Nachdenken  für  jeden  Deuts

*  Kriegsziele  englischer  Jingos.

Der  Herausgeber  ber  „National  Review“  stellt  im
Juni-Het  seiner  Zeitschrift  folgendes  Kriegsziel-Programm
  aus.

Wir  haben  keinerlei  Grund  —  so  heißt  es  dort  —
zu  verheimlichen,  was  die  öffentliche  Meinung  Englands
als  Erfordernisse  für  einen  dauerhaften  Frieden  betrachtet.
  Erste  Grundvoraussetzung  ist:  Ehe  der  Verband  in
irgendwelche  Friedensverhandlungen  eintritt,  müssen  alle
feindlichen  Truppen  hinter  den  Rhein  zurückgezogen  werden,
  ebenso  wie  aus  Rußland,  Polen,  Serbien,  Montenegro
  und  Rumänien.  Ferner  müssen  Deutschland  und
Oesterreich-Angarn  als  Garantie  für  ihr  gutes  Verhalten
ihre  Flotten  den  Verbandsmächten  übergeben.  Wenn  das
britische  Publikum  nun  folgende  Kriegsziele  aufstellt,  so
dars  es  nicht  vor  dem  Einwand  zurückscheuen,  daß  es  das
Fell  des  Bären  verteilt,  ehe  es  den  Bären  erlegt  hat,  sondern
  es  muß  sich  im  voraus  gegen  eine  zu  nachgiebige
Diplomatie  wappnen.  Die  Bedingungen  lauten:

1.  Kein  Friede  mil  den  Hohenzollern.

2.  Vollständige  moralische,  materielle  und  finanzielle

Entschädigung  durch  Deutschland  gegenüber  jedem
Lande,  welches  Schaden  erlitten  hat,  einbegriffen
Belgien  und  das  britische  Reich.
Rückgabe  aller  von  den  Deutschen  besetzten  Gebiele
an  ihre  rechtmäßigen  Eigentümer,  einschließlich
Ellaß-Cothringens.
4.  Keine  Rückgabe  irgendeines  irgendwo  in  der  Welt
während  des  Krieges  von  der  deuischen  Herrschaft
befreiten  Gebietes.
6.  Strengste  Justiz  gegenüber  allen  deutsch

chen  Verberechern
  und  Erzverbrechern  für  ihre  währenb  des

Klrieges  begangenen  Taten.

6.  Strategische  Vorkebrungen  gegen  künftige  deutsche
Anngriffe,  einschliehlich  Internationalisierung  des
Kieler  Kanals.  -  -

7.  Verteilung  der  deutschen  Flotte  unter  die  einzelnen
Verbandsgenossen  in  der  Welse,  daß  die  kleineren
Seemächte  einen  um  so  größeren  Teil  der  Flotte
erhalten.  .-.  »  6

8.  Uebergabe  der  deutschen  Hanbelsmarine  als  Teilentschädigung
  für  den  rücksichtslofen  A.  Boot-Krieg.

9.  Entpreußung  des  Deutschen  Reiches,  Verbot,  daß
ein  Preuße  Deutscher  Kaiser  sein  darf.

10.  Vorbehalt  für  den  Verband,  weitere  Kriegsbedingungen
  zu  stellen,  um  ihr  Hauptziel,  die  Vernichtung
des  preußischen  Militarismus,  zu  erreichen.

Keine  geheimen  Klauseln  oder  nichtamtliche  Verständigungen
  irgendwelcher  Art,  weder  in  bezug  auf
Handelsverträge  noch  auf  Heiraten  unter  den
Dnpnaftien.

11.

beschäftigt  wäre  und  dadurch  außerstande,

„Verkags-Gef.

12.  Da  kein  Papierfetzen  mit  der  Unterschrift  Deutschlanbs
  irgend  etwas  bebeutet,  müssen  die  Verbandsmächte
  sich  vorbehalten,  jede  etwa  entstehende  unordergesehene
  Zufälligkeit  entsprechend  zu  erledigen.


Erreichen  die  Verbandsmächte  auf  irgendeinem  Geblete
  wenlger,  als  diese  Vorschläge  enthalten,  so  bedeutet
dies  unvermeidbar  die  Wiedereröffnung  des  Kampfes
zwischen  Kultur  und  Zivilisation,  sobalb  der  Boche  sich
nur  eln  wenig  stärker  fühlt  als  seine  Nachbarn.

*  Eine  „geschichtliche’  Begründung

französischer  Annexionswünsche.

Mit  welcher  Kühnheit  französische  Blätter  die  Geschichte
  fälschen,  um  sie  als  Eibeshelfer  ihrer  Annexionswünsche
  benutzen  zu  können,  zeigen  die  folgenben  Ausführungen
  des  „Gaulols“  vom  3.  Junii

„Wenn  wir  die  Marken  des  Reiches  durchwandern,
so  treffen  wir  im  Westen  das  linke  Rheinufer,
dessen  Besttz  unentbehrlich  für  Frankreich
  und  Belglen  ist.  Seine  Kohle  erlaubt  uns,
bas  lothringische  Eisen  auszubeuten  und  in  Handel  und
Industrie  unsere  Unabhängigkelt  sicherzustellen.  Die
Einwohner  sind  nichts  weniger  als
deutsch,  sie  sind,  wie  die  Elsässer,  unsere  Brüder,  aber
während  diese  im  17.  Jahrhundert,  früh  genug,  befreit  ()
wurden,  um  ihren  Ursprung  nicht  zu  vergessen,  sind  die
anderen,  die  Kelten  von  Trier  und  Aachen,  jetzt  vielleicht
treue  Untertanen  der  Hohenzollern.  Aber  trotzbem
fsind  es  Franzosen  (h,  leben  auf  französischem
Boden  (I),  und  kein  Grundsatz  kann  uns
dessen  Annexion  verbieten.“

Den  weltgeschichilichen  Amwälzungen  der  Völkerwanderung
  steht  der  „Gaulois“  offenbar  ebenso  ahnungslos
  gegenüber,  wie  dem  französischen  Raubzug  im  17.  Jahrbundert,
  der  sogar  in  eine  Befreiungotat  verwandelt
werden  muß,  um  für  die  Begründung  der  gegenwärtigen
Annexsonswünsche  verwenbbar  zu  werden.

*  Wiedergutmachung  während  eines

Jahrhunderts.

Der  Sekretär  des  englischen  Gewerkschaftsbundes,
Appleton,  schreibt  im  Gewerkschaftsorgan  „The  Federationist“
  u.  a.  folgendes:  **½½1  i-„Es
  ist  natürlich  ganz  unmöglich,  dom.  vernichteten
Deutschland  genügende  Entschädigungen  für  alle  dleiensgen
zu  fordern,  die  es  gelchedi  hat.  Aber  nicht  unmöglich

.  9
b

e  Anforderung  solcher
Bebingungen,  daß  es  mit  Wiedergutmachung
  während  eines  Jar  rhundert
neuen  Kriegen  zu  träumen  und  sich  auf  sie  vorzubereiten.“

und  nur  gerecht  i  ·