*  der  „Matin“:  „An  das  deutsche  Volk!“

In  einem  „Aufruf“,  den  der  Matin  vom  17.  Mai  an
ber  Spitze  des  Blattes  an  das  deuische  Volk  richtet,  finden
sich  die  folgenden  bezeichnenden  Sätze:

„Deutschland  muß  endlich  die  Wahrheit  erkennen.
Der  Tag  der  unheilbaren  Niederlage  naht.  Es  muß
wissen,  daß  seine  Verbrechen  unvermeihlich  ihre  gerechte
Strafe  empfangen  werden...

Nach  heftigen  Ausfällen  gegen  den  Kanzler  und
gegen  „die  Sozialisten  des  Vorzimmers,  die  der  Kaiser
und  seine  Ratgeber  gegen  die  Verbündeten  in  Bewegung
setzen,“  nach  begeisterten  Lobeshymnen  auf  die  verschiedenen
  Ententemächte  und  insbesondere  auf  die  Vereinigten
Staalen,  „das  größte  Volk  der  Erde,“  daß  den  Intergang
  des  deutschen  Militarismus  jetzt  beschlossen  habe,
beißt  es  weiter:  „Für  jede  Unterhaltung  mit  dem  feindlichen
  Angeheuer  ist  die  Zeit  vorbei.  Sein  Tod  ist  beschlossene
  Sache.  Nichts  kann  die  preußische  Tyrannei
vor  der  Vernichtung  retten,  sie  muß  den  Herd  der  Verbrechen
  treffen,  für  die  sie  berangezogen  worden  ist.“  ...

Die  deutschen  #-Boots-Helden  werden  bewaffnete

Banditen  (bandits  armés)  genannt.  Amerika  werde
das  seinige  tun,  um  den  Verbündeten  bei  der  Abwehr
  dieser  Gefahr  zu  helfen.  .  ..  „Die  Bölker  der
Entente  schlagen  sich  für  die  Freiheit,  Das  deutsche  Volk
und  seine  Verbündeten  (progermains),  vom  Hunger  bedroht
  und  auf  die  Verteidigung  beschränkt,  zeigen  der  Welt
alle  ihre  Laster.  Ihr  Anblick  gleicht  dem  des  Verbrechers,
der  sich  in  der  Schlinge  gefangen  hat  und  die  Strafe  erwartel.
  Die  deutsche  Tyrannei  muß  wissen,  daß  keine
Macht  sie  noch  retten  kann,  denn  sie  ist  von  der  ganzen
Menschheit  zur  restlosen  Erstaltung  des  angerichteten
Schadens  verurleilt  worden.  Sie  muß  wissen,  daß  ihre
Schuld  gegen  die  Jiovilisation  sich  auf  hunderte  von  Milliarden
  beläuft,  sie  muß  wissen,  daß  ihr  Widerstand  täglich
westere  Milliarden  kostet  und  daß  sie  arbeiten  muß,  um
din  Preis  ihrer  ungeheuerlichen  Nichtswürdigkeit  zu  bezehlen.
  Dieses  Volk  muß  sich  bemütigen,  es  muß  um
Gnade  bitten  und  sich  vor  dem  Nichterstuhl  seiner  Besieger
  bestmöglich  zu  verteidigen  suchen,  es  muß  wissen,
daß  jeer  Verstümmelke,  jede  Familie,  deren  Kinber  getötet
oder  deren  Güter  verwüstek  sind,  Entschädigung  zu  erbalten
  haben.  Die  Schande  seiner  Verbrechen  kann  nur
durch  die  Wohltaten  der  Arbeit  ausgelöscht  werden.  Noch
nach  einem  Jahrhundert  werden  seine  Enkel  über  folche
Ahnen  erröken.

Der  ichter  kann  sich  nur  erweichen  lassen,  wenn  der
Schuldige  sich  vor  ihm  niederwirst,  um  seine  Sache  zu
fübren,  und  selbst  darum  bittet,  daß  ihm  die  Möglichkeit
genommen  ib-  ron  neuem  Schaden  zu  stiften.

Sruck  Mhen-Eeet———

Wenn  es  dazu  kommt,  baß  die  Heere  der  Entente
und  Amerikas  eines  Tages  in  Berlin  ihre  Gesetze  diltieren,
dann  werden  die  Strasen  noch  härter  sein  und  kein  Gefühl
der  Menschlichkeit  wird  das  unerbittliche  Urteil  mildern
können,  durch  das  dem  preußischen  Militarismus  mit  allen
seinen  Folgen  ein  Enbe  gemacht  wird.“

*  Wie  man  in  Englans  über  die  Streiks
der  Rüstungsarbeiter  urteilt.

Im  „Scotsman“  vom  15.  Mai  1917  beißt  ees

Die  Arbeiter  haben  die  Arbeit  gegen  den  Nat  ihrer
Gewerkschaftsführer  ohne  stichhaltigen  Grund  niedergelegt...
  Wenx  sie  nicht  anders  zur  Vernunft  gebracht
werden  können,  muß  Gewalt  angewandt  werden,  die  die
Regierung  durch  das  Reichsverteidigungsgesetz  besitzt.  Es
ist  widersinnig,  daß  die  Munitionsarbeiter  —  obwohl  sie
hohe  Löhne  erhalten  und  keiner  Gefahr  ausgesetzt  sind  —
die  Fortschritte  unserer  Waffen  aushalten.  Die  Miltionsarbeiter
  sollten  die  letzten  sein,  die  sich  gegen  *
Kriegsnotwendigkeiten  auflehnen.  Sie  sind  in  einer  devorzugten
  Stellung  gegenüber  allen  andern.

Wenn  sie
aber  durch  alle  Vorurteile  so  verblendet  sind,  nicht  ihre
außergewöhnlichen  Privilegien  anzuerkennen,  so  scheint  es
angebracht,  die  Männer  in  den  Schützengräben  über  die
Aufrechterhaltung  unserer  Munitionszufuhren  zu  fragen.
„HDaily  Telegraph“  vom  16.  Mai  schreibt  in  gleichem
Sinne:
Wir  sind  weder  geneigt,  den  Kriegsmaterialarbeitern
noch  dem  Omnibuspersonal  mildernde  Amstände  zuzubilligen.
  Es  gibt  keine  Entschuldigung  für  die  Niederlegung
  der  Arbeit  in  solchem  Angenblick!  In  ekhischer  Beziehung
  ist  sie  genau  so  wenig  zu  rechtserligen,  wie  wenn
die  Truppen  an  der  Front  die  Wafsfen  niederlegten"  Es
sind  alles  britische  Arbeiter,  einerlei,  ob  sie  Zivil  oder
han  tragen,  und  einerlei,  welcher  Disziplin  sie  unter=Diejenigen
  Arbeiter,  die  in  England  Kriegematerial
schaffen,  haben  die  von  allen  freien  Nationen  der  Welt
anerkannte  Tatsache  unverkennbar  vor  sich,  daß  der  Vierverband
  ausschließlich  die  Prinzipien  der  Freiheit  verteidigt.
  Wenn  sie  sich  daher  weigern,  die  Kämpfer  an  der
Front  zu  unterstützen,  dann  gerät  die  Zivilisation  in  Gefahr,
  vom  Preußentum  zertreten  zu  werden.  Das  eng:
lische  Volk  muß  ohne  Anterschied  von  Stand  oder  Partel
die  Arbeitseinstellung  verurkeilen:  sie  bedeutet  nicht  nur
eine  AUntreue  gegen  den  Vierverband,  sondern  auch  eine
Untreue  gegen  die  Soldaten  an  der  Front.

*  wangseinquartierung  von  Munitions“
arbeitern.
Anfang  Mai  ist  im  englischen  Anterhaus  in  ditee
Lesung  ein  Gesetz  angenommen  worden,  wonach  der
völkerung  die  Verpflichtung  auferlegt  werden  lann
Arbeitern  der  Kriegsindustrie  Quartier  zu  gewähren.  21
Einschleppung  ansteckender  Krankheiten  durch  einquartier
Personen  soll  Entschädigung  gewährt  werden.

Ke’Tis