Die  Deutschen  als  Kriegssträflinge.

In  immer  neuen  Tonarten  wirb  von  der  öffenklichen
Meinung  Frankreichs  die  Frage  der  Bestrafung  Deutschlands
  bzw.  Art  und  Ausmaß  der  den  Alllierten  und  insbesondere
  Frankreich  zu  leistenben  Entschädigungen  erörtert.
  Der  als  Abendblatt  in  Paris  sehr  verbreitete
„Intransigeant“  faßt  in  der  Nummer  vom  27.  April  „die
fürchterliche  Rechnung“,  die  Deutschlanb  aus  Gründen
der  Moral  und  der  Gerechtigkeit  bezahlen  müsse,  zusammen.
  Das  menschliche  Gewissen  würde  gegen  einen
selbst  noch  so  glorreschen  Frieben  protestieren,  der  nicht
nach  dem  Wort  von  Llopd  Georges  Sanktionen,  Garantien
  und  Genugtuungen  enthielte.  Vor  allem  Genugtuungen,
  die  in  einer  klaren  und  genauen  Formel  bekanntgegeben
  werben  müßten.  Kann  man  auch  die  Gesamtsumme
  der  gigantischen  Rechnung  noch  nicht  angeben,  so
ist  es  doch  möglich,  ihre  hauptsächlichsten  Posten  schon
jetzt  aufzuzüählen.  Warum  nicht  proklamieren,  daß  das
deutsche  Gelb  und  die  deutsche  Arbeitskraft  die  zu  Staub
gemachten  Städte  und  Dörfer  wieder  aufbauen,  die  Herden
ergänzen,  den  Alliierten  ganze  Scharen  von  Arbeltern
liefern  müssen.  Zu  „Krsegssträflingen“  geworden,
  werden  die  Deutschen  viellescht  endlich  den  Sinn
der  Worte  begreifen:  „Was  Du  nicht  willst,  das  man  Dir
tu,  das  füg'  auch  keinem  andern  zul“  Hypothekiert  zum
Zweck  dieser  rechlmäßigen  Genugtuung  hätten  die  deutschen
  Städte  für  den  Wieberaufbau  gleichwertiger  fran-Ortschaften

  aufzukommen.  München  soll  Reims,
Köln  Arras,  Nürnberg  Soissons  neu  errichten.  Die
beutschen  Solbaten  und  Ackerbauer  müßten  gezwungen
werden,  die  Gegenden  zu  neuem  Leben  zu  erwecken,  aus
denen  die  ersteren  eine  namenlose  Wüste  gemacht  hätten.
Das  alles  aber  genügt  noch  nicht.  Denn  kein  Abrüstungszwang,
  nicht  einmal  eine  zeitweilige  Gebieksbesetzung
würde  Deutschland  bindern,  seine  militärische  Kraft  neu
zu  schmieden.  Darum  muß  es  an  den  Quellen  seines
Lebens,  d.  h.  beim  Gelde,  erdrosselt  werden.  Außer  dem
Materialschaden,  dem  Preis  für  die  Wegezerstörung,  die
Wälder-  und  Flurenvernichtung  muß  ein  Blutprels,  ein
Emtgelt  für  bie  in  den  Schlachten  gefallenen  Opfer  gefordert
  werden.  Mit  dem  Golde,  das  jahrelang  aus
Deutschlands  Adern  nach  Frankreich  strömen  wird,  müssen
die  Pensionen  der  französischen  Solbaten  bezahlt,  die  Verwundeten
  getröstet,  die  Waisen  ausgebildet,  der  französische
  Landbau  wieder  aufgerichtet,  Frankreichs  Bergbau
  und  Industrie  zu  neuer  Blüte  gebracht  werden.

An  dem  beutschen  Volke,  dieser  Geisel  Attilas,  muß
ein  unvergeßliches  Exempel  statuiert  werden.  Das  heldenmütige
  Frankreich  und  seine  Verbündeten  werden  die  notwendigen
  Genugkuungen  vorschreiben.  Wer  bindert  die
Verbündeten  daran,  diese  Forderungen  schon  jetzt  klar  und
laut  zu  verkünden.

Begen  den  Frieden  mit  deutschlanol

Cnglische  Staatsmänner  als  Verbreiter
von  Verleumoungen.

In  einer  Rede,  die  Lord  Curzon  laut  „Daily  Telegraph“
  vom  23.  April  kürzlich  in  London  zehallen  hat,
sagte  er  u.  a.:  „Es  gibt  viele  im  Lande,  die  da  rufen:  Macht
endlich  um  jeden  Preio  Frleden  und  laßt  uns  zu  unseren
gewohnten  Beschäftigungen  zurückkehren!  Man  wülrbe
den  höchsten  Ibealen  der  Menschbelt  untreu  werden,  wollte
man  derartigen  Einflüsterungen  Gehör  schenkeni.  England
kann  in  diesem  Augenblick  nicht  inne  halten,  denn  dle
Feinde  wollen  nichts  von  seinen  Bebingungen  hören.
Dagegen  scheuen  diese  vor  keiner  Art  Schrecken  zurück.
Selbst  die  Körper  der  Gefallenen  verschonen  sie  ulcht,

wie  man  gelesen  hat.“
Der  letzte  Satz  bezieht  sich  auf  die  kürzlich  in  der

englischen  Presse  verbreitete  alberne  Sensationsnachricht,

die  Leichen  der  gefallenen  Helden  würden  von  den  Deutschen
  zu  Krlegszwecken,

.·,»«  für  die  Fettgewinnung  und  dergreichen
  verwertet.  Ebensowenig  wie  Lord  Curzon,  der
frühere  Bizekönig  von  Indien,  verschmähte  es  das  Re-Nachricht
  als  wahrgierungsmitglieb

  Lorb  Cecll,  diese  2
tt-  einlich  zu  bezeichnen.  Auf  die  Anfrage  eines  Abgeorbneten
  erwiderte  er  im  Unterhaufe,  daß  die  betreffende
Melbung  angesichts  anderer  Handlungen  der  deutschen
Militärbehörden  nichts  Anglaubwürdiges  enthalte.  Die
Regierung  habe  daher  die  Verbreitung  durch  die  üblichen
Kanale  zugelassen.  Der  betrefsende  Abgeordnete,  dem
ein  derartiges  Verfahren  seiner  Regserung  denn  doch  zu
weit  ging,  wurde  schlieslich  auf  seine  eindringliche  Forderung,
  die  Negierung  müssee  die  Wahrheit  ergründen,  als
unvernünftig  abgefertigt.

Würde  wohl  die  deutsche  Presse  sich  dazu  hergeben,
dem  deutschen  Volk  derartige  Lügen  zu  berichten,  würde
ein  deutscher  Staaksmann  es  wagen,  im  Reichstage  df
Verbreitung  solch  offensichtlicher  Verleumdungen  selbst
der  Feinde  zu  unterstüten?

Anwendung  des  britischen  Munitionsgesetzes.
  «

In  der  Zeitung  „Rew  Statesman“  vom  14.  4.  17
wird  berichtet:  In  Sheffield  und  ebenso  in  einigen  anderen
Industrie-Mittelpunkten  herrscht  sehr  große  Unzufriedenheit
  wegen  der  eengen  Anwendung  des  Munitions-Saeepes
  besonders  hinsichtlich  der  Verweigerung  von  Abkehrscheinen
  und  schwerer  Geldstrafen  für  Lebertretung
Werkschaftsordnung.

Laut  „Times“  vom  13.  4.  17  wurde  vor  dem  Gericht
in  Birmingham  gegen  4  Munitionsarbester  verhandelt,
die  unter  Anklage  gestellt  waren,  weil  sie  in  der  Zeit  vom
g.  bis  28.  Februar  auf  ungesetzliche  Weise  versucht  hätten,
die  Produktion  von  Kriegsmaterlal  in  einer  dortigen  Granatenfabrik
  herabzusetzen.

Nach  dem  „Expreß“  vom  9.  1.  17  wurde  der
29jährige  Munitionsarbeiter  Mitchell  mit  60  M.  Gelhr
strafe  belegt,  weil  er  der  Arbeit  ferngeblieben  war,

ber