehin
gering  und  von  pspychischen  Sindrücken  abhängig.  Dom  armen

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