Sonderdrucke.
von  Seite  4  der  Beilage  zu  Nummer  14  (Zum  Nachdenken
für  jeden  Deutschen)  Sonderdrucke  hergestellt  worden,  die
als  Flugblälter  und  zum  Anschlag  kostenlos  von  der  Ver-—



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Zur  Organisation  der  englischen
Industrie.

Wie  im  allgemeinen  schon  bei  uns  bekannt,  hat  das

zunehmende  Mißverhältnis  zwischen  dem  Bedarf  der
Heeresverwaltung  und  den  jeweils  vorhandenen  Rohstoffmengen
  in  England  dazu  geführt,  daß  die  Staatsverwaltung
  (Muniktionsministerium)  eine  durchgreifende  Kontrolle
  über  die  Gewinnung  und  Zufuhr  auf  der  einen
Seite,  den  Verbrauch  der  Rohstoffe  auf  der  anderen  Seite
mehr  und  mehr  anstrebt.
Die  Kohlenbergwerke  stehen  jetzt  sämtlich  in
staatlicher  Verwaltung;  zwischen  England  und  Schoktland,
sowie  Wales  ist  kein  Anterschied  mehr  vorhanden.  Das
neu  errichtete  Kohlen-Dep.  des  Board  of  Trade  hat  die
Ausgabe  bekommen,  sowohl  die  Produktion  lelbst  als  auch
die  Finanzierung,  die  Lohnverhältnisse  und  die  Kohlenpreise
  zu  regeln.  Daneben  bleiben  der  Ausschuß  zur  Regelung
  der  Kohlenausfuhr  nach  Frankreich  und  einige
ähnliche  Organisationen  bestehen.  m  idie
  Entschädigung,  welche  an  die  Privatbesitzer  zu  zahlen
ist,  nach  dem  Gewinn  des  Jahres  1913  oder  auch  1914
berechnet  werden  wird.  Klarheit  über  die  Betriebsführung
  scheint  noch  nicht  zu  bestehen.  Im  allgemeinen
führen  die  privaten  Angestellten  den  Betrieb  genau  so
weiter,  wie  sie  ihn  früher  für  ihre  Gesellschaften  geführt
baben.  Die  bessere  Ausnutzung  des  Eisenbahnmaterials
durch  geeignete  Verteilung  und  die  Verhinderung  einseitig
großer  Gewinne  scheinen  also  der  Hauptzweck  der  staatlichen
  Besiczergreifung  zu  sein.  In  den  Kreisen  der
Grubenbesitzer  wird  jedoch  lebhaft  darüber  geklagt,  daß
man  die  Absichten  des  Handelsamts  nicht  kenne,  und  daß
daher  im  Absatz  der  Kohle  zunächst  ein  chaotischer  Zustand
  eingetreten  sei.

Auch  die  Frage  einer  ratsonellen  Bewirtschaftung  der
englischen  Eisenerzbergwerke  wird  wieder  lebhaft
  erörkert,  seitdem  die  ausländische  Zufuhr  durch  den
II.  Boot-Krieg  gefährdet  ist.  Genaueres  über  die  beabsichtigten
  Maßnahmen  der  Regierung  ist  jedoch  noch  nicht
belannt.

Die  Eisenbahnen  sind  gleich  zu  Beginn  des
Krieges  unter  die  Oberleitung  der  englischen  Regierung
genommen  worden.  Hierzu  ist  beim  Handelsamt  ein
„Executive  Committee“  errichtet  worden,  zu  dem  jede
Eisenbahngesellschaft  einen  ihrer  früheren  Direktoren  delegiert
  hat,  und  dessen  tatsächlicher  Leiter  —  bei  nominellem
Vorsitz  des  Handelsamtspräsidenten  —  einer  dieser  Eisenbahndirektoren
  ist.  -

Fertigen.

Man  nimmt  an,  daß

Dieses  Direltoxium  hat,  soviel  bekannt  geworden  ist,
niemalo  versucht,  einen  direkten  Einfluß  auf  den  Betrieb
der  Eisenbahngesellschaften  zu  erlangen.  Es  hat  sich  damit
begnügt,  den  Betriebsleitern  der  verschiedenen  Gesellschaften
  die  erstrebten  Ziele  mitzuteilen,  und  hat  es  ihnen
überlassen,  die  entsprechenden  Verfügungen  selbst  auszuertigen.
  Am  einen  wirklichen  Staatsbelrieb  handelt  es
sich  also  nicht,  und  im  ganzen  scheint  das  Sostem  bieher
befriedigend  gearbeitet  zu  haben;  allerdings  war  auch  von
ihm  ganz  wesentlich  weniger  zu  leisten,  als  etwa  von  den
deutschen  Eisenbahnen.  Die  Schwierigkeiten,  welche  auch
in  England  aufgetreten  sind,  führt  man  dort  darauf  zurück,
  daß  rollendes  Material  an  Frankreich  und  nach  Saloniki
  abgegeben  worden  ist,  während  doch  die  Kriegsindustrie
  den  Güterverkehr  beträchtlich  erhöht  hat,  und
darauf,  daß  die  Zwangsrekrutierung  auch  in  das  Eisenbabnpersonal
  erhebliche  Lücken  gerissen  hat.

Im  Januar  1917  ist  das  Executive  Committee  daran
gegangen,  die  Fabrpreise  zu  erhöhen  und  Personenzüge
in  großer  Zahl  ausfallen  zu  lassen.  Ein  Rückgang  um
elwa  20  bis  25  Prozent  in  der  Zahl  der  Reisenden  ist  bis
Ende  Februar  eingetreten.  Weiteren  Einschränkungen  des
Personenverkehrs  und  weiteren  Fahrpreiserhöhungen  will
man  zunächst  dadurch  vorbeugen,  daß  das  rollende  Material
  gleichmäßiger  über  das  gesamte  Eisenbabnnetz  verteilt
  und  als  gemeinschaftlicher  Besitz  verwendet  wird.  Die
privaten  Wagenbesitzer  scheinen  aber  vorläufig  diesen
Plänen  noch  erheblichen  Widerstand  entgegenzustellen.
Man  rechnet  daber,  daß  es  tatlächlich  doch  zu  weiteren
Verkebrseinschränkungen  kommen  wird.

Das  finanzielle  Risiko  wie  auch  den  etwaigen  Kriegsgewinn
  hat  der  Staat  übernommen,  indem  er  den  einzelnen
Gesellschaften  den  Gewinn  des  Jahres  1913  zugesichert
bat.  Daran  ist  namentlich  bemerkenswert,  dah  der  Reinertrag
  aller  in  den  Vorjahren  bewirkten  Kapitalinvestserungen,
  die  erst  im  Kriege  anfangen  konnten  Gewinn  zu
bringen,  dem  Staat  und  nicht  den  Gesellschaften  zufällt.

Für  die  Friedenszeit  rechnet  man  auch  bei  den  Eisenbahnen
  mit  einer  strafferen  Zufammenschliehung  auf
Grund  der  im  Kriege  ausgebauten  Organisation.  Man
glaubt,  daß  auf  der  einen  Seite  die  großen  Lohnerhöhungen
  der  Eisenbahnangestellten,  die  schon  jetzt  auf  240  Millionen
  Mark  jährlich  berechnet  werden,  und  die  Notwendigkeit,

  das  gesamte  Material  nach  der  starken  Kriegsbeanspruchung

  zu  erneuern,  und  auf  der  andern  Seite  der
Druck  der  Reglerung,  die  im  Interesse  der  Gesamtwirtschaft
  auf  niedrige  Frachten  halten  wird,  die  Anternehmungen
  vor  eine  besonders  schwierige  Aufgabe  stellt,
aus  der  nur  eine  bessere  Ausnutzung  des  Materials
und  der  Ausschluß  jedes  die  Betriebskosten  vermehrenden
Wettbewerbs  heraushelfen  kann.

Von  besonderer  Bedeutung  ist  das  Vorgehen  Englands
  auf  dem  Gebiete  des  Wollhandels  und  der
Wollindustrie.  Hierüber  bleiben  weitere  Mitkeilungen
  für  eine  der  nächsten  Nummern  vorbehalten.

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