Plernach  betrug  die  Steigerung  der  Fertigung  von  Ende
Juni  1915  bis  Rovember  1916
bei  Geschützen:
bei  mittleren  (155  Millimeter)  das  30fache,
bei  schweren  (über  155  Millimeter)  das  10,89fache,
bei  der  Munition:
für  18-Pfünder  (82  Millimeter)  das  43fache,
für  mittlere  Geschütze  das  66fache,  -
für  schwere  Haubitzen  (über  155  Millimeter)  das
323ache.
Der  Verbrauch  an  Sprengstoffen  stieg  von  September
  1914  bis  Juli  1916  um  das  11—12  O00fache.

Bei  Bewertung  dieser  Zahlen  ist  zunächst  zu  berücksichtigen,
  wie  wenig  leistungsfähig  die  englische  Rüstungstndustrie
  zu  Beginn  des  Krieges  war.  Nach  „Daily  Mail“
vom  10.  Februar  1917  (Pariser  Ausgabe)  hatte  England
bel  Ausbruch  des  Krieges  nur  Geschltze  für  8  Divisionen
nit  entsprechender  Reserve  für  Verluste.  Zur  Erhöhung
der  Fertigung  waren  keine  besonderen  Anlagen  vorhanden.
  Die  Anlagen  der  Staatsfabrik  und  bie  wenigen
  privaten  Geschützgießereien  waren  nur  für  die  normale
  Ausrüstung  eingerichtet.  Trotz  aller  Anstrengungen
des  Kriegsministeriums,  die  Fertigung  zu  steigern,  genügte
die  Lieferung  von  Geschützen  lange  Zeit  kaum,  um  den  Bedarf
  an  der  Front  zu  becken.  Aehnlich  muß  es  mit  der
Munitionsfertlgung  gestanden  haben,  wenn,  wie  Maurice
Barrées  in  „#'Echo  de  Paris“  vom  23.  August  1916  aus
dem  Munde  Lloyd  Georges  berichtet,  England  am  1.  Juli
1915  nur  einen  Vorrat  von  75.000  Granaten  hatte.  Man
muß  aber  auch  berücksichtigen,  wie  klein  die  englische
Armee  bei  Kriegsausbruch  und  wie  schwach  sie  damals
mit  mittlerer  und  schwacher  Artillerie  ausgestattet  war,
wie  in  allen  Heeren  im  Verlaufe  des  Krieges  die  Ausstattung
  der  Truppen  gerade  mit  diesem  Matertal  vermehrt
  und  in  welchem  Amfange  ber  Verbrauch  an  Muniion

  und  bamit  auch  an  Geschützmaterial  gewachlen  ist.
Letterer  Umstand  büürf  e  bei  unseren  Feinden  erheblich
mehr  zutage  getreten  sein,  da  deren  Geschütze  eine  kürzere
Lebensdauer  als  die  unsrigen  haben.

Auf  der  anderen  Seite  war  die  beutsche  Rüstungsindustrie
  bereits  im  Frieden  auf  die  um  ein  Bielfaches
größere  Stärke  bes  deutschen  Heeres  zugeschnitten.  Wenn
man  unter  Berücksichtigung  dieses  Amstandes  mit  den  von
England  zweisellos  offiziös  veröffentlichten  Steigerungs-Rffern,
  die  nicht  einmal  immer  wesentlich  niedrigeren  entsprechenden
  beutschen  Zahlen  vergleicht,  muß  man  zu  dem
Schluß  kommen,  daß  die  positiven  JZahlen  der  Gesamtfertigung
  Englands  im  Verglesch  mit  den  entsprechenden  deutschen
  Jahlen  nur  bescheiben  aussehen  können.

Verhältniszablen  können  eben  nur  dann  imponieren,
wenn  sie  auf  einer  soliden  Basts  aufgebaut  sind.  Bei
Deutschland  und  England  liegen  die  Verhältnisse  klar.  Die
ganze  Welt  weiß,  wie  hoch  entwickelt  die  deutsche  und  wie
rückstänbig  die  englische  Rüstungsindustr

eie  vor  dem  Krlege
war.  Wie  stark  die  ersten  Kriegsereigm

e  die  Basss  der

französischen  Verhältniszahlen  verklkeinert  haben,  hat  uns
die  französische  Presse  gezeigt.  Die  schärfste  Kritik  der
feindlschen  Großsprechereien  ist  aber  das  verschwindend
geringe  Ergebnis  der  jetzigen  großen  Offensive,  auf  die  sich
die  Westmächte  mit  amerikanischer  Hilfe  von  langer  Hand
in  Ruhe  vorbereiten  konnten,  während  Deutschland  zwei
Pronten  zu  versorgen  hatte  und  außerordentliche  Mengen

seiner  Erzeugung  im  rumänischen  Feldzuge  verbrauchen
mußte.

Wenn  aber  der  Rückblick  in  die  Vergangenheit  uns
schon  mehr  befriedigen  kann  als  unsere  Feinde,  um  so  mehr
muß  dies  der  Fall  sein  beim  Blick  in  bie  Zukunft.  Der-Vierverband
  hat  in  der  Waffen-  und  Munitionsfertigung
dank  der  Tätigkeit  unserer  Unterseeboote  seinen  Höhepunkt
längst  überschritten,  währenb  unsere  Fertigung  mit  der
vollendeten  Umstellung  unserer  Industrie  und  der  gerade
in  den  letzten  Wochen  begonnenen  Inbetrlebnahme  wichtiger
  Neubauten  eben  in  ein  neues  Stadium  erheblicher
Steigerung  getreten  ist.  Täglich  mehren  sich  die  Anzeichen,
daß  infolge  der  wachsenden  Frachtraumnot  die  Krisis  für
unsere  Feinde  herannaht,  die  wir  allmählich  ausgleichen
konnten  und  längst  schon  überwunden  haben.  Hier  kann
ihnen  auch  Amerkka  nicht  belfen.

Mag  die  Entente  durch  Terrorismus  und  diplomatische
  Ränke  auch  immer  neue  Verbündete  gewonnen
baben,  ihren  bisher  besten  Allüerten  hat  sie  endgültig  verloren.
  Die  „Zeit“  ist  jetzt  unser  Verbündeter,  sie  arbeitet
nur  noch  für  uns.  Daher  auch  bie  verzweifelten  Versuche
der  Westmächte,  setzt  ohne  Verzug  unter  Zurück
stellung  aller  anderen  Rücksichten  den  Sieg  zu  erringen,
denn  was  sie  nicht  bald  erreichen,  erreichen  sie  niel

ereinfachung  der  Bechtspflege.

Der  vor  einsger  Zeit  vom  Kriegsamt  an  den  Deutschen
Handelstag  und  an  den  Deutschen  Handwerks-  und  Gewerbekammertag
  gerichtete  Aufruf  zur.  Vereinfachung  der
Rechtspflege  hat  in  den  betelligten  Kreisen  lebhaften
Widerhall  gefunden.  Wie  sich  aus  einer  Reihe  an  das
Kriegsamt  gerichteter  zustimmender  Zuschriften  ergibt,
haben  manche  Handelskammern  den  hohen  Wert  einer
verminderten  Inanspruchnahme  der  Gerichte  und  einer
dadurch  ermöglichten  Freimachung  der  bei  den  Gerlchten
und  im  Verkehr  mit  den  Gerichten  festgelegten  Arbestskräfte
  für  militärische  Zwecke  bereits  voll  erkannt  und  ihre
Einrichtungen  in  dankenswertester  Weise  in  den  Dienst
dieses  Gedankens  gestellt.  So  hat  die  Handelskammer  zu
Mannheim  in  Verbindung  mit  der  dortigen  Handwerkskammer
  ein  Einigungsamt  zur  Beilegung  von  Rechtsstreltigkeiten
  errichtet  und  eine  Beratungsstelle  für  Kleinhandel
  und  Gewerbe  geschaffen.  Ferner  sind  neuerdings
bei  der  Handelskammer  Schledsgerichte  für  Streitigkeiten
bei  Kausverträgen  für  Web.,  Wirk.,  Strick-  und  Schuhwaren
  eingerichtet  worden.  —  Da  mit  derartigen  Einrichtungen
  einem  wirklichen  Bedürfnisse  akommen