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Beilage  zum  „K

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*  Die  Wichtigkeit  der  Nesselsammlungl

Die  im  Vorjahre  gegründete  Resselsaser-Verwertungs-Gesellschaft
  m.  b.  H.  bezweckt  die  Sammlung  und  Verwerkung
  der  wildwachsenden  Resseln  als  Gespinstfasern.

Trotz  ihrer  späten  Gründung,  der  Schwierigkeit  der
Sammlung  und  des  nalürlichen  Widerstandes,  der  allgemein
  gegen  die  bisher  nur  als  Unkraut  bekannte  Pflanze
herrschte,  war  das  Ergebnis  der  Sammlung  immerhin  befriedigend.
  Leider  verdarben  infolge  der  schlechten  Witterung
  und  der  infolge  Unkenntnis  mangelhaften  Trocknung
große  Mengen  Nesselstengel;  noch  größer  war  aber  die
Menge  der  überhaupt  nicht  eingeernteten  Stengel.

Wenngleich  bei  Gründung  der  Gesellschaft  schon  Verfahren
  bekannt  waren,  welche  eine  Gewinnung  der  spinnsähigen
  Faser  zu  verheißen  schienen,  so  hielt  man  es  doch

für  richtiger,  durch  öffentliche  Aufforderung  alle  Besitzer

geeigneter  Versahren  zu  ersuchen,  diese  der  Geseltschaft
anzubieten.
Eeine  aus  den  besten  Faserkennern  Deutschlands  zusammengesetzte
  Prüfungskommission  unterzog  sich  der
Mühe,  jedes  angemeldete  Verfahren  einzeln  und  genauest
zu  prüfen.

Die  Inhaber  der  aussichtsvollsten  Arbeitsmethoden
erhielten  sodann  aus  den  inzwischen  gesammelten  Vorröten
größere  Mengen  Nesselstengel  zugewiesen,  um  ihr  Verfahren
  praktisch  und  im  großen  zu  erproben  und  möglichst
zu  verbessern.  "

Die  so  gewonnenen  Fasern  wurden  einer  Prüfung
unkerzogen,  ob  und  in  welcher  Weise  ihre  Verspinnung  auf
Baumwollmaschinen  staltfinden  konnte.  Hierbei  ergaben
sich  natürlich  noch  manche  Wünsche  seilens  der  Spinnereibesitzer,
  die  bei  der  Anfarbeitung  der  Stengel  durch  Abänderung
  der  Verfahren  nach  Möglichkeit  berücksichtigt
werden  mußten.  ·

Erst  nachdem  auch  das  Spinnproblem  vollständig
gelöst  war  und  ein  Garn  aus  reiner  Nesselfaser  selbst  in
feineren  Rummern  gesponnen  werden  konnte,  wurden  die
gesammelten  Vorräte  an  Nesselstengeln  zur  Verarbeitung
freigegeben,  da  man  es  für  zweckmäßiger  bielt,  erst  die
ganze  Resselfrage  einwandfrei  zu  lösen,  um  so  einer  Zersplitterung
  und  Vergeudung  der  vorjährigen  Sammlung
vorzubeugen.  —

«  Diese  Arbeiten  nahmen  natürlich  viel  Zeit  in  An—

spruch,  so  daß  die  Aufschließung  der  Resselstengel  im
großen  erst  Ende  Mai  begonnen  werden  konnte.  Inzwischen
  ist  aber  eine  größere  Jahl  von  Ausschließungsbetrieben

  eröffnet  worden,  die  gleichmäßig  über  Deutschland
  verteilt  liegen.  Es  ist  daher  nicht  nur  damit  zu
rechnen,  daß  die  vorjährige  Ernte  in  Kürze  restlos  auf.-gearbeitet
  ist,  sondern  daß  auch  die  in  diesem  Jahre  gesammelten
  Stengel  zum  größten  Teil  gleich  den  Auf.
schließungsfirmen  zugeteilt  werben  können.

Die  Organisation  der  Sammlung  selbst  ist  in  diesem
Jahre  wesentlich  ausgebaut  worden;  vor  allem  war  man
bemüht,  durch  Gewinnung  von  Trocknungsanstalten  den
Sammlern  die  lästige  und  umständliche  Arbeit  der  Nesseltrocknung
  zu  ersparen.  Leider  konnten  aber  nicht  überall
Trocknungsanstalten  gesunden  werden,  und  es  mülssen
daher  in  solchen  Bezirken,  wo  derartige  Bekriebe  nicht
vorhanden  sind,  die  Nesselstengel  in  völlig  lrockenem  und
entblättertem  Zustande  abgeliesert  werden.

Durch  das  Entgegenkommen  der  Behörden  sind  in
fast  allen  größeren  Orten  Sammelstellen  errichtet  worden.
Sollte  aber  irgendeinem  Sammler  eine  Sammesstelle  nicht
bekannt  sein,  so  wird  gebeten,  sich  an  die  Nesselsaser-Verwertungs-Gesellschaft
  m.  b.  H.  in  Berlin  SW.  68,
Schützenstr.  65,66,  zu  wenden,  die  dann  sofort  eine
Sammelstelle  nachweist.

Es  wird  ausdrücklich  betonl,  das  von  der  Gesellschaft
Plakate  und  Merkblätter  in  jeder  benötigten  Anzahl
kostenfrei  bezogen  werden  können,  und  daß  die  Gesellschaft
die  Abnahme  aller  völlig  trockenen  und  entblätterten,  gesunden
  Brennesselstengel  garantiert.

Für  die  Ablieferung  sind  folgende  Preise  amtlich  festgesetzt
  worden:

für  100  Kilo  vorgetrockneter  (angewelkter)

Nesselstengel  mit  Blätteryn.  2,—  M.
für  100  Kilo  völlig  trockener  und  enkblätterter
  Nesselstengel  2  a  14,—  M.

Die  aus  den  gesammelten  Resselstengeln  gewonnenen
Fasern  werden  ausschließlich  im  Interesse  des  Heeres
weiterverarbeilet,  ohne  daß,  was  besonders  hervorgehobem
werden  soll,  der  hiermit  beauftragten  Industrie  eine  Gelegenheit
  zu  sogenannten  Kriegsgewinnen  gegeben  wird.

Es  kommt  also  die  ganze  Sammeltätigkeit  in  erster
Linie  unseren  Soldaten  zugute.  Den  Sammlern,  vor
allem  den  Kindern,  wird  daher  dieser  Gedanke  ein  besonderer
  Ansporn  zu  freudigem  Sammeln  sein.

Interessieren  dürfte  es  noch,  daß  ungefähr  4  Kilo
völlig  trockener  und  entblätterter  gesunder  Resselstengel  so“
viel  Fasern  ergeben,  daß  hieraus  ein  Soldatenhemd  angefertigt
  werden  kann.