*Englische  und  französische
Parlamentereden.
Nach  einem  Bericht  der  Zeitung  I'Oeuvre  vom

11.  Mai  hat  der  Depulterte  Dusmenil,  Berichterstakter  der
Finanzkommission,  im  Anschluß  an  seine  Darlegung  über
die  neuen  Steuerprojekte  die  Notwendigkeit  von
Annexionen  zur  Deckung  des  nach  dem  Kriege  auf  11  Milliarden
  600  Millionen  zu  schätzenden  Staatsbedarfs  mit
nachstehender  Begründung  zu  rechtferkigen  gesuch:

Unsere  lieben  Provinzen  Elsabß  und  Lothringen  stellen
nicht  nur  heute  wie  gestern  ein  herrliches  und  reiches  Land
dar,  dessen  landwirtschaftlicher  und  industrieller  Aufschwung
  den  Wohlstand  des  Mutterlandes  noch  betkrächtlich
  steigern  wird,  sonbern  sie  bergen  unterirdisch  unschäßbare
  Werte.  Außer  ihren  Kohlen-  und  Eisengruben,  Salzund
  Phosphat-Bergwerken,  werden  wir  dort  unter  dem
Walde  von  Nonnenbrück,  zwischen  Cernap  und  Mühlbausen,
  ungeheure  Kallläger,  die  schon  vom  deutschen  Staat
ausgebeutet  werden,  wiederfinden,  deren  fabelhafter  Wert
sich  nach  mehreren  10  Milliarden  bezifferk,  und  die,  wenn
sie  vom  Staat  ausgebeutet  werden,  für  das  in  seiner
ganzen  Kraft  wiederauferstandene  Frankreich  einen  Friedensschatz
  bilden  werden.  Nennen  wir  auch  noch  im
Niederelsaß,  in  dem  Gebiet  von  Soultz-sous-Foret,  die
Asphaltbergwerke  von  Lobsaus  und  die  Petroleumauellen
von  Pechelbronn,  Schabweiler,  Riblisheim  und  des  gesamten
  Gebieks  zwischen  Weißenburg  und  Hagenau.  Aus  diesen
  Quellen  haben  die  Deutschen  im  Laufe  des  Krieges  ihr

In  der  Eröffmungssitzung  der

hat  der  Ministerprästdent  Ribot  sich  a
Annexsonsfrage  u.  a.  wie  folgt  geäußert:

„Der  Frieden  ohne  Annexionen,  ohne  Kriegsentschädigungen
  bedeuket  nicht,  daß  Wiedererstattungen
trestitutions),  die  auf  Recht  und  Gerechtigkeit  begründet
sind,  ausgeschlossen  sind.  Ebensowenig  kann  davon  die
Rebe  sein,  baß  die  Rechming  für  die  schrecklichen  und  barbarischen
  Plünderungen  unseres  Landes  durch  Leute,  die  die
Zidilisation  im  Munde  führen  und  sie  nicht  kennen,  nicht
vorgelegt  wird.  In  der  Tat  handelt  es  sich  nicht  um  eine
Kriegsentschädigung,  die  dem  Besiegten  als  Strafe  auferlegt
  wird,  sondern  nur  um  eine  Wiederherstellung
(réparation),  um  ein  Werk  der  Gerechtigkeit,  die  nicht
nur  die  Streitigkeiten  der  Menschen  unterelnander
schlichten,  sondern  auch  die  Völker  zur  Achtung  vor  dem
Recht  zurückführen  soll.  Die  ganze  Wekt  wird  einen  Gerichkshof
  bilden,  um  über  unsere  Sache  zu  urteilen.  In
diesem  Sinne  wünschen  wir  und  Rußland  den  „Frieden
ohne  Annexionen“.

n  gleicher  Weise  wie  sein  französischer  Kollege  hat  der
englische  Minister  Lord  Cecil  kürzlich  im  Oberhause  versucht,
  die  englischen  Annexionswünsche  burch  die  Worte:
Wiederherstellung,  Entschädlgung  und  dergl.  zu  verschleiern.

  In  Beantworkung  einer  von  einem  friebensfreundlichen
  Abgeordneten  eingebrachten  Resokution  erklärte
  Lord  Cecil  u.  a.,  daß  die  Lostrennung  Arabiens,  das
seine  Unabhänglgkeit  erklärt  habe,  von  der  Dürkei  doch
nicht  als  Annexion  gedeutet  werden  kann.  Das  glesche
können  Sorien  und  Palästina  beanspruchen.  Unter  keinen
Umständen  sind  Annexionen  in  dem  Sinne  abzulehnen,  daß
kein  während  des  Krieges  gewaltsam  genommenes  Gebiet
seinen  Areigentümern  wledergegeben  werden  darf.  Beispielsweise
  habe  Englanb  bie  beutschen  Kolonsen  in  Afrika
nicht  angegrissen,  um  sie  nach  Besreiung  von  der  beutschen
Mißreglerung  an  die  Eingeborenen  zurückzugeben.  Der
Feldzug  war  nur  ein  Teil  des  Gesamtkrieges.  Nachdem
  aber  die  Befrekung  erfolgt  ist,  kann  man  die  Kolonten
doch  nicht  an  die  Deutschen  zurtickfallen  lassen,  die,  wie
Cecil  nachzuweisen  sucht,  die  Eingeborenen  aufs  Grausamste
  behandelt  hätten.  Für  Polen,  Elssaß-Lokhringen  und
die  von  Italien  geforderlen  österreichischen  Gebleie  gill  die
glelche  Wahrheit,  daß-  alle  solche  Ilele  der  Gerechtigkeit
und  Wieberherstellung  zwar  nicht  einen  Kriegsgrund  abgeben

  können,  baß  es  jedoch  etwas  ganz  anderes  i#l,  auf  die

Frilcchte  solcher  höchst  wünschenswerlen  Besserung  völlig  zu
verzichten.

Gegentiber  der  Forderung:  „Keine  Entschödigungen!“
muß  auf  Belgien,  Serbien  und  die  nördlichen  Provinzen
Frankreichs  hingewiesen  werden,  auf  die  Jerstdrungen
friedlicher  Kauffahrteischiffe.  „Die  britische  Regierung  ist
fest  entschlossen,  keinen  Frieben  anzunehmen,  der  kein  Friede
sein  wird.  Es  muß  ein  gerechter  und  dauerhafter  Frieden
geschlossen  werden.“

Der  frühere  Ministerprässdent  Asgulth,  der  nach  wie
vor  eine  führende  Rolle  im  politischen  Leben  Englands

spielt,  stellte  im  Anschluß  an  Cecils  Rede  solgende  vier  Begrisfsbestimmungen

  für  Annexionen  auf:

1.  Befreiung  unterdrückter  Völker;  2.  Bereinigung

flinstlich  getrennter  nach  Religion,  Rasse  und  Ueberliese--rung
  zusammengehöriger  Rationälitälen,  3.  Verlegung  von
Souveränität  und  DTerritorium  zum  Zwecke  der  Behauptung
  strategischer  Positionen,  die  sich  im  Kriege  zur  Sicherung
  fortwährender  Angriffsgefahr  als  notwendig  herausgestellt
  haben.  4.  Eroberungen  zur  Ausdehnung  des  Sebiets
  und  politischer  und  wirtschaftlicher  Stärkung.  Wenn
die  russische  Regierung  gegen  Annexionen  protestiert,  so
könne  es  sich  nur  um  Annexionen  im  ketzten  Sinne  handeln,
also  um  eine  Auffassung,  in  der  alle  Allü#erten  einig  seien.
Die  früheren  Erklärungen  über  die  Kriegsziele  seien  daher
noch  heute  aufrecht  zu  erhalten.  Ein  Friede  auf  dieser
Grundlage  wäre  der  einzige,  der  die  gebrachten  Opfe  rechtferligen
  würde.
Die  Resolukion  der  Friedensfreunde,  die  von  der  britfschen
  Regierung  eine  Verzichterklärung  auf  Annersonen  im.
Sinne  der  russischen  Regierung  geforderk  haits,  wurde
daraufhin  ohne  Abstimmung  verworfen.