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Beilage  zum  „Kriegsamt.  Amtliche  Mitteilungen  und

Nachrichten“  Nr.  14.

Es  lst  beabsichtigt,  allgemelne  Mittellungen  über  kriegswolrischaftliche  Verhältnisse,  namentlich  des  Auslanbes,  die  die  Aufmerksamkeit  weiterer
Kreise  beanspruchen  können,  in  zwangloser  Folge  als  Beflage  zum  „Krlegsamt.

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Amtliche  Mitteilungen  und  Nachrichten“  zusammenzustellen.

Inhaltsberzeichnizs:
Englands  Industrie  nach  dem  Kriege.  —  Neue  Vorbereitungen  der
Ententestaaten  auf  einen  künftigen  Wirtschaftskrieg.  —  Rchstoffbewirtschaftung
  in  England.  —  Frauenarbeit  in  England.  —  Die
Transporknot  in  Frankreich.  —  Zum  Nachdenken  für  jeden

.  —  —  —  —  —  —
—ut.  —  —.  .

*  Englands  Industrie  nach  dem  Kriege.

Die  nachstehenden  Ausführungen,  die  dem  Bericht
eines  gründlichen  Kenners  englischer  Wirkschaftsverhältnisse
  entnommen  sind,  verdienen  die  besondere
  Aufmerksamkeit  der  Deutschen  Industrie.
Sie  werden  deßhalb  an  dieser  Stelle  bekanntgegeben,

obwohl  im  Augenblick  eine  Nachprüfung  aller  tatsächlichen
  Angaben  nicht  möglich  ist.  1

In  dem  Verhältnis  der  englischen  Arbeiter  zu  den
Arbeitgebern  hat  sich  im  Laufe  der  letzten  zwei  Jahre  eine
tiefgreifende  Wandlung  vollzogen.  Der  alte  Gegensatz  ist
zwar  keineswegs  völlig  verschwunden;  die  Arbeiter  sinb
heute  stärker  als  früher  organisiert  und  politisch  vielleicht
auch  einflußreicher  geworden.  Während  jedoch  früher  die
Gewerkschaften  jebe  Erhöhung  der  Arbeitsleistung  bekämpften,
  macht  sich  heute  unter  dem  Einfluß  ausgeprägt
natsonaler  Denkweise  ganz  allgemein  der  Wunsch  geltend,
in  der  Gesamtbeit  die  größtmögliche  Leistung  zu  erreichen,
um  durch  Verbrängen  der  ausländischen  Konkurrenz  die
Erwerbsmöglichkeiten  für  den  englischen  Arbeiker  in  der
kommenden  Friedenszeit  zu  verbessern.

Diese  Wandlung  ist  in  erster  Linie  dem  Einfluß  des
Munitionsamts  zuzuschreiben,  das  die  gesamte  englische
Kriegsindustrie  in  etwa  1#  Jahren  in  ganz  neue,  rationale
  Bahnen  gelenkt  und  diejenigen  Arbeitsweisen  eingeführt
  hat,  denen  Deutschland  und  Amerika  vor  dem
Kriege  ihr  industrielles  Emporblühen  verdanken.  Lloyd
George,  der  im  Frühjahr  1915  bekanntlich  das  Munitionsamt
  übernommen  hat,  begnügte  sich  von  Anfang  an
nicht  damit,  der  englischen  Industrie  die  neuen  Aufträge
zuzuführen  und  bie  notwendigen  Nohmaterialien  zu
sichern;  er  hat  vielmehr  den  „Controlled  Establishments“
bis  ins  einzelne  vorgeschrieben,  welcher  Maschinen  und
sonstiger  Hilfsmittel  und  welcher  Arbeitskräfte  sie  sich  zu
bedienen  haben.  Dabei  stützt  er  sich  auf  die  beiden  staatlichen
  Waffen-  und  Munitionswerkstätten  in  Aldershot
und  Birmingham,  die  er  alsbald  zu  Musterbetrieben  aus-Lestaltete.
  War  die  zweckmäßigste  Herstellung  eines  Ar-—



tikels,  die  bei  geringstem  Rohmaterialverbrauch  und  geringstem
  Einsatz  menschlicher  Arbeitskräfte  die  höchstmögliche
  Leistung  erzielt,  hier  ausprobiert  und  festgelegta.
fo  wurden  die  Privatanlagen  —  zum  Teil  mit  Hilfe
amerikanischer  Maschinen  und  Ingenjeure  —  von  der
Dampfmaschine  an  bis  zum  letzten  Nädchen  entsprechend
umgeänderk  und  unter  die  direkte  Leitung  des  Munitsoneministerkums
  gestellt.  Den  Besitzern  wurben  die  Dioidenden
  des  letzten  Friedensjahres.  sichergestellt,  aber  ihre
Selbständigkeit  genommen.

Hiierüber  hinaus  wurde  mit  Rücksicht  auf  den  Heeresersatz
  —  um  auch  in  der  Zahl  der  kaufmännischen  und
leitenden  Kräfte  nach  Möglichkeit  zu  sparen  —  der
Zwischenhandel  in  großem  Umfang  ausgeschaltet  und  ein
zwangsläufiges  Ineinandergreifen  der  verschledenen
Fabrikationsstufen  eingerschtet.  Jeder  Menge  geförderten
  Erzes  z.  B.  wird  heute  vom  Munitsonsamt  der  ganze
Weg  vom  Hochofen  bis  zur  fertigen  Granate  vorgeschrieben,
  wobes  auch  unnötige  Frachten  nach  Möglichkeit  erspart
  werden.  Das  gleiche  gilt  für  die  Verarbeitung  der
Wolle,  die  Herstellung  der  Werkzeugmaschinen  und  vieles
andere,  was  auch  nur  indirekt  zur  Deckung  des  Heeresbedarfs
  gehört.  Innerhalb  der  Betriebe  und  innerhalb.
ganzer  Industriezweige  herrscht  eine  spstematische  und
weilestgehende  Arbeitsteilung,  so  daß  der  einzelne  seine
Arbeitsleistung  erheblich  zu  steigern  und  auch  einen
höheren  Lohn  zu  verdienen  vermag,  ohne  daß  die  gesamten
Erzeugungskosten  etwa  in  die  Höhe  gehen.  Es  scheint  sogar,
  daß  der  englische  Staat  trotz  höherer  Löhne  und  zahlreicher
  Fabrikneubauten  heute  seine  Munition  und  andere
Artikel  der  Kriegsindustrie  billiger  herstellt  als  noch  vor
einem  Jahre.  —-  «

So  unbequem  dieses  ganze  Zwangssystem  des
Staates  den  englischen  Industriellen  natürlich  ist,  so  stark
machen  sich  doch  jetzt  schon  gewichtige  Stimmen  geltend,
daß  für  die  Zukunft  die  neuen  Arbeitsmethoden  einen
großen  Fortschritt  bedeuten.  Eine  Rückkehr  zu  den  alten,
Kräfte  verschwendenden  Arbeitsmethoden  wird  als  undenkbar
  bezeichnet.  Man  sieht  nur  noch  nicht,  in  welcher
Weise  die  aus  dem  Felde  zurückkehrenden,  der  neuen
Organisation  fremd  gegenüberstehenden  Arbeiter  mit  dem
Neuen  ausgesöhnt  werden  können.

Die  Arbeitgeber  haben  sich  zum  großen  Teil  schon
privatim  zusammengeschlossen,  um  unter  Ausnutzung  der
Kriegserfohrungen  und  Kriegsorganisationen  in  großen
Konzernen,  nicht  mehr  in  gegenseitigem  Wettbewerb.  eine

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