*  Ausdehnung

des  englischen  Munitionsgesetzes.

Durch  einen  Nachtrag  zum  Munitionsgesetz  hat  der
britische  Munitionsminister  das  Recht  erhalten,  die  Bestimmungen
  des  Gesetzes  auf  jede  Art  von  Arbeit  anzuwenden,
  die  nach  seiner  Ansicht  von  nalionaler  Wichtigkeit
  ist.  So  ist  bereits  die  Herstellung  von  landwirtschaftlichen
  Geräten  als  Munitionsarbeit  bezeichnet  und  damit
dieser  Industriezweig  dem  Munitionsgesetz  einschließlich
seiner  Strafbestimmungen  unterworfen  worden.

*Englische  Gewerkschaftsfül
Regelung  von  Frbeiterstreitigkeiten
währeno  des  Kriegs.

Bei  einer  Zusammenkunft  zwischen  dem  sozialistischen

Kabinettsmitglied  Henderson  und  dem  Munitionsminister

Addison  mit  den  Vertretern  von  50  Gewerkschaften  des
Maschinenbau-  und  Schiffbaugewerbes  wies  Henderson
auf  die  äußerst  gefährliche  Lage  hin,  die  durch  die  Arbeitseinstellung
  einer  beträchtlichen  Anzahl  von  Maschinenarbeitern
  in  verschiedenen  Gegenden  herbeigeführt  worden
sei.  Dadurch  werde  die  Lieferung  wichtigen  Schießbedarfs,
  der  für  die  Front  dringend  notwendig  sei,  auf
das  schwerste  gehemmt.  In  der  daraufhin  von  der  Versammlung
  angenommenen  Entschließung  wurde  erneut  die
Ueberzeugung  ausgedrückt,  daß  in  Kriegszeiten  alle
Arbeilerstreitigkeiten  auf  verfassungsmäßigem  Wege  erledigt
  werden  sollten  und  daß  der  zum  Ausbruch  gekommene
  Streik  aufs  tieffte  zu  beklagen  sei.

*Mahnahmen  gegen  Streiks

in  England.
Die  scharfe  Amwendung  des  englischen  Munitsonsgesetzes

  wird  nicht  auf  die  Arbeiter  der  eigentlichen
Kriegsindustrie  beschränkt.  Bei  dem  in  der  vorigen  Woche
ausgebrochenen  Streik  der  Motor-Omnibusführer,  der
wegen  der  großen  Bedeutung  des  Motoromnibusbetriebes
für  London  den  Verkehr  ernstlich  gefährdete,  hat  die  Regierung
  sofort  einen  polizeilichen  Besehl  veranlaßt,  in  dem
erkiärt  wurde,  daß  die  Streikenden,  da  sie  die  Munitionsarbeiter
  daran  hindern,  ihre  Werkstätten  zu  erreichen,
nach  dem  Landesverteidigungsgeseh  mit  Gefängnis  bestroft
  werden  können.

Laut  „Daily  Mail“  vom  10.  Mai  1917  erklärte  der
Finanzminister  und  Wortführer  der  Regierung  Bonar
Law  im  Unterhause,  daß  die  Regierung  ohne  Verzug

  gegen  die  Aufwiegler  einschreiten  werde;  denn  sie

rer  über  dieallein

  seien  für  den  Ausfall  in  der  Herstellung  der  so

dringend  benötigten  Munition  verantwortlich  zu  machen.
In  einem  öffentlichen  Aufruf,  in  dem  sich  die  Regierung
  gegen  die  oben  erwähnte  Arbeitseinstellung  von
Maschinenarbeitern  wandte,  wurden  nach  einem  Hinweis
auf  den  Ernst  des  Augenblicks  mit  seinem  unerhörten
Munitionsbedarf  auf  allen  Fronten  alle  guten  Bürger  ermahnt,
  die  Arbeit  unverzüglich  wieder  aufzunehmen:
„Wer  irgendwie  dazu  beiträgt,  daß  die  Munitionserzeugung
  ins  Stocken  gerät,  macht  sich  einer  Zuwiderhandlung
gegen  das  Reichsverkeidigungsgesetz  schuldig  und  wird
nach  dessen  Bestimmungen  —  unter  Amständen  sogar  mit
lebenslänglicher  ZJwangsarbeit  —  bestraft.“

Die  TLeistungen  der  onglischen
Munitionsarbeiter.

Laut  „Morning  Post“  vom  7.  Mai  1917  sandte  der
König  an  die  Maschinenbauer-Vereinigung  der  in  London
tagenden  Werlführer  ein  Telegramm,  worin  er  sie  zu  dem
festen  Entschlusse,  die  Fabrikation  von  Geschossen  auf  der
Höhe  zu  erhalten,  beglückwünscht,  denn  davon  hänge  vor
allem  der  glückliche  Ausgang  des  Krieges  ab.

„Daily  Mail“  vom  10.  Mai  1917  bringt  ein  Glückwunschtelegramm
  von  Marschall  Sir  Douglas  Haig  an
den  Munitionsminister.  Der  Generalissimus  erklärt  darin,
er  habe  amtlich  dem  Armeerat  seine  Befriedigung  über  die
gute  Versorgung  der  Artillerie  mit  Mannschaften  und
Munition  ausgesprochen.  Die  gesamte  Armee  erkenne
das  Bestreben  der  Kriegsarbeiter  an,  das  Heer  nicht  nur
mit  Munition,  sondern  auch  mit  Gewehren,  Flugzeugen,
Tanks  und  Transportmitteln  reichlich  zu  versehen.  Wir
wissen,  so  heißt  es  wörtlich,  daß  wir  auf  unsere  Arbeiter
daheim  rechnen  können;  wir  wissen,  daß  sie  in  ihren  Bemühungen
  nicht  nachlassen  werden,  damit  es  dem  Heere
für  die  uns  noch  bevorstehenden  Kämpfe  an  nichts  gebricht.

*  Deutsche  Streiks,  die  Hoffnung

der  Feinde.

Mit  gespannter  Aufmerksamkeit  wird  von  den
Feinden  die  innere  Lage  Deutschlands  verfolgt.  Der
„Daily  Telegraph“  vom  27.  4.  1917  spricht  von  dem  „Zelsetzungsprozeß“,
  dem  nicht  mehr  Einhalt  geboten  werden
könne.  Mit  unverhohlener  Befriedigung  schließt  das
Blatt  seine  Betrachtung:  1

„Die  Behauptung,  daß  die  Streiks  bie  Kriegsmaterialherstellung
  nicht  beeinflußt  hätten,  wird  nicht
mehr  aufrecht  erhalten.  Offenbar  haben  die  Arbeitseinstellungen,
  die  schon  jetzt  im  Verhälknis  zu  der  gegnerischen
außerordentlich  geringe  Produktion  schwer  gefährdet.“

Druck:  Linden-Druckerei  u.  Verkags-Ges.  m.  b.  K.,  Verl#n#  NW.  (.